Häg-Ehrsberg Selbst Bösewichte zeigen Einsicht

Vor zehn Jahren fand die erste Theaterwanderung auf der grasgrünen Bühne in Ehrsberg statt, und der richtungsweisende Titel lautete eben „Ehrsberg 21“. Seitdem verbindet man das Dorf auch mit den heute so beliebten Freiluftvorstellungen des Theaters in den Bergen, die dem neuen Stück „Der Herr der Augenringe - und die Brille der Macht“ bereits Tage vor der Premiere eine ausverkaufte Saison bescherten.

Von Ines Bode

Häg-Ehrsberg. Ein Grund findet sich wohl im aktuell zwangsweise reduzierten Publikum, das im Jubiläumsjahr erneut aus allen Richtungen strömt. Gar bis ins kulturverwöhnte Freiburg drang der Ruf, und mit Recht zeigt sich Stolz bei den Initiatoren Antonia Tittel und Arnd Heuwinkel. Man sei stolz auf die Leistung des Vereins, der die Unterstützung freiwilliger Mitwirkender, weiterer Vereine und der Gemeinde erfahre. „Wir freuen uns, dass unsere Arbeit eine derart große Resonanz und solch einen Anklang findet“, sagen die beiden. Besondere Erwähnung gilt dem 2019 verliehenen „Staatspreis des Landes Baden-Württemberg für Freilichttheater“.

Nicht weniger als anspruchsvoll lässt sich dann auch die jüngste Aufführung werten – ein Krimi. Obwohl der Stoff eine gehörige Portion Spannung enthält, kommt die Heiterkeit nicht zu kurz. Als Strafe im Brillen-Imperium gelte, den Sehtest abzuschreiben – dreimal. Hinzu gesellen sich die passgerechte musikalische Begleitung zuzüglich eigens arrangierter Gesangseinlagen. Ab und zu sorgt wildes Gerangel für das nötige Gewürz, das man Action nennt.

Gleichwohl basiert die Handlung auf purer Ernsthaftigkeit. Wie würde ein Leben aussehen, das zu hundert Prozent aus reinem Glück besteht? Wenn man es beispielsweise durch eine rosarote Brille sähe? Die kluge Antwort bietet ein fulminanter Schlussauftritt, und siehe da: Selbst Bösewichte zeigen Einsicht.

Lieber würde er Stücke ohne Boshaftigkeit schreiben, sagt Autor Heuwinkel, doch das gebe die öffentliche Lage leider nicht her. Ein Aspekt seiner zehnjährigen Autorenarbeit sei der Realitätsbezug.

Eine Mini-Kurzfassung der Brille der Macht weist auf eine kleine Sehhilfe, die zum Gegenstand der nahezu vierstündigen lebendigen Theatertour avanciert (mit Verpflegung seitens der Feuerwehr). Ständiger Begleiter ist die beeindruckend offene Höhenlandschaft, besucht werden acht Schauplätze. Nicht fehlen dürfen in der Story ein Geheimnis und ein Plan. Einen solchen haben gleich zwei Oberhäupter der involvierten Trupps. Und wie Pläne das so an sich haben: sie gehen nicht auf.

Einen Auftritt für sich liefert die Gendarmerie. Mit Karacho kreuzt sie in der „Pozilei“-Kiste auf, um ein Verbrechen aufzuklären, das einerseits völlig unklar, aber mit Sicherheit ein Mord sei. Kommissarin Schimpansky liegt ob siebenköpfiger Eskorte, die sich ins Wageninnere und in den Kofferraum quetscht, auf dem Dach. Mit gezückter Knarre versteht sich. Ein filmreifer Moment. Tatsächlich hat Berufsschauspielerin Lena Drieschner als cholerische „Pozilei“-Chefin schon Tatort-Erfahrung.

Abschließend sei auf Zweierlei verwiesen: Die höchst aufwendigen Requisiten und Kostüme sowie die augenscheinliche Freude der Laiendarsteller. Gut 40 Mitstreiter sind dabei, die mit sichtlichem Talent und viel Vergnügen Theater spielen.

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