Seit Ende November des vergangenen Jahres können die Autobesitzer in Grenzach-Wyhlen und Lörrach wieder ruhiger schlafen. Damals wurde der mutmaßliche Täter zahlreicher Autoaufbrüche festgenommen. Am Montag hat das Schöffengericht Lörrach den Mann zu zwei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Von Gottfried Driesch

Grenzach-Wyhlen. Beschuldigt wurde ein 29 Jahre alter Deutscher aus Grenzach-Wyhlen. Er soll zwischen Juni und November 2017 in Grenzach-Wyhlen mehr als 15 Autos aufgebrochen und Gegenstände aus den Wagen gestohlen haben. Zwischen Juni und Oktober werden dem Angeklagten acht Autoaufbrüche in Lörrach zur Last gelegt. Hinzu kommen mehrere Diebstähle von hochprozentigen Spirituosen, die der Beschuldigte in Einkaufsmärkten in Grenzach-Wyhlen und Lörrach verübt haben soll. Weiter wurde er mit verbotenen Betäubungsmitteln erwischt.

Spektakulärerster Fall am 23. November

Der spektakulärste Fall ereignete sich am 23. November 2017. Der Angeklagte war gerade dabei, ein kurz unverschlossen geparktes Auto zu durchsuchen, als dessen Besitzer zurück kam. Es entwickelte sich eine Rangelei, in deren Verlauf der Angeklagte ein Messer zog. Der Autobesitzer ließ daraufhin von dem Beschuldigten ab, sodass dieser fliehen konnte.

Die Vorgehensweise war stets die Gleiche. Mit einem aus einer Eisenbahn in der Schweiz gestohlenen Nothammer schlug der Beschuldigte eine der Seitenscheiben der Autos ein. Gestohlen wurden Gegenstände, die offen in den Wagen gelegen hatten: Geldbörsen, Taschen oder Rucksäcke. Die Beute war meistens recht gering. Alle Wertgegenstände, auch die Spirituosen, habe er sogleich gegen Drogen eingetauscht. Viel gravierender als die Beute waren die Schäden, die an den Autos entstanden.

Überführt wurde der Angeklagte einmal durch eine übereinstimmende DNA-Spur. Ferner hatte er bei einem der Diebstähle eine EC-Karte erwischt. Beim Versuch, damit Geld anzuheben, wurde er von einer Überwachungskamera aufgenommen.

„Seit der Festnahme des Verdächtigen ist die Aufbruchserie von Pkw in Grenzach abrupt abgebrochen“, berichtete der ermittelnde Polizeibeamte. Bei der ersten Vernehmung habe der Verdächtige die Taten sofort zugegeben und kooperiert. Auch in der Verhandlung gab er den Großteil der Vorwürfe zu.

Angeklagter seit früher Jugend drogenabhängig

Der Angeklagte nimmt seit seinem 13. Lebensjahr regelmäßig Drogen. Seit rund acht Jahren konsumiert er Heroin und Kokain. Gearbeitet hat er seither nicht. Eine Therapie hat er noch nie gemacht. Da er selber erkannt habe, dass es so nicht weitergehen könne, bemüht er sich aktuell um einen Therapieplatz.

Nach Auskunft des Staatsanwaltes wurde die Anklage jetzt auf die vom Angeklagten eingeräumten Fälle beschränkt. Es gebe aber zahlreiche weitere Autoaufbrüche, die zumindest der „Handschrift“ nach auch vom Angeklagten hätten verübt werden können. Auch in Basel sind mehrere Verfahren wegen Autoaufbrüchen gegen den Beschuldigten anhängig.

Der Staatsanwalt beantragte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren neun Monaten. Da es sich eindeutig um Beschaffungskriminalität gehandelt habe, könne die Strafe zu Gunsten einer Drogentherapie zurückgestellt werden. Im gleichen Sinne äußerte sich die Verteidigerin, nur fand sie zwei Jahre und sechs Monate ausreichend. Seit rund vier Monaten sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft.

Verfahren auch in Basel

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Dietrich Bezzel verurteilte den Angeklagten wegen gewerbsmäßigem Diebstahls in 36 Fällen, des Besitz von Betäubungsmitteln und versuchten Computerbetruges zu zwei zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe. Eine Therapie geht der Strafvollstreckung vor. Das Gericht hat die Mithilfe bei der Aufklärung und das Geständnis strafmildernd gewertet.