Hasel „Aufgeben ist keine Option“

Hasel / Wehr - Dass er sein Ziel verfehlt hat, mehr Höhenmeter zu schaffen als Slim Gahm-Drid, hatte Kai Saaler schnell abgehakt. Der Kollege vom Bodensee hält den inoffiziellen Höhenmeter-Weltrekord im 24-Stunden-Mountainbikefahren. Viel wichtiger war es dem Lokalmatadoren, dass er beim Zieleinlauf um 15 Uhr nicht mit seinem Team und ein paar Leuten alleine da stand.

Mehrere Tausend Zuschauer säumten die zwei Zuschauerbereiche an der Strecke im Wehrer Wald oder den untersten Punkt an der Wehrtalsperre, an dem am Mittwoch um 15 Uhr alles begonnen hatte. Sie sorgten dafür, dass Kai Saaler der Amsel-Initiative Lörrach, die sich für MS-Erkrankte einsetzt, einen hohen Spendenbeitrag überreichen kann.

Der Hasler war vor dem Start sehr zuversichtlich und verwies auf die intensiven Trainingseinheiten der letzten Wochen und die zehn bis 20 Kilometer langen Joggingeinheiten. Außerdem hatte er zur Vorbereitung auf den Weltrekord die Strecke Ende Mai zwölf Stunden lang befahren. Er wusste also, was auf ihn zukam.

Am Ende erreichte er 17391,71 Höhenmeter nach 24 Stunden und 9774,19 Höhenmeter nach zwölf Stunden. Er ist nun Weltrekordhalter im Zwölf- und voraussichtlich auch im 24-Stunden-Mountainbikefahren. Kein unmotorisierter Zweiradfahrer hat in beiden Zeitspannen mehr Höhenmeter zurückgelegt als er. Pro Runde (durchschnittliche Steigung 8,8 Prozent) legte der Ausdauersportler 122,87 Höhenmeter zurück, das heißt, er fuhr mehr als 141 Runden. Für den Weltrekord hätte er 153 Runden fahren müssen.

Auf der Bühne, auf die er nach seiner sportlichen Herausforderung geführt wurde, würdigte er die Leistung von Slim Gahm-Drid, der seinen Weltrekord nicht angemeldet hat: „Er ist besser und hat ordentlich was in den Weg gebrannt.“ Allerdings sei dessen Event nicht annähernd so groß gewesen wie seines. „Slim hat drei, vier Bänke aufgestellt und Kuchen verkauft.“

Großer Betreuerstab

Pressekoordinator André Huber wies daraufhin, dass die Weltrekord-Strecken nicht gleichwertig seien. Slim Gahm-Drid habe eine einfache Strecke befahren mit einem besseren Belag. Auch habe es bei seinem 24-Stunden-Event keine Wetterextreme gegeben wie bei Saaler. Um 3 Uhr wurde die ständige Auf- und Abfahrt der Strecke von Regen und einem Gewitter begleitet.

Weil Saaler aus Kostengründen darauf verzichtet hat, dass Mitarbeiter von Guiness World Records die Veranstaltung beaufsichtigen, musste das Rennen aufgezeichnet und es musste Protokoll geführt werden. Einige Wildkameras standen an der Strecke.

Der Ultrasportler wurde von einem großen Team (KS Endurance) betreut. Zu ihnen zählt neben den Eltern und den Schwiegereltern seine Schwester Eva (Organisation der Rennen und Events), seine Freundin Tamy Walter (zuständig für Training und Ernährung) und die Physiotherapeutinnen Kristin Böttinger (Behandlung bei Großevents) und Tabea Schaub (wöchentliche Behandlung).

„Durch den Regen und das Gewitter hat er ein paar Minuten verloren“, sagte Tabea Schaub, die den Sportler von 3 bis 7 Uhr betreute. Sie notierte die Zeit, die er pro Runde brauchte und lockerte gegen 3 Uhr seine Muskeln.

Drei Hasler Vereine bewirteten die Gäste während der Veranstaltung, was auf Wehrer Gemarkung auch nicht allzu häufig vorkommt.

Weil ungewiss war, wie viele Leute kommen würden und wie das Wetter werden würde, kalkulierte man etwas vorsichtiger. „Wir waren sehr überrascht, wie viele Leute da waren“, sagte Ursula Jost, Vorsitzende des Höhlen- und Heimatvereins Hasel. „Die letzten Leute gingen um 3 Uhr, und die ersten Leute kamen bereits um halb sechs, um Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen“, fügte sie hinzu. Die gespendeten Getränke waren schnell ausverkauft. Über den Einzelhandel wurde schnell noch Nachschub besorgt.

Vier Bands unterhielten die Besucher des Events: die „Harros Dance Band“, „Projekt X“, „Paperhaed“ und „Sameday Records“. Lediglich für die Bühne, die Bühnentechnik sowie die GEMA mussten die Veranstalter zahlen, sämtliche Festhelfer arbeiteten ehrenamtlich.

Hubert Saaler, Vater des Ausdauersportlers, sah den Weltrekord mit gemischten Gefühlen. „Für seine Gesundheit ist dieser ’Wettkampf’ sehr belastend“, sagte er unserer Zeitung. Sorgen bereitete ihm auch, mit welch einer Geschwindigkeit er den Berg hinunterfahre: „Ich habe riesige Angst, dass er sich verletzt.“ Dennoch war es für ihn selbstverständlich, bei der Durchführung der Veranstaltung tatkräftig mitzuhelfen.

Als das Rennen gegen die Uhr beendet war, war Kai Saaler stolz, dass so viele Zuschauer ihn angefeuert hatten. Er deutete eine Verbeugung an, und klatschte dann die Hände seiner hinter einem Absperrband stehenden Fans ab. Auf der Bühne sagte er dann noch einen Satz, den er an Multiple Sklerose-Erkrankte adressiert hatte, der aber auch genauso gut als Motto seines Weltrekords hätte dienen können: „Aufgeben ist keine Option.“

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