Grenzach-Wyhlen Fußballer bekommen ein neues Zuhause

Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen - Mit einem großen Fest weiht die SG Grenzach-Wyhlen heute, Samstag,  und morgen ihr neues Vereinsgelände im „Grienboden“ ein. Während der Kunstrasenplatz bereits fleißig bespielt wird, sind die Arbeiten im Vereinsheim noch in vollem Gange. Unser Redakteur Tim Nagengast hat sich im Vorfeld des Fests mit SG-Chef Bernd Kemper auf Baustellentour begeben.

Abdou Cham ist eigentlich immer da. Entweder aus beruflichen Gründen oder wegen seines Hobbys. Wer Cham sucht, muss nur aufs SG-Gelände im „Grienboden“ kommen. Unter der Woche verlegt der Fliesenleger-Azubi (zweites Lehrjahr) von Raphael Kösters dort im Vereinsheim „Plättli“, am Wochenende dagegen schnürt er seine Kickschuhe und tritt als engagierter Mitte-Außen-Spieler für die SG Grenzach-Wyhlen auf dem Platz gegen das runde Leder.

„Abdou ist klasse. Der ist voll eingebaut hier“, lacht Bernd Kemper nach einem kurze Wortwechsel mit dem jungen Mann. Der spricht schon sehr gut Deutsch und verlegt guter Dinge weiter seine Fliesen, als der Kicker-Chef und der Autor dieser Zeilen durch die noch nicht ganz fertigen Besucher-Außentoiletten des SG-Vereinsheims stiefeln.

Noch längst nicht alles ist fertig

Apropos „außen“: Wer sich dem früheren Vereinsheim des in der SG aufgegangenen 1. FC Grenzach nähert, stutzt erst einmal. Denn noch immer sieht das Haus beinahe aus wie anno 1964, als es errichtet wurde. Aber eben nur von außen. Innen ist nichts mehr, wie es war. Drinnen wähnt man sich tatsächlich in einem Neubau. Vorbei sind die Zeiten von beige-gelben Kachelresten an den Wänden der Duschräume. Es gibt keine Schimmelränder mehr an viel zu alten Fenstern und keine drückende Enge. Auch das Dach ist wieder dicht. Die SG – sagen wir’s deutlich – muss sich nicht mehr genieren vor ihren Gästen.

Die Duschräume sind komplett neu. Boden, Wände, Armaturen, dazu eine feuchtigkeitsgesteuerte Lüftungsanlage – da ist einiges gegangen, und man sieht: Die SG macht, was möglich ist, um den eigenen Spielern und den Gästen das Bestmögliche zu bieten. Immerhin wird hier schon seit zwei Jahren fleißig gewerkelt – mal unter Coronabedingungen, mal nicht.

Alles auf funktional und pflegeleicht getrimmt

Stolz führt Kemper den Besucher aus der Redaktion durch die neuen Umkleideräume mit ihren rotgerandeten Türen, Holzbänken und Riffelblech-Verkleidungen an den Wänden. „Das ist prima pflegeleicht. Alles funktional. Abwischen und fertig“, freut er sich und streicht dabei mit der Hand die Wand entlang. Vorteil auch: Fliegt einmal etwas herum oder lehnt jemand sich an die Wand, macht das dem Riffelblech nichts aus. Beim Blick in die nagelneue Schiedsrichter-Umkleide staunt man ebenso. Denn früher war hier nur eine ungenutzte Rumpelkammer. Jetzt dagegen: alles frisch, alles anders. Eigene Dusche, neues Mobiliar, ein Rückzugsraum für den Mann in Schwarz.

Wann die Bauarbeiten enden, ist noch offen

Andere Bauabschnitte sind hingegen noch nicht ganz fertig. Die bisherige Schiri-Kabine samt Abstellkammer etwa wird zum Raum für gesellschaftliche Zwecke umgebaut. „Da kommt ’ne Vollverglasung hin mit Blick zum Kickplatz“, deutet Kemper auf die betagte Wand samt Gerümpel.

Wann wird denn alles fertig im Grienboden?

Kemper – blau-rotes Karohemd, Jeans und hellbraune Wildlederschuhe – stellt sich breitbeinig hin, holt Luft und dreht dabei die Handflächen nach außen: „Das hängt von vielem ab: Etwa davon, ob die Handwerker ihr Material pünktlich beziehungsweise ob sie es bekommen. Ich hoffe mal, dass in sechs Monaten alles fertig ist. Aber dazu müssten Sie konkret unseren zweiten Vorsitzenden Dominik Weber fragen. Der ist hier unser Bauleiter.“

Von außen hat das Haus sich noch nicht verändert

Und das noch sehr den Geist von anno 1964 atmende Äußere des Vereinsheims?

Kemper: „Je nachdem, wie es mit dem Geld ist, können wir auch ans Äußere dran. Aber erst dann, wenn die inneren Werte stimmen.“

Apropos Geld. Rund 300 000 Euro hat die SG Grenzach-Wyhlen bisher investiert – abzüglich zwischen 50 000 und 80 000 Euro vom Badischen Sportbund. Den Restbetrag brachten die Fußballer primär durch den Verkauf des Kickerstübles auf, an dem so manches – primär Wyhlener – Herz doch sehr gehangen ist.

„Ja, vieles war schwer“, räumt der SG-Vorsitzende mit Blick auf die nach der Fusion der Fußballvereine aus Grenzach und Wyhlen erfolgte Neuordnung samt Konzentration der Sportstätten im Grenzacher Grienboden ein. Dabei ist der Turm der Wyhlener St. Georgskirche vom neuen Kickplatz aus bestens zu sehen. Und die Hecke am benachbarten Rasenplatz bildet die frühere Gemarkungsgrenze. Heißt: Fliegt der Ball aus Grenzach in diese Richtung, landet er in Wyhlen im Aus.

Dicke Bretter bohren war angesagt

Sind im Zuge des ganzen Prozesses nicht auch Tränen geflossen und Befindlichkeiten zutage getreten?

„Ja, doch, aber hier an diesem Ort haben wir jetzt alles, um mit unseren rund 420 Spielern in allen Altersklassen richtig gut Fußball spielen zu können. Es war ein jahrelanger Prozess. Unser Ziel haben wir damit erreicht“, sagt Kemper. Dabei spürt man, dass er mit einem gewissen Blick von außen an das Ganze herangeht. Der gebürtige Westfale ist nämlich erst vor acht Jahren an den Hochrhein gezogen. Um Anschluss zu finden, sah er sich im Bereich Fußball um. Und wurde nur wenige Jahre später zum Vorsitzenden der aus der Fusion von SV Wyhlen und 1. FC Grenzach entstandenen SG Grenzach-Wyhlen gewählt.

Wer’s noch nicht weiß und heute beziehungsweise morgen zum Sportplatzfest geht: Die Kunstrasensorte haben die Grenzach-Wyhlener sich aus Binzen abgeschaut, die plastikfreie „Sand“-Körnung aus Kork dagegen aus Wittlingen.

Weitere Informationen:

Ab 10.30 Uhr ist heute und morgen im Grienboden Halligalli und Feschtli angesagt. Dabei bleibt keine Kehle trocken und kein Magen leer. Es gibt einen Bierbrunnen, Gegrilltes, einen Sportflohmarkt, viele Fußball-Matches (unter anderem auch mit einer Gemeinde-Auswahl), Torwandschießen und eine Party mit DJ.

Zahlen, Daten und Fakten:

Den neuen Kunstrasenplatz im Grienboden hat die Gemeinde Grenzach-Wyhlen gebaut. Die Kosten lagen bei rund einer Million Euro. Die SG Grenzach-Wyhlen ist Pächterin des Platzes. Ein Pflege- und Nutzungsvertrag mit der Gemeinde wurde abgeschlossen. Der benachbarte Rasenplatz, der ebenfalls für Training und auch Spiele genutzt wird, befindet sich ebenso im Besitz der Kommune. Das Vereinsheim, welches die SG saniert, und auch die Fläche davor hält der Verein in Erbpacht.

Die Schaffung eines Kunstrasenplatzes samt vernünftiger Infrastruktur an einem einzigen Ort ist das Ergebnis eines langwierigen Prozesses und Teil des kommunalen Sportstättenkonzepts.

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