Handball „Füchse sind ein spannendes Projekt“

Maximilian Rinderle Foto: zVg/Füchse

Ein ganz spezielles Jahr geht auch für Maximilian Rinderle zu Ende. Der Co-Trainer des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin aus Zell im Wiesental genießt nun für wenige Tage die Zeit zuhause mit seiner kleinen Familie. Am 4. Januar geht es dann wieder weiter. Schließlich wird der Terminplan nach der WM-Pause pickepackevoll sein. Da bleibt keine Zeit, um zu verschnaufen.

Zell im Wiesental/Berlin. Begleitet werden die Füchse derzeit auch von einem Filmteam. Darüber, über das Zusammenarbeiten mit Vorstand Sport Stefan Kretzschmar, den Handball in Zeiten der Corona-Pandemie, das jüngste Trainergespann der gesamten Liga und über die anstehende WM in Ägypten hat sich unser Sportredakteur Mirko Bähr mit dem 33-Jährigen unterhalten.

Frage: Acht Spiele in Folge hat Ihre Mannschaft in der Bundesliga zuletzt gewonnen. Ausgerechnet jetzt wird wegen der Weltmeisterschaft pausiert. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, oder?

Rein sportlich gesehen wäre es schon cool gewesen, wenn wir noch vier weitere Partien absolviert und bestenfalls gewonnen hätten. Wir sind derzeit in einer starken Verfassung. Aber darüber muss man keine Gedanken verschwenden. Es ist seit langer Zeit klar, dass es die Pause geben wird. Nun müssen wir schauen, dass die Nationalspieler gesund bleiben und auch in Ägypten ihre Form behalten. Für die Jungs, die bei uns in Berlin bleiben, gilt, dass sie weiter gut trainieren. Unser Ziel ist es, dass wir da weitermachen, wo wir jetzt aufgehört haben.

Frage: Das Endspiel der WM steigt am 31. Januar. Eine Woche später geht es schon in der Bundesliga weiter.

Es geht Schlag auf Schlag. Von Null auf 100 sozusagen. Die gemeinsame Zeit ist relativ kurz, umso wichtiger ist es also, dass wir diese dann auch sehr intensiv nutzen.

Frage: Eine Schwächephase dürfen sich die Top-Teams nicht erlauben. Nach dieser tollen Serie dürfen sich die Füchse ja auch dazu zählen, neben den üblichen Verdächtigen, dem THW Kiel, der SG Flensburg-Handewitt und den Rhein Neckar-Löwen.

Wir werden nicht die Chance bekommen, uns erst einmal zwei, drei Partien warmzuspielen. Es wird mitentscheidend sein, wie man den Re-Start hinbekommt. Wir jedenfalls wollen unseren Weg weitergehen. Wir rangieren auf dem vierten Tabellenplatz. Diesen haben wir uns hart erarbeitet. Jetzt wollen wir ihn festigen und vielleicht ja auch gucken, ob für uns nach oben hin noch etwas mehr geht.

Frage: Nun gab es sogar von Ihrem Sportchef Lob. Stefan Kretzschmar war angetan von der Weiterentwicklung des Teams.

Der Start war schwierig. Aber das hatte auch Gründe. Schließlich gab es im Sommer einen Umbruch. Ein neuer Trainer kam, dazu neue Spieler. Logisch, dass das Zeit braucht, um alle nötigen Puzzleteile zu finden. Die Niederlagen zu Beginn gegen Magdeburg oder Minden waren durchaus unglücklich. Seit der einwöchigen Isolation aufgrund von Corona-Fällen im Team geht es für uns aber Woche für Woche voran. Wir haben spielerische Fortschritte gemacht, uns taktisch weiterentwickelt und auch als Team noch besser zusammengefunden. Die Spiele zuletzt konnten wir souverän für uns gestalten. Wir haben den Partien den Stempel aufgedrückt.

Frage: Sie haben es angesprochen. Sie selbst mussten sich im November in häusliche Isolation begeben. Corona macht natürlich auch vor dem Handball nicht halt. Wie gehen Sie damit um?

Das Thema Corona ist allgegenwärtig, und das tagtäglich. Alle, die zum Team gehören, werden zweimal pro Woche getestet. Das bedeutet auch, dass wir unglaublich privilegiert sind, wenn man bedenkt, dass die Testkapazitäten für die Allgemeinheit beschränkt sind und die Labore am Limit arbeiten. Wir benötigen die Tests, um unseren Beruf auszuüben. Und alle zwei, drei Tage hofft man, dass alles gut ist. Das ist alles andere als eine entspannte Geschichte. Corona ist ein Dauerthema. Und nach den positiven Tests im November war dann auch alles plötzlich so real. Da macht man sich viele Gedanken. Hoffentlich gebe ich das Virus, wenn ich es denn habe, nicht an meine Tochter oder meine Frau weiter. In dieser Zeit zuhause, sich nur auf den Job zu konzentrieren, ist nicht leicht gewesen.

Frage: Eine echte Ausnahmesituation, die es zu meistern gilt.

Ich gehe in mein sechstes Jahr im Profigeschäft. Aber so etwas habe ich auch nur ansatzweise noch nicht erlebt. Schnelles Handeln ist gefordert. Flexibilität ist gefordert. So wie vergangene Woche, als wir uns für das Spiel gegen Göppingen vorbereitet haben und einen Tag davor von der Absage erfuhren. Da gilt es dann auch emotional wieder runterzukommen. Nach Weihnachten mussten wir wieder hochfahren, stand doch noch das Auswärtsspiel in Lemgo an.

Frage: Nach der WM wird es kein freies Plätzchen mehr im Spielplan geben, zumal die Füchse ja auch noch auf europäischer Ebene aktiv sind.

Der Spielplan hat es in sich. Der Plan ist ja, dass in der Bundesliga alle 38 Spieltage durchgezogen werden. Dazu kommen die Matches im Europacup. Das wird extrem. Wir gehen von drei Spielen innerhalb von einer Woche aus. Unser Glück ist, dass wir aktuell einen breiten Kader zusammen haben. Jeder bekommt Spielzeit, womit wir auch die Belastung steuern können. Das ging bislang gut auf, die Anzahl der Verletzten ist gering. Hoffen wir, dass das so bleibt.

Frage: Durchaus kritisch beäugt wird von verschiedenen Seiten der Bundesligamodus mit kompletter Hin- und Rückrunde. Ihr Ex-Keeper Silvio Heinevetter bringt eine Playoff-Lösung ins Spiel.

Wenn man sich derzeit die Platzierung seines Vereins anschaut, dann wäre mir eine solche Lösung auch sehr sympathisch (….lacht…) Mir persönlich aber wäre es lieb, wenn wir es schaffen, die Saison regulär und wie geplant zu Ende zu bringen. Ob das klappt? Das ist schwer vorauszusagen. Ich finde das aber die beste Lösung.

Frage: Diskutiert wurde auch lange Zeit über die WM in Ägypten. Muss diese auf alle Fälle trotz Corona zur Austragung kommen? Wie ist Ihre Meinung?

Ich kann die kontroversen Diskussionen verstehen. Die Lösung, die der Deutsche Handball-Bund getroffen hat, nämlich den Spielern die Entscheidung pro aktiv zu überlassen, finde ich gut. Nun hat Alfred Gislason ein Team zusammen, das dabei sein will. Niemand wurde gezwungen. Jetzt gilt es, möglichst erfolgreich zu spielen.

Frage: Mit Paul Drux und Marian Michalzik sind auch zwei Füchse-Spieler dabei.

Das ist richtig. Aber in diesem Zeitraum findet auch noch die EM-Qualifikation statt. Und da werden auch einige Jungs von uns mit ihren Ländern aktiv sein. Es wird etwa die Hälfte der Mannschaft nicht in Berlin sein. Aber das ist nichts Neues. Für die Teams im oberen Drittel gehört das zur jährlichen Routine. Ich wünsche mir nur, dass da nichts passiert und alles gut geht. Egal, ob das nun eine Corona-Infektion oder eine Verletzung betrifft.

Frage: Chefcoach Jaron Siewert und Sie bilden das jüngste Trainerteam der Liga. Wie funktioniert das?

Keine Frage, da fühlt man sich wirklich schon mit 33 Jahren alt. Spaß beiseite. Es funktioniert sehr gut. Wir kennen uns schon lange. Jaron war ja auch schon mein Spieler, als ich die zweite Mannschaft der Füchse trainiert habe. Klar, das Thema interessiert die Medien ganz besonders. Für uns selbst spielt das Alter keine Rolle. Wir sind bodenständig, aber auch ehrgeizig und selbstbewusst. Die Spieler haben damit auch kein Problem. Die Frage, die sie sich stellen, ist, ob der Trainer uns weiterhelfen kann oder eben nicht.

Frage: Sie arbeiten neben ihrem Job als Füchse-Co-Trainer auch noch als Sportlehrer.

Das ist schon ein gewisser Luxus, der mir eine gewisse Sicherheit gibt, die ich nicht missen möchte. Gerade auch in Zeiten von Corona wurde mir das wieder vor Augen geführt. Es ist zwar alles sehr zeitintensiv, aber ich mache es gerne. Handball ist meine Leidenschaft. Und die Füchse sind ein sehr spannendes Projekt.

Frage: Was bestimmt auch an Stefan Kretzschmar liegt, der ja die Position Vorstand Sport übernommen hat.

Es ist eine Art Neuanfang. „Kretzsche“ bringt frischen Wind mit. Unser Geschäftsführer Bob Hanning hat gesagt, dass uns 20 Prozent auf Kiel und Flensburg fehlen. Mit Kretschmar könne man nun diese Lücke schließen. Klar ist, ich möchte bei diesem Projekt mithelfen und den Weg mit den Füchsen weitergehen.

Frage: Kretzschmar ist das Gesicht des deutschen Handballs schlechthin.

Ich finde ihn als Kommentator richtig gut. Ihm gelingt die Mischung aus Unterhaltung und Sachverstand bestens. Das ist herausragend, ihm kann niemand das Wasser reichen. Er besitzt zudem ein unfassbares Netzwerk. „Kretzsche“ bekommt alles mit. Er weiß, welcher Spieler auf dem Markt ist, wer was kann und was für eine Persönlichkeit er hat. Das macht Kretzschmar als Vorstand Sport unverzichtbar. Und für die Außendarstellung des Vereins ist er genauso wie Bob Hanning ein echtes Brett. Privat ist er eine ehrliche Haut und immer offen.

Frage: „Unser Revier“ heißt eine vierteilige Doku über die Füchse Berlin, die auf Sky ausgestrahlt wird. Auch Sie kommen immer wieder zu Wort, werden auf Schritt und Tritt von Kameras verfolgt. Wie ist das?

Am Anfang war es schon komisch. Doch die Jungs der Produktionsfirma sind super, die das nötige Fingerspitzengefühl besitzen, wann sie die Kamera mal nicht ins Gesicht halten sollen. Sie sind schnell ein Teil von uns geworden. Es gibt relativ unverstellte Einblicke in die Welt des Handballs. Klar, es wird nicht alles gezeigt. Aber die Serie ist authentisch.

Frage: Sie sind dem breiten Publikum bei den Sky-Übertragungen auch als Mikrofon-Verantwortlicher bei den Time-outs der Füchse bekannt.

Das ist nicht immer ganz so einfach. Meine Quote, das Mikrofon trotz aller Hektik nicht am Spielfeldrand zu vergessen, liegt aber jetzt schon bei 90 Prozent. Das Lustige ist, dass ich bereits gleich nach den Spielen Nachrichten bekomme, wo man mir zu dieser Leistung gratuliert. Manchmal gibt es eben auch Tadel.

Zur Person: Seit nunmehr sechs Jahren ist Max Rinderle, der beim TV Zell das Handball-ABC erlernte, bei den Füchsen in Berlin als Co-Trainer in der Bundesliga tätig. Der Vater einer zweijährigen Tochter arbeitet zudem als Lehrer in der Hauptstadt. Aufgrund des eng getakteten Spielplans und der strengen Corona-Regelungen weilte er nun erstmals seit 17 Jahren über die Feiertage nicht bei seinen Eltern Susanne und Manfred Rinderle in der alten Heimat.

Lesen Sie das OV ePaper bis zur Jahresmitte 2021 für nur einmalig 59 Euro! Gleich HIER anfordern.

  • Bewertung
    0

Umfrage

Lockdown

Bundeskanzlerin Angela Merkel rechnet laut Medienberichten offenbar bis Ostern mit einem Lockdown. Gehen auch Sie von einer langen Zeit der Einschränkungen aus?

Ergebnis anzeigen
loading