Grenzach-Wyhlen Stecknadel am Rheinufer

Langfristig verfolgt die Gemeinde Grenzach-Wyhlen das Ziel, den insgesamt 9,3 Kilometer langen Rheinuferweg auf der gesamten Gemarkung durchgängig zu machen. Zudem soll er stellenweise ausgebaut und bezüglich seines Freizeitwertes deutlich aufgewertet werden – im Einklang mit Natur- und Denkmalschutz.

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. Wer den Rhein vom Grenzacher Hörnle entlang wandern will, stößt mehrfach an Grenzen. Mal ist ein Wegabschnitt – etwa im Bereich der Salzlände – gar nicht wirklich vorhanden, dann ist ein Teil nicht nutzbar, da gesperrt – Keßlergrube und BASF-Areal –, oder er ist nach heftigen Regenfällen nur noch eine Schlammgrube (im Bereich „Schacht“ beispielsweise).

Viele Hindernisse

Dies soll sich auf lange Sicht ändern. Die Gemeinde Grenzach-Wyhlen verfolgt das Ziel, einen durchgehenden Rheinufer-Wanderweg herzustellen. Auf die Sicht von Jahren allerdings, denn mehrere Faktoren stehen dem Projekt derzeit noch im Weg, wie Bürgermeister Tobias Benz am Dienstagabend verlauten ließ. Mal seien bestimmte Abschnitte gar nicht richtig eingemessen oder Besitzverhältnisse unklar, mal seien Rechtsstreitigkeiten zu erwarten. In Höhe des BASF-Areals beispielsweise, wo der Uferweg aus Gründen der Verkehrssicherheit gesperrt werden musste. Die Gemeinde erwarte, dass „der Verursacher“ – gemeint ist BASF – die im Zuge von Rückbauarbeiten entstandenen Wegschäden wiederherstelle. Wegen der Keßlergrubensanierung ist der Uferweg am Fluss auch dort auf Jahre nicht passierbar. Die Firma Roche wolle den Wegabschnitt nach Abschluss des Vollaushubs aber wieder instandsetzen, sagte Benz.

Teilabschnitt bei Wyhlen

Aus diesen Gründen konzentriert sich die Kommune mit ihren Plänen für eine Attraktivitätssteigerung des Rheinuferweges erst einmal auf den Abschnitt von der Gemarkungsgrenze zu Herten beim römischen Brückenkastell bis zu jener Stelle südlich des Geo-/Biotops, wo eine „Ortstafel“ auf den südlichsten Punkt Baden-Württembergs hinweist. Dieser 2,6 Kilometer Wegabschnitt soll in den Jahren 2019/20 ausgebaut und aufgewertet werden.

Die Idee

Geplant ist, den Weg selbst auf eine einheitliche Breite auszubauen und ihn mit einer wassergebundenen Decke zu versehen. Die einheitliche Breite, um „Konflikte“ (Benz) beispielsweise zwischen Radfahrern und Fußgängern mit Kinderwagen zu vermeiden, die bessere Deckschicht, um den Weg nach Regenfällen problemlos nutzen zu können.

Drei „Stationen“

Zur touristischen Attraktivitätssteigerung sieht die Planung die Anlage einiger „Stationen“ vor. Dies im Einklang mit Natur- und Denkmalschutz, ist das Rheinufer doch ökologisch besonders wertvoll und schützenswert. Der Denkmalschutz greift beispielsweise bei der Ruine des römischen Brückenkastells.

Station 1: Brückenkastell

Immerhin drei Fundamente der einst acht Türme des antiken Brückenkastells – der Großteil ist über die Jahrhunderte in den Rhein gerutscht – sind noch erhalten und freigelegt. Wer sie besichtigen will, muss schon ein wenig ortskundig sein. Zwar weist ein Hinweisschild auf das Brückenkastell oberhalb vom „Negerdörfli“ hin, doch ist dies vom Uferweg kaum zu erkennen. Nur ein schmaler, halb zugewucherter Trampelpfad durch das Unterholz führt zu den antiken Relikten.

Die Gemeinde plant, dort, wo sich die Wege von Kastell, Rheinfähre, „Negerdörfli“, „Zubringer“ von der B 34 und der Rheinuferweg treffen, einen kleinen Platz zu gestalten. Dort sollen Infotafeln und Aufenthaltsmöglichkeiten aufgestellt werden. Eine „markante“ Baumreihe soll den Weg von der B 34 zum Parkplatz erkennbar machen, sagte Planer Roland Senger im Gemeinderat. Geplant sind zudem Strauchpflanzungen als Teil eines Gehölzlehrpfades.

Veränderungen erfahren soll auch die Ausgrabungsstätte selbst. So könnte der Weg dorthin deutlich verbessert und behutsam ausgebaut werden. Geländer sollen das steile Rheinufer sichern, und das Ufer dort wird etwas ausgelichtet werden, um die Sichtbeziehung nach Kaiseraugst zu verbessern und den historischen Kontext zu Augusta Raurica erfahrbar zu machen.

Station 2: Kraftwerksblick

Ändern wird sich die Wegebeziehung dort, wo sich – zwischen Fallberg und Kraftwerk – die Gewerbestraße und der Rheinuferweg voneinander trennen. Denn diese Stelle ist aktuell weder beschildert noch für Ortsfremde als Zugang zum Wanderweg erkennbar. Hier sind Schilder und ein neuer, doppelter Wegeanschluss geplant. Hinzu kommen sollen Sitzbänke als Teil der Gestaltung der bisherigen Grünfläche zum „Tor“ zum Rheinuferweg. Auch hier werden Sträucher als Teil des Gehölzlehrpfades gesetzt.

Station 3: Stecknadel

Deutlicher herausgestellt werden soll in wenigen Jahren ferner der südlichste Punkt Baden-Württembergs. Dieser befindet sich am Rheinufer südlich des Geo-/Biotops und wird aktuell durch eine gelbe „Ortstafel“ markiert. Hierfür schlägt Roland Senger stattdessen eine „überdimensionale Stecknadel“ vor, eine Edelstahl-Stele mit Infotafel. Zudem sollen in die Böschung Sitzmauern eingebaut werden und mit weiteren Tafeln als Teil des Gehölzlehrpfades auf besondere Bäume hingewiesen werden. Ebenso wird der Uferweg dort verbreitert und mit einem festeren Belag versehen.

Die angedachten Maßnahmen zur Aufwertung des Rheinuferweges zwischen dem Brückenkastell und dem südlichsten Punkt Baden-Württembergs sollen laut Schätzung rund 250 000 Euro kosten. Davon wird die Gemeinde selbst lediglich rund 75 000 Euro tragen müssen, da das Projekt extrem hoch bezuschusst wird. Die Gelder stammen aus dem EU-Regionalprogramm „Interreg V Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein“. Die Stadt Rheinfelden hat im Vorjahr ein Interreg-Projekt zur Rheinuferweg-Aufwertung initiiert. Grenzach-Wyhlen schließt, nachdem der Gemeinderat am Dienstagabend zugestimmt hat, mit der Nachbarstadt eine Partnerschaftsvereinbarung. In der Folge kann nun der entsprechende Fördermittelantrag gestellt werden.

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