Grenzach-Wyhlen Spazieren für sauberes Trinkwasser

Die Oberbadische, 28.06.2015 23:00 Uhr

Grenzach-Wyhlen (rr). Die Transparente verdeutlichten das Anliegen: Die Kesslergrube soll auch im BASF-Bereich vollständig ausgehoben werden. Dieser Forderung haben gestern bei einem Protestspaziergang von Grenzach-Wyhlen nach Basel knapp 150 Einwohner und Gäste aus Basel zuerst am Ostrand der Grube und dann auf dem Basler Marktplatz Nachdruck verliehen.

Greenpeace Basel hatte diesen Spaziergang organisiert, um die Aufmerksamkeit auf die mögliche Beeinträchtigung des Trinkwassers in der benachbarten Großstadt zu lenken. Sollte das Unternehmen dabei bleiben, dass dieser Teil der alten Giftmülldeponie nur eingekapselt, nicht aber vollständig gereinigt wird, könne in Zukunft durch Auswaschung das Trinkwasser Basels an den dicht nebenan gelegenen Entnahmestellen seine Reinheit verlieren.

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Rudolf Wahl vom Zukunftsform Grenzach-Wyhlen trat dafür ein, dass nur eine vollkommene Schadstofffreiheit akzeptiert wird. Eine solche „Scheinlösung“ wie etwa am Tutti Kiesi in Rheinfelden komme nicht in Frage, dort seien die belasteten Böden nur überdeckt worden. „Erst recht werden wir nicht akzeptieren, dass hier Schadstoffe abtransportiert und neue hergebracht werden. Grenzach darf nicht zur Giftmüllentsorgungsdrehscheibe in Mitteleuropa werden“, bekräftigte er.

Gemeinderätin Annette Grether überbrachte die Grüße von Bürgermeister Tobias Benz. BASF wolle einfach nicht begreifen, dass man Dreck nicht unter den Teppich kehren könne, denn von dort komme er irgendwann wieder hervor. „Aber aller Dreck der hier in den Rhein gelangt, fließt auch nach Ludwigshafen.“ Ruhe geben würden die Gegner der Einkapselung erst dann, wenn sich die BASF-Position verändert.

Schließlich verwies BUND-Ortsvorsitzender Herwig Eggers darauf, dass Trinkwasser die wichtigste Ernährungsgrundlage ist. Deshalb sei verbleibender Giftmüll nicht nur ein Problem für Grenzach-Wyhlen, sondern auch für beide Basler Kantone.

Das hob bei der Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz auch Großrat Thomas Grossenbacher von den Grünen hervor. Rund 4000 verschiedene giftige Substanzen seien für die Abfälle der Kesslergrube bisher nachgewiesen. Der Entnahmebereich für das Basler Trinkwasser beginne bereits 400 Meter hinter der Grenze. „Auch wenn BASF mit der geplanten Einkapselung nicht gegen Rechtsvorschriften verstößt, so ist dies dennoch ein Akt moralischer Umweltkriminalität“, sagte er. „Ein Unternehmen, das im Vorjahr fünf Milliarden Überschuss erwirtschaftete, kann sehr wohl 250 Millionen für eine vollständige Sanierung der Grube aufbringen.“

Carola Lambelet aus Grenzach, Mitglied der Bürgerinitiative Zukunftsforum, sieht in der Kesslergrube einen einmaligen Fall in Deutschland. Bei gleichem Giftgehalt würden die beteiligten Firmen unterschiedliche Methoden anwenden, wobei sich BASF um 90 Prozent der Koste drücke. „In einem Jahr werden im Abflussbereich der Kesslergrube 28 Millionen Kubikmeter Trinkwasser entnommen, so könnten also bei Schadstoffeinleitung 210000 Einwohner Basels geschädigt werden.“

Der Umweltwissenschaftler Martin Forter hofft, dass sich nunmehr auch die Basler stärker für eine Vollsanierung der Kesslergrube einsetzen.