Von Tim Nagengast

Grenzach-Wyhlen. Die Firma Roche ändert das Logistikkonzept für die Totalsanierung ihres Teils der Keßlergrube. Unter anderem verspricht sich das Unternehmen davon eine um sechs bis zwölf Monate verkürzte Bauzeit.

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Entgegen der Ursprungsplanung kommt das neue Logistikkonzept von Roche ohne die Nutzung der Infrastruktur der benachbarten Firma BASF aus. Anstatt mit belastetem Aushub beladene Lastwagen quer über das Firmenareal zum BASF-eigenen Bahnterminal fahren zu lassen, die Container dort bis zu zwei Tage zwischenzulagern und diese dann sukzessive auf Eisenbahnwaggons zu verladen, stehen nun andere Varianten im Raum.

Aktuell plant Roche, die mit kontaminiertem Erdreich gefüllten Container von Lastwagen „just in time“ – also unmittelbar –­fahren zu lassen. Und zwar in einem weiten Bogen vom Keßlergrubenareal um Grenzach und Wyhlen herum via A 861, A 98 und A 5 direkt zum großen Bahnterminal in Weil am Rhein, wo die Behälter zu thermischen Entsorgungsanlagen – etwa in den Niederlanden – gebracht werden sollen. Die Zwischenlagerung entfällt damit.

Alternativ steht außerdem eine direkte Verschiffung der Container im Raum. Der Schiffsanleger bei der Keßlergrube ist dafür allerdings noch nicht technisch ausgerüstet. Sollte diese Alternativlösung möglich sein, schwebt den Roche-Verantwortlichen dann eine Anlieferung des Auffüllmaterials per Lastwagen vor. Der ersteren Variante, also einem Abtransport des kontaminierten Erdreichs via Lastwagen zum Bahnterminal nach Weil am Rhein und eine Anlieferung des Auffüllmaterials via Schiff gibt Roche aber den Vorzug, wie das Unternehmen gestern im Rahmen eines Pressegesprächs an der Keßlergrube verlauten ließ. Daran nahmen Gesamt-Projektleiter Dr. Richard Hürzeler, Flavio Piussi, Technischer Projektleiter, Dr. Peter Schnurrenberger, Leiter Gesundheit, Sicherheit und Umwelt im Roche-Konzern, sowie Pressesprecher Dr. Cornelius Wittal teil.

Hürzeler betonte dabei, dass es sich um eine rein logistische Änderung handle. Am geplanten und genehmigten Totalaushub der Altlast in Perimeter 1 und Teilen von Perimeter 3 werde nicht gerüttelt. „Wir sind überzeugt von diesen Maßnahmen“, bekräftigte Hürzeler. Laut Schnurrenberger erwartet Roche durch die Anpassung des Logistikkonzeptes auch keine Kostensteigerung bei der Gesamtmaßnahme.

In Kürze will Roche bekannt geben, welches Unternehmen den Totalaushub vornehmen soll. „Wir stehen kurz vor der Vergabe“, sagte Flavio Piussi. Richard Hürzeler rechnet damit, dass beim Totalaushub „die größten Baumaschinen Deutschlands“ zum Einsatz kommen werden.

Los gehen soll es bereits diesen Sommer, wenn die Baustelle eingerichtet und weitere Vorbereitungen getroffen werden. Im Herbst soll das Aushubgelände profiliert sein. Der Bau der für den Vollaushub nötigen Bohrpfahlwand soll in etwa einem Jahr erfolgen. Roche rechnet mit rund dreieinhalb Jahren Bauzeit. 20 bis 25 mit Containern beladene Lastwagen sollen dann den eingehausten Perimeter 1 täglich verlassen. Ebenso viele leere Laster werden zur Materialaufnahme anrollen. „Es fahren also maximal je 25 Lastwagen am Tag hin und her“, sagte Hürzeler. Diese aber in einem Bogen um die Doppelgemeinde herum, um die Belastung für die Bevölkerung niedrig zu halten.

Die Änderung des Logistikkonzepts – also ohne Inanspruchnahme der Infrastruktur von BASF – geht laut Schnurrenberger auf die an der Altlastenbeseitigung beteiligten Firmen zurück. Diese hätten im Zuge des noch nicht abgeschlossenen Vergabeverfahrens entsprechende technische Alternativlösungen vorgelegt. Schnurrenbergers Dank galt der BASF, die sich angeboten hatte, Ablagerungsflächen, Straßen und Teile ihres Bahnterminals zur Verfügung stellen, was man nun alles doch nicht in Anspruch nehmen müsse.