„Auf den Sauerbraten von Oma habe ich mich mords gefreut“, grinst Jonas Schamberger, der Weihnachten und den Jahreswechsel in der Heimat verbracht hat. Neben dem Wiedersehen mit Familie und Freunden sowie einem Abstecher nach Saas-Fee zum Skifahren hatte es der 24-Jährige auch auf „Maultaschen“ abgesehen. Die kulinarischen Köstlichkeiten in good old Germany sind fast das Einzige, was Schamberger in den USA so richtig vermisst. „Meist gibt es ja nur Fast Food.“

Von Mirko Bähr

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Weil am Rhein. Der 1,94 Meter große Weiler Handballer wird morgen wieder in den Flieger steigen. Es geht über den großen Teich zurück an die Ostküste in den Bundesstaat Massachusetts. „Ich freue mich schon wieder drauf“, sagt er, der die Zeit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten genießt.

Seit Oktober wohnt Schamberger in der Nähe von Boston in einer Bude mit kleiner Küche und Bad. Genauer gesagt hat es ihn in den Vorort Cambridge verschlagen. Ein Jahr verbringt der Chemie-Laborant hier und arbeitet für das Pharmaunternehmen Novartis noch bis Ende Sommer an einem Projekt mit.

Statt mit der neu formierten HSG Dreiland in der Landesliga auf Punktejagd zu gehen, schlüpft der linke Rückraumschütze in den USA ins Trikot des New York Athletic Clubs. Den Kontakt hat ein alter Bekannter eingefädelt: Jordan Fithian, der vor einiger Zeit beim ESV Weil in der Südbadenliga spielte, während seine Frau Jennifer beim TV Grenzach in der 3. Bundesliga aktiv war. „Ich habe ihn gefragt, ob er mir ein Team in Boston vermitteln könnte“, sagt Schamberger. Konnte er. Allerdings nicht in Boston. „Er wollte, dass ich in seinem Team spiele.“ Gesagt, getan. Nun ist der 24-Jährige also Mitglied des New York Athletic Clubs (NYAC).

Team kommt nur zu den Turnieren zusammen

Trainiert wird nicht, der bunt zusammengewürfelte Haufen trifft sich nur zu den Turnieren. Insgesamt vier davon gibt es jährlich. In Chicago holte sich das Team bereits den ersten Sieg. Demnächst geht es nach North Carolina. Schambergers Truppe ist der Titelverteidiger, holte sich im vergangenen Jahr die amerikanische Meisterschaft.

Im Tor des NYAC steht der Keeper der US-Nationalmannschaft, ein 42 Jahre alter Brasilianer, der schon bei Olympia mit von der Partie war, gehört ebenso zur Equipe wie auch drei schwedische Werfer. Trainiert werden die Jungs von einem alten Trainerfuchs aus Ungarn.

Das Niveau bei diesen Turnieren ist jedoch alles andere als berauschend. „In den ersten Spielen ist das vielleicht Bezirksklasse“, so Schamberger. Erst, wenn es auf das Ende der Wettbewerbe zugeht, wird es anspruchsvoller. Das macht Schamberger aber gar nichts aus. „Ich habe ja viel Spaß mit den Jungs.“

Ein Turniertag sieht nach der Anreise mit dem Flieger nämlich wie folgt aus: Frühstück bei Starbucks, Spiel Nummer eins, Snack im Fast Food-Laden, Spiel Nummer zwei, dann Pizzaessen im Hotel, schlafen. „Gewinnen wollen wir dann aber schon“, lacht Schamberger, der die relaxte Lebensart der Amis mag. „Die merken dann auch sofort, dass du selbst kein Amerikaner bist.“

War der Handballsport zuhause in Weil noch das beherrschende Thema im Hause Schamberger, so spielt diese Sportart nun in Boston nur noch eine Nebenrolle. „Ich vermisse das eigentlich gar nicht. Aber das darf ich meinem Vater gar nicht sagen“, schmunzelt er. Handball habe in der USA eben kaum einen Stellenwert. Das wollen Jordan Fithian und seine Frau ändern, die für die Firma Hummel die Werbetrommel rühren und den Sport bereits in der Highschool bekannter machen wollen. Den Amerikanern verkaufen sie Handball als eine Mischung aus Football und Basketball. „Man wirft Bälle und spielt doch körperbetont.“ Das kommt immer besser an.

Schamberger nutzt die Zeit in den USA auch, um Sportanlässe und Konzerte zu besuchen. Der Kontakt nach Weil und zur HSG Dreiland ist bei allen neuen Eindrücken nicht abgebrochen. Im Gegenteil. „Ich bin immer bestens informiert.“

Bis zum 1. September ist Jonas Schamberger noch in Boston, was dann kommt, steht in den Sternen. „Ich würde gerne verlängern. Aber dann eher an die Westküste. Dort ist es wärmer. Derzeit hat es in Boston bis -15 Grad“. Omas Sauerbraten gibt es jedoch nur zuhause.