Grenzach-Wyhlen Ungebremst den Rührberg hinab

Grenzach-Wyhlen (mv/pb). Nahezu ungebremst ist ein Lastwagen samt Anhänger am Mittwoch gegen 20.15 Uhr die Rührbergstrecke hinabgerauscht und hat mehrere Häuser beschädigt. Die Straße weist ein Gefälle von zwölf Prozent auf und ist eigentlich talwärts für Fahrzeuge über vier Tonnen gesperrt. Wie durch ein Wunder ist es dennoch nicht zu einer Katastrophe gekommen – obwohl der Laster sogar die B 34 im Wyhlener Ortskern überquert hat. Dort fuhr glücklicherweise gerade kein Auto. 

Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei verlor der wahrscheinlich aus der Ukraine stammende Fahrer des Lastwagens aus noch nicht bekannter Ursache die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dieses ließ sich nicht mehr bremsen, überquerte mit hoher Geschwindigkeit die B 34 und kam erst zwischen zwei Wohnhäusern auf der südlichen Straßenseite auf einem Privatgrundstück zu stehen.

Der 57-jährige Fahrer wurde nur leicht verletzt. An den beiden Häusern, zwischen denen der Laster zum Stehen kam, entstand erheblicher Schaden. Vorläufig geht die Polizei von etwa 100 000 Euro Sachschaden aus.

Von Glück im Unglück sprachen vor Ort die Polizeibeamten des Polizeireviers Rheinfelden, des Verkehrsunfalldienstes sowie die Feuerwehrleute aus Grenzach-Wyhlen, die mit über 20 Mann im Einsatz waren, um den Kreuzungsbereich der B 34 weiträumig abzusperren und den Verkehr umzuleiten.

Vor Ort weilte auch Grenzach-Wyhlens Ordnungsamtsleiter Jürgen Käuflin. Er war froh, dass keine weiteren Personen bei dem spektakulären Unfall zu Schaden kamen. Käuflin ging davon aus, dass der Lastwagenfahrer offenbar noch geistesgegenwärtig genug war, um sein Fahrzeug zwischen den Häusern Nummer zwei und sechs an der B 34 hindurch zu lenken. Gleichzeitig verwies der Ordnungsamtsleiter auf austretenden Kraftstoff, so dass auch die Umweltschutzabteilung des Landratsamtes informiert wurde. Sie sollte feststellen, ob und wie gegebenenfalls das dekontaminierte Erdreich zu beseitigen und fachgerecht zu entsorgen ist.

Ob und in wie weit zumindest Teile der beschädigten Häuser einsturzgefährdet sind und gegebenenfalls abgerissen werden müssen, konnte bis Redaktionsschluss noch nicht definitiv mitgeteilt werden.

Der verunfallte Laster wurde gestern am frühen Abend mit Spezialgerät geborgen (siehe gesonderten Bericht auf dieser Seite).

Grenzach-Wyhlen (mh). „Ich dachte, es ist eine Bombe explodiert, so hat es gekracht. Der Boden zitterte wie bei einem Erdbeben. So etwas habe ich in meinem Leben noch nie erlebt“, sagte Walter Dehn, der ein Nachbarhaus bewohnt, als der Lastzug zwischen die beiden Nachbarhäuser krachtet.

„Wir sind dann sofort auf den Balkon und haben nachgeschaut, was überhaupt passiert ist. Zunächst war außer Rauch und Staub nichts zu sehen, doch dann schälten sich die Konturen eines Lastwagens aus dem Staub“, schildert der Ohrenzeuge sein Erlebnis. Er habe sofort einen Notruf bei der Polizei abgesetzt, und dann waren auch schon die ersten Helfer vor Ort: Ebenfalls seien die Rettungsdienste seien sehr schnell dagewesen, sagt Dehn.

Die Bergungsarbeiten des verunglückten Lastwagens zogen sich gestern bis in die späten Abendstunden hin. Dazu musste musste die B 34 in der Ortsdurchfahrt Wyhlen zwischen der Ziegelhof- und der Eisenbahnstraße ab dem Nachmittag voll gesperrt werden. Die Bergung des Lastzugs gestaltete sich außerordentlich schwierig und geschah unter Einsatz eines riesigen Autokrans. Unser Foto entstand gegen 19.30 Uhr.

pb/Foto: Manfred Herbertz

Grenzach-Wyhlen. Im Rahmen einer Pressemitteilung dankt die Gemeinde Grenzach-Wyhlen ausdrücklich allen Einsatz- und Rettungskräften für ihr große Engagement nach dem schweren Verkehrsunfall am Mittwochabend in Wyhlen.

„Glück im Unglück war, dass keine anderen Verkehrsteilnehmer in Mitleidenschaft gezogen wurden und es zu keinen Verletzten gekommen ist“, wird Bürgermeister Tobias Benz in der Pressemitteilung zitiert. Der Rathauschef lobt darin das vorbildliche Agieren der Rettungs- und Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sowie des Ordnungsamtes vor Ort.

Am gestrigen Abend begannen die komplizierten und aufwendigen Bergungsarbeiten des verunglückten Lastwagens, der aus der Ukraine stammt. Außerdem werden die Schäden an den betroffenen Häusern eingehend untersucht.‎

Die Gemeinde nimmt den Unfall zum Anlass, erneut auf die talwärts bereits bestehende Sperrung der Rührbergstrecke für Lastwagen über vier Tonnen Gewicht hinzuweisen. „Wir werden uns bei den zuständigen Stellen dafür einsetzen, dass die Kontrollen verstärkt und Verstöße konsequent geahndet werden“, bekräftigt Bürgermeister Benz. Außerdem will die Gemeinde darauf hinwirken, bei der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises aus Sicherheitsgründen eine komplette Sperrung der Rührbergstrecke – also auch bergaufwärts – für Lastwagen über vier Tonnen zu erreichen. Darauf hatten einige Anwohner des Rührbergs unlängst erneut gedrängt (wir berichteten). Dies auch mit Verweis auf die schwierigen Bodenverhältnisse und drohende Absenkungen der Straße oberhalb der Himmelspforte.

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