Häg-Ehrsberg Die Welt ist „schurkiger“ geworden

Von Peter Schwendele

Häg-Ehrsberg. Im Alleingang die Welt retten? Das funktioniert heutzutage nicht mehr, weder auf der offiziellen Bühne der Politik noch im verborgenen Kosmos der Geheimdienste. Denn diese Welt ist viel „schurkiger“ geworden seit den Zeiten des vergleichsweise beschaulichen Kalten Kriegs. Ohne Teamwork geht da gar nichts – diese Erfahrung muss auch Agent James Blond bei seinem Einsatz in Ehrsberg machen.

Nicht umsonst läuft die Inszenierung des Theaters in den Bergen, die am Samstag Premiere hatte, unter dem Titel „James Blond – ein Agent ist nicht genug“. Prämisse des turbulenten, rund vierstündigen Geschehens, das die Theatermacher um Regisseur und Hauptdarsteller Arnd Heuwinkel und Antonia Tittel mit viel Verve und Einsatz präsentieren: Das Böse muss hoch oben im Hinterhag gestellt und in seine Schranken gewiesen werden.

Denn dort laufen die Fäden zusammen, während das „Sündikat“ weltweit agiert und krakenartig seine gierigen Fühler nach allen möglichen passenden Objekten ausstreckt. In der Verbrechertruppe haben sich viele Schurken der James-Bond-Historie zusammengefunden: von Blofeld bis Beißer. Sie sind allesamt eher für die Drecksarbeit zuständig (etwa die Entführung der für Blond schmachtenden Sekretärin Moneypenny). Das Mastermind (gespielt von Hermann Tittel), das hinter dem perfiden Plan, die Weltherrschaft an sich zu reißen, steckt, ist dagegen ungleich schwerer zu enttarnen.

Zumal James Blond, der smarteste Geheimagent, den zumindest Ehrsberg je gesehen hat, sich nicht unbedingt in Top-Form befindet. „Sie haben auf ganzer Linie versagt“, wirft ihm seine Chefin „M“ (Marianne Tittel) vor, die selbst allerdings auch nicht besonders hilfreich agiert, da sie mit Geheimwaffenentwickler „Q“ (Oliver Dib), der sich im Glanze der Erfindung der Schubkarre als Agentengefährt sonnt, spontan einen Kurzurlaub einlegt – um „kleine Superspione zu machen“.

Als äußerst schwer motivierbar erweist sich der Blond zur Seite gestellte „Geh-Heimdienst“, eine Gurkentruppe, die zuerst einmal ausgebildet werden muss (Lektion 1: Gegner einschüchtern: „Ich habe das tote Meer erschossen“). Zudem muss sich der Geheimagent permanent mit seiner Dienstwaffe Walther PPK herumschlagen (hübsche Regie-Idee, das Schießinstrument zu personifizieren). Die Pistole (gespielt von Aurin Köhler) leidet unter Depressionen und Ladehemmung und postuliert in entscheidenden Momenten auf kontraproduktivste Weise: „Ich bin Pazifist“.

Effektiver ist da schon die Riege der Gadgets – Agentenspielereien von der Wanze bis zum Magnet – die auf eigene Faust dem „Sündikat“ das Leben schwer machen. Eine wichtige Rolle spielt auch eine Touristengruppe, die sich nach Ehrsberg „verirrt“ hat und die sich als entflohene, autogrammjagende Heimkinderschar entpuppt. Nicht zu vergessen die „Blond-Girls“, die, von enttäuschter Liebe zum Agentencharmeur gebeutelt, zehn Jahre im Kloster verbracht haben und nun auf Rache aus sind.

Sie alle nehmen die rund 200 Zuschauer wie beim Landschaftstheater üblich von Spielstation zu Spielstation mit, wobei die Protagonisten in ein russisches Casino und bis nach China zu einer „Impolt-Expolt-Filma“ geschleust werden, bis die Fäden des Plots schließlich in einer beneidenswert schön gelegenen Villa in den Hügeln Ehrsbergs zusammenlaufen.

Die Bond-Parodie des Theaters in den Bergen ist ein überdrehtes, kurzweiliges, wort- und anspielungsreiches Vergnügen, dessen Plot durchaus auf mehreren Ebenen angelegt ist. So spielt die scheinbar ewige Diskussion um die 007-Darsteller keine unentscheidende Rolle. Und das reale Weltgeschehen findet nicht allein durch das Mitmischen des, ähm, US-Präsidenten Eingang in die Story. Höchst bedenklich muss jedenfalls stimmen, dass selbst einem Donald Trump durch die Machenschaften des absolut Bösen die Grenzen aufgezeigt werden: „Unterwelt first“.

n Termine: 23., 24. September, 7., 8., 14., 15., 21., 22. Oktober: Karten unter Tel. 01522/3393642 oder theaterindenbergen@gmx.de, beim Zeller Bergland Tourismusbüro und in der Regio Buchhandlung Schopfheim.

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