Grenzach-Wyhlen Wasserkraftwerk erhält weiteren Zuwachs

Auf dieser Fläche innerhalb des eingefriedeten Kraftwerksbereichs soll eine Wasserstofferzeugungsanlage (P2G) mit einer Leistung von wenigstens fünf Megawatt errichtet werden. Foto: Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen - Die Firma Energiedienst (ED) will ihre Kapazitäten zur Wasserstofferzeugung in Wyhlen deutlich ausbauen. Geplant ist die Errichtung einer weiteren „Power-to-Gas/P2G“-Anlage neben dem Wyhlener Wasserkraftwerk. Der Bund fördert das „Reallabor H2-Wyhlen“ mit insgesamt rund 13,5 Millionen Euro. Vertreter von ED stellten am Dienstagabend im Gemeinderat erste Pläne für das Projekt vor. Baubeginn soll 2023 sein.

Energiedienst, so scheint es, hat aus dem „Wirbel“, der vor vier Jahren um die Pläne für den Bau der ersten „P2G“-Anlage gemacht worden war, offenbar gewisse Lehren gezogen.

Mit einer regelrechten Transparenz-, besser: Charmeoffensive möchte der Energie- und Umweltdienstleister alle auch nur irgendwie am Rande vom Bau der geplanten Fünf-Megawatt-Anlage Tangierten sehr frühzeitig an einen Tisch bringen: Behördenvertreter, Verwaltung, Gemeinderat, die das Projekt argwöhnisch beäugende IG Wasserkraftwerk am Altrhein, weitere Anwohner und alle sonstigen interessierten Bürger.

„Voller Freude und Tatendrang“ gehe man nun ans Werk, sagte ED-Kommunalbetreuer Roman Gayer im Gemeinderat. Im weiteren Verlauf der Projektvorstellung durch Gayer und seinen Kollegen Oliver Maier fielen unter anderem Begriffe wie „Pioniergeschichte“, „Leuchtturmprojekt“, „Zukunftstechnologie“, „gesellschaftliche Partizipation“ oder „Innovationsstandort Grenzach-Wyhlen“.

Geplant sind mehrere Infoveranstaltungen, Bürgerforen – online und, sofern möglich, auch real – sowie eine telefonische Bürgerbefragung zum Thema Wasserstoffnutzung. Ab Juni will ED auch auf Infotafeln am Kraftwerksgelände in Wyhlen über das geplante Projekt informieren.

Dort ist seit rund zwei Jahren bereits eine „P2G“-Anlage in Betrieb. Sie erzeugt aus dem direkt vor Ort produzierten grünen Strom derzeit eine Elektrolyseleistung von einem Megawatt. Die auf der Rasenfläche direkt östlich davon geplante zusätzliche Anlage soll – mindestens – die fünffache Kapazität haben. Denn fünf Megawatt ist die Minimalgröße, damit ED und seine Projektpartner die entsprechende Fördersumme bekommen können.

Der Grund, warum der Bund derart tief in die (Staats)-Kasse greift, ist, dass der Wasserstofftechnologie aus Bundessicht im Sinne von CO 2-Ausstoßreduzierung und Klimaschutz eine Schlüsselrolle zukommt. Projekte wie das in Wyhlen sollen als „Reallabore“ aufzeigen, wie tragfähige Geschäftsmodelle und Betriebsstrategien in obengenanntem Sinne entwickelt und dabei auch qualifizierte Arbeitsplätze geschaffen respektive erhalten werden können. Außerdem soll die Wasserstoff-Elektrolyse weiterentwickelt und auch die öffentliche Akzeptanz derselben im Zuge der Energiewende gestärkt werden.

In Stein gemeißelt ist in Wyhlen derweil noch nichts, weil das „Reallabor H2-Wyhlen“ derzeit noch ganz am Anfang steht. Zwar ist die dem Konsortium in Aussicht gestellte Bezuschussung – von den 13,5 sollen 7,5 Millionen Euro selbst an ED fließen – seit dem vergangenen Dezember eingetütet (wir berichteten), doch das Genehmigungsverfahren für die Anlage steht noch aus.

Für dieses Jahr wolle man sich nun ganz auf die Planung konzentrieren, bekundeten die ED-Vertreter im Gemeinderat. In den folgenden beiden Jahren stehen die Bauleitplanung und das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren an. Von 2023 bis 2025 will ED die neue „P2G“-Anlage bauen und in Betrieb nehmen.

Die Gemeinde Grenzach-Wyhlen selbst verspricht sich durch das ED-Vorhaben durchaus einen Imagegewinn als Innovationsstandort. Auch hat sie mit dem Energieversorger bereits eine Vereinbarung über Wärmeauskopplung geschlossen, um mehrere Wohnquartiere mit Energie zu versorgen. Zudem will die Verwaltung das Thema Wasserstoff-Busse für die Linien 38 und 7311 mit der SBG besprechen.

Am Ratstisch löste der Vortrag der ED-Vertreter ein allgemein positives Echo aus. Quer durch die Fraktionen wurde jedoch gemahnt, die Anlieger im Kraftwerksbereich vor Lärm- oder sonstigen Belästigungen zu schützen. Oder um es mit den Worten von SPD-Ratsherrin Marianne Müller zu sagen: „Die Anlage ist super, aber irgendwie beängstigend zugleich.“

Diesen Ball griff Roman Gayer auf, der versicherte, dass ED sämtliche Bedenken ernstnehmen und vollkommen transparent vorgehen und planen wolle. Nicht vergessen dürfe man auch den Fortschritt: „Unsere Anlage hatte in ihrer Anfangsphase Probleme, ja, aber heute sind wir weiter.“ Gayer versicherte: „Wir wollen kein Fremdkörper sein.“

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