Von Willi Vogl

Grenzach-Wyhlen. Inzwischen ist „klassikanderswo“ eine beeindruckende Grenzach-Wyhlener Erfolgsgeschichte mit überregionaler Ausstrahlung. Bereits zum fünften Mal boten die Macher Helmut Bauckner, Peter Weber und Georg Dettweiler dem Publikum feine klassische Musik an einem ungewöhnlichen Konzertort. Zum ersten Mal saß jedoch ein veritables Sinfonieorchester auf der Bühne: 38 Musiker des „Orchester Linie 38“. Als Gastgeber fungierte die Roche Pharma AG. Hausherr Hagen Pfundner begrüßte die etwa 800 Gäste zum „ersten Konzert auf dem Werksgelände“. Bürgermeister und Schirmherr Jörg Lutz erheiterte nach einer unumgänglichen Sicherheitseinweisung mit der Feststellung, dass man sich zu diesem Konzert „so sicher wie an kaum einem anderen Abend fühlen dürfe“.

Als schmunzelnde Referenz an den Gastgeber setzte der künstlerische Leiter Georg Dettweiler die Ouvertüre aus der Oper der „Apotheker“ von Joseph Haydn aufs Programm. Die hohe Bewegungstemperatur darin wirkte als klanglicher Kontrapunkt zur realen frühherbstlichen Temperatur.

Die Möglichkeiten mit Bläsern nutzend, standen vor allem verschiedene konzertante Perlen für Solobläser auf dem weiteren Programm. Mit inniglicher wie vorzüglich artikulierter Thematik aus Christoph Willibald Glucks „Reigen seliger Geister“ warteten die Flötisten Isabelle Schnöller und Matthias Ebner auf. Als Kontrast hierzu erklang vom selben Komponisten der „Tanz der Furien“. Gewitter gab es dabei von der großen Trommel und dem Donnerblech zum Glück nur auf der Bühne.

Romantisch verträumt wurde es mit Gabriel Faurés „Après un Rêve“. Cellist Georg Dettweiler verlieh der sentimental umherschweifenden Melodie des experimentierfreudigen Franzosen eine unaufgeregte wie eindringliche Kontur in differenzierten Schattierungen.

Mit edlem Ton und in selten eleganter Gestaltung präsentierte Hornist Jean-François Taillard „Morceau de Concert“ von Camille Saint-Saëns. Schade, dass sich der durchweg exponierte Hornparts dieses Variationszyklus bisweilen etwas im Gesamtklang des Orchesters versteckte. Ansonsten durfte eine rundum angenehm dezent und ausgewogen verstärkte Akustik festgestellt werden.

Zackig marschartige Orchestereinwürfe bildeten den Rahmen für die erzählende Spielweise eines solistischen Fagotts. Matthias Bühlmann bot bei „Der alte Brummbär“ von Julius Fučík mit seinem gemütlich grummelnden Instrument ein überzeugend in Szene gesetztes und in der Tempoführung kurzweilig gestaltetes Gegenstück für den kauzigen Humor des Komponisten.

Für ein Serenadenkonzert ungewöhnlich, jedoch vielen Gästen der musikalisch gewichtigste Grund für den Besuch, dürfte Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie gewesen sein. Die berühmten vier Töne des bestimmenden Motivs im „Allegro con brio“ erzeugten nicht nur starke kompositorische Charaktere sondern führten auch beim Orchester zu entsprechendem Spiel. Über 200 Jahre ist das Werk alt und immer noch wirkt es sperrig und aufrüttelnd. Engagiert und mit vorzüglich unterhaltender Präzision ging das Orchester zur Sache. Da hörte man köstlich homogene Holzbläser und majestätische Blechbläser im getragenen zweiten Satz, knackige Artikulationen im tänzerischen dritten Satz oder delikat gezupfte Töne und euphorisches Tremolo der Streicher im Finalsatz.

Die ebenso körperintensive wie animierende Zeichengebung von Dirigent Thomas Herzog trug zum runden Konzerteindruck entschieden bei. Vor dem Auszug der Musiker machten sie mit Fucíks „Einzug der Gladiatoren“ neugierig auf „klassikanderswo 2015“