Häg-Ehrsberg Können sich die Kommunen den Wald noch leisten?

Ist einer der Faktoren für den Zusammenbruch des Holzmarkts: der BorkenkäferFoto: Archiv Foto: Markgräfler Tagblatt

Oberes Wiesental. Die Finanznot vieler Gemeinden im ländlichen Raum wird durch den Klimawandel noch verstärkt: während der Wald vom Einnahme- zum Zuschussbetrieb mutiert, steigen gleichzeitig die nötigen Investitionen in die Sicherung der Trinkwasserversorgung. Dies verdeutlichten die Bürgermeister der großen Flächengemeinden im Kreis Lörrach dem SPD-Landtagsabgeordneten Rainer Stickelberger.

„40 Millionen stellt das Land zur Rettung des Waldes zur Verfügung. Reicht das?“, wollte Stickelberger von den Bürgermeistern aus Häg-Ehrsberg (Bruno Schmidt), Fröhnd (Tanja Steinebrunner), Steinen (Gunther Braun), Kleines Wiesental (Gerd Schönbett) und Zell (Bürgermeister-Stellvertreter Thomas Kaiser) bei einem Gespräch im Rathaus in Häg wissen.

Bislang war der Wald das Tafelsilber, nun aber setzen aufgrund des Klimawandels Trockenheit und Hitze sowie in Folge auch Borkenkäfer, erhöhte Sturmschäden und Schneebruch dem Wald zu. Der Holzmarkt ist mehr oder weniger zusammengebrochen. „Uns kostet der Festmeter Holz etwa 35 Euro, gezahlt wird aber durchschnittlich nur 20 Euro“, erläuterte Schmidt. „Das Defizit ist enorm, der Zuschuss nur ein Nasenwasser, mit dem wir nicht einmal die Wege instandhalten können“, so Steinebrunner. Selbst Gemeinden wie Steinen, deren Gemeinderat bereits beschlossen hat, dass der Wald nur noch sich selber tragen müsse, stehen vor einem Problem. Zudem, so Braun, werden Privatwaldbesitzer zunehmend verkaufen.

„Können wir uns den Wald als Kulturgut und in seiner Erholungsfunktion gerade auch für Städter noch leisten?“, fragte Braun. „Wir können es uns nicht leisten, die Erholungsfunktion so wie bisher aufrecht zu erhalten“, antwortete Schönbett. Da die Gemeinde ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen muss, müsse man, so Schmidt, den Wald ansonsten sperren. „Wenn der Wald dem Land so wichtig ist, brauchen wir großzügige Investitionen“, forderte Steine­brunner. Schönbett führte Bayern als Vorbild an, da hier deutlich mehr Zuschüsse für die Aufarbeitung des Käferholzes gezahlt werde als in Baden-Württemberg.

Ein weiteres Klimawandel-Problem: die Quellschüttungen gehen zurück. Während die Gemeinden im Tal durch Tiefbrunnen (noch) mit genügend Wasser versorgt sind, haben Berggemeinden zunehmend Probleme mit der Trinkwasserversorgung. Die Notversorgung hoch gelegener Ortsteile durch eine Belieferung per Wassertank ist, wie Stickelberger wusste, „teuer, war aber in Todtnau sogar bis in den Januar hinein erforderlich“. Instandhaltung oder Ausbau der ohnehin schon langen Leitungsstrecken der Ringleitungen sowie technische Sanierung und Neubau der vielen nötigen Hochbehälter sind kaum finanzierbar; Zuschüsse setzten umfangreiche Gutachten voraus.

„Wir brauchen einen interkommunalen Ansatz mit fachlicher Begleitung“, so Steinebrunner. Dem stimmte auch Schmidt zu: „Bei aller kommunaler Selbstverantwortung, das Verständnis ist auch in den Gemeinderäten da.“ Bestes Beispiel sei der Breitbandausbau. Stickelberger sagte zu, das Thema in einem Gespräch mit Landrätin Dammann aufzugreifen.

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