Grenzach-Wyhlen Wenn der „Vibro-Truck“ durch Grenzach rollt

Tim Nagengast

Im Rahmen des in Riehen geplanten Geothermie- Ausbaus werden in Kürze auch in Grenzach seismische Bodenuntersuchungen vorgenommen. In diesem Kontext kann es zu wahrnehmbaren Erschütterungen kommen. Für mögliche Schäden will der hinter dem Projekt stehende Wärmeverbund Riehen auf jeden Fall aufkommen, wie die Verantwortlichen im Rahmen eines Infoabends vor rund 20 Zuhörern betonten. Dieser fand am Mittwoch im Haus der Begegnung statt.

Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. Das Projekt ist ambitioniert. Um den erfolgreichen Einsatz von Erdwärme für die Versorgung der Haushalte in der Schweizer Nachbargemeinde deutlich auszuweiten, will der Wärmeverbund Riehen (WVR) eine zweite Geothermieanlage errichten. Die hinter dem WVR stehende Gemeinde Riehen und die Industriellen Werke Basel (IWB) wollen dafür auf rund 65 Grad heißes Thermalwasser zugreifen. Dieses wird in etwa 1200 bis 1500 Metern Tiefe vermutet.

Weil der vorab nötige seismische Sondierungsbereich recht groß ist, werden von insgesamt 9000 speziellen Empfangsgeräten (Geophone) zwischen 500 und 600 in Grenzach ausgelegt – voraussichtlich ab dem 20. Januar. Ein Geophon ist ein etwa zehn auf zehn Zentimeter großer orange-grauer Würfel, der mit einem Dorn in die Erde gesteckt wird. In diesem Kästchen befindet sich eine hochsensible Empfangstechnik. Der Seismometer empfängt – vereinfacht gesagt – Schallwellen, die ein spezielles Vibrationsfahrzeug erzeugt und die dann aus der Tiefe der Erde reflektiert werden. Anhand dieser Reflexionen lässt sich am Ende ein 3D-Modell des Untergrunds erstellen. Dieses soll Hinweise darauf geben, wo und wie das Thermalwasser für die Geothermieanlage angezapft werden kann.

In Grenzach soll das Spezialfahrzeug (ein „Vibro-Truck“) zur Schallerzeugung an voraussichtlich zwei Tagen Anfang Februar zum Einsatz kommen. Es fährt festgelegte Straßenzüge ab. Alle 20 Meter wird der „Vibro-Truck“ anhalten und etwa eine Minute lang andauernde Vibrationen beziehungsweise Erschütterungen erzeugen. Diese könnten im Umfeld durchaus wahrnehmbar sein, wie die Fachleute im Rahmen des Infoabends betonten.

Begleitet wird das Vibrationsfahrzeug von Personal, das an blauen Westen zu erkennen ist. Diese Mitarbeiter der Fachfirma Geotest stehen jederzeit für Fragen zur Verfügung und nehmen auch etwaige Schadensmeldungen entgegen.

Nicht immer mit voller Kraft im Einsatz

Zwar soll je nach Abstand vom seismischen „Anregungsfahrzeug“ zu den umliegenden Häusern und je nach Straßenbreite nur mit 30 bis 80 Prozent der möglichen Kraft gearbeitet werden, wie Felix Bussmann von Geotest beim Infoabend festhielt, „aber es gibt kein Null-Risiko“. Sollte es, wovon er nicht ausgehe, doch zu Schäden im Kontext der Arbeiten kommen, „dann nehmen wir diese auf“.

Noch konkreter wurde IWB-Vertreter Thomas Schaal. Zwar seien Schadensmeldungen „extrem selten, aber wir werden kulant damit umgehen.“ Schaal präzisierte: „Wir haften dafür – ganz klar. Es wurde dafür eigens eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen.“

Bisher kam es kaum zu Schadensfällen

Mit dieser mehrfach geäußerten Klarstellung dürften Schaal und Bussmann wohl die wichtigste Frage aus dem Publikum bereits vorab beantwortet haben, denn bei der rege in Anspruch genommenen Aussprache mit den Zuhörern ging es vor allem um Detailfragen im erweiterten Kontext.

Ein Zuhörer sorgte sich beispielsweise um Gipskeuper-Schichten im Boden, die – Staufen ist das Negativbeispiel – durch das Wasser aufquellen könnten. Mit bekannten Folgen. So etwas werde durch eine spezielle Verrohrungstechnik ausgeschlossen, sagte Bussmann.

Noch keine klare Antwort bekam eine Zuhörerin, die wissen wollte, wann und wo genau das Vibrationsfahrzeug in Grenzach zum Einsatz kommen wird. Zwar gibt es laut Ordnungsamtsleiter Jürgen Käuflin bereits eine entsprechende Befahrungskarte, die aber erst noch fertiggestellt und veröffentlicht werden soll. Schaal stellte in diesem Zusammenhang klar, dass das lastwagengroße „Anregungsfahrzeug“ ausschließlich Straßen und keineswegs Gärten oder Privatgrundstücke befahren werde. „Und wir demontieren auch keine Zäune“, hielt er fest.

Keine Auswirkungen auf das laufende Verfahren hat laut Bussmann übrigens das vor Jahren in Grenzach-Wyhlen aufgrund von Erdrutschen eingestampfte Geothermie-Vorhaben, welches Zuhörer und CDU-Ratsmitglied Siegfried Grether in Erinnerung rief.

Weitere Informationen: Fragen zum Thema beantworten Felix Bussmann (Geotest) unter Tel. 07635/ 744 99 83 und Matthias Meier (IWB) unter Tel. 07635/744 99 84. www.erdwaermeriehen.ch

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