Grenzach-Wyhlen Wo die Doppelgemeinde Sorgen hat

Die Oberbadische, 10.08.2018 18:20 Uhr

Gusty Hufschmid und sein Team, die derzeit in Grenzach-Wyhlen unterwegs sind, um Material für einen Film über die Doppelgemeinde zu sammeln, hat ihrem Werk ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Dieser Tage zeichneten die Filmemacher im Wyhlener Rathaus ein Gespräch zwischen dem CDU-Bundestagsabgeordneten Armin Schuster und Bürgermeister Tobias Benz auf. Unsere Zeitung begleitet als Medienpartner die Entstehung des Filmes.

Von Manfred Herbertz

Grenzach-Wyhlen. Kameras wurden im Sitzungszimmer im Wyhlener Rathaus aufgebaut, erste Tonproben mit Bürgermeister Benz aufgenommen und Kameraeinstellungen überprüft. Gusty Hufschmid war dann auch zufrieden, als Armin Schu­ster den Raum betrat. Der CDU-Politiker scherzte augenzwinkernd, das sei ja eine gut aufgestellte Gemeinde, die sich zwei Rathäuser leisten könne, hatte er doch zunächst das Grenzacher Rathaus angesteuert.

Großes Lob für die Doppelgemeinde

Doch dann hieß es „Kamera läuft“, und Bürgermeister Benz berichte dem CDU-Abgeordneten von den Problemen, welche die Gemeinde beschäftigt. Schuster hatte auch ein großes Lob für die Doppelgemeinde parat: „Wenn ich meine Wahlkreis präsentieren müsste, dann ist Grenzach-Wyhlen die Top-Adresse, es gibt kaum einen anderen Ort, der den Wahlkreis so widerspiegelt wie Grenzach-Wyhlen.“ Man finde hier intaktes städtisches Leben, die Nähe zur Natur, und der Ort sei beispielhaft, wie moderne Industriepolitik in Einklang mit den Bedürfnissen der Stadt und der Natur gebracht werden könne.

Dennoch gibt es auch Bereiche, in denen sich die Kommune Verbesserungen wünscht, sagte Benz. Der Bau der B 34 verlaufe schleppend, nach dem Spatenstich im vergangenen Jahr sei außer dem Bau eines Brückenbauwerkes an der Südstraße nicht viel geschehen: „Das Tempo ist zu langsam, so werden wir nicht wie geplant 2021, sondern erst 2024 die Straße in Betrieb nehmen können“, klagte der Bürgermeister.

Schuster antwortete, dass die Planungskapazitäten im Regierungspräsidium viel zu knapp sei, man komme nicht hinterher. Aber sehe er Licht am Ende des Tunnels, da die Planung der A 98 in andere Hände gelegt werde, hier würden künftig Kapazitäten frei. Auch die B 317 werde wohl von der Stadt Lörrach geplant, sodass auch hier Ressourcen frei würden, machte der Abgeordnete Hoffnung. Er fügte an, es habe ein bahnbrechender Wechsel in der Verkehrspolitik stattgefunden, der Bund stelle Geld wie noch nie zur Verfügung, dennnoch würde es dauern, bis der Stau aufgearbeitet sei. Er habe das Gefühl, in den vergangenen fünf Jahren sei „nicht mit maximaler Konzentration an Spatenstichen gearbeitet worden.“

Breitbandausbau brennt unter den Nägeln

Der Breitbandausbau in der Kommune brennt der Verwaltung auch unter den Nägeln. Benz ärgerte sich, dass die Telekom jahrelang die Gemeinde nur stiefmütterlich versorgt habe. Jetzt, nachdem der Landkreis sein eigens Glasfasernetz aufbaut, kommt die Telekom hinterher und biete selbst schnelles Internet, zwar nicht über Glasfaser aber durch Vectoring an. Für ihn sei das Geschäftsgebaren des Magenta Riesen kontraproduktiv, zumal hier die Kommune in Vorleistung getreten sei. Jetzt erst bewege sich die Telekom.

Breiten Raum nahm auch die Diskussion über die Wohnungssituation ein. Hier stünden der Bedarf, neuen Wohnraum zu schaffen, oft in Widerspruch zu den Belangen des Naturschutzes. Die Aussage von Benz, im Kapellenbach-Ost seien 650 neue Wohneinheiten geplant, entlockte Schuster einen überraschten Laut ob der schieren Größe.

Das Gemeindeoberhaupt sprach den Zielkonflikt zwischen Artenschutz und Wohnen an, und dass aus diesem Spannungsfeld aufgrund der teuren Auflagen und erforderlichen Gutachten der soziale Wohnungsbau erschwert würde.

Schuster betonte, dass der Konflikt dringend gelöst werden müsse, wenn ganze Zunftabende sich mit diesen Themen beschäftigen, ginge es nicht in die richtige Richtung. Artenschutz sei wichtig, betonte Schuster, aber man bekomme den Eindruck, dass mit dem Gebaren der Behörden dem sinnvollen Natur- und Umweltschutz ein Bärendienst erwiesen werde.

Benz wies darauf hin, dass man im Kapellenbach die Möglichkeit habe aufgrund des Einsatzes von regenerativer Energie eine CO 2-freie Energieversorgung und Heizung schaffen könnte.

Unterbringung von Flüchtlingen

Im Zuge der Diskussion um den Wohnungsbau wurde auch die Flüchtlingsproblematik gestreift. Hier hat die Gemeinde durch dezentrale Unterbringung erreicht, dass eine gute Integration erfolgen könne. Dies fand Zustimmung von Schuster, der betonte: „Wir wollen nicht noch ein zweites Friedlingen.“

 
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