Hasel Ein Liederabend voller Geschichten

Stimmstarker Auftritt: der Russische Chor der Uni Freiburg gastierte in Hasel. Foto: Ines Bode

Hasel - Die Lieder eines Volkes transportieren bekanntlich Botschaften, handeln von Freud und Leid: das gilt auch für die Volkslieder Russlands respektive der Sowjetunion. Seit fast 90 Jahren interpretiert der Russische Chor der Uni Freiburg die Gesänge – so auch beim Gastspiel in der Kirche Hasel.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass noch ein Aspekt die Konzerte bereichert: jene Erlebnisse, die das Ensemble selber erfuhr. So geriet der Auftritt zum informativen Liederabend voller Geschichten. Eingangs stellte die Leiterin Petra Höddinghaus, die vor nahezu zwanzig Jahren zur Dirigentin avancierte, die aktuelle Besetzung vor. Damen und Herren mehrerer Generationen, darunter Studenten, sind mal länger, mal kürzer dabei.

Stammsänger wie auch Höddinghaus nutzten den Fall des Eisernen Vorhangs, um sich ein Bild zu machen. 7000 Kilometer habe man bewältigt, um in Sibirien den akademischen Chor Irkutsk zu treffen. Und die Sibirier staunten nicht schlecht: Ihr singt unsere Lieder, die vergessenen Weisen der Großmutter.

Was folgte waren Gegenbesuche von Chören der sibirischen Baikal-Region. Ein Aufhorchen galt heimatlichen Tönen, inklusive Tipps seitens der russischen Gäste.

Die Freiburger passten daraufhin ihr Repertoire dem Originalklang an. Dieser „Liedbrücke“ zufolge legte manch Stück mittlerweile die künstlerische Reise von 14 000 Kilometer zurück, wie die Leiterin bilanzierte. Im Prinzip nehme man sich Melodien des Alltags und des Glaubens, konkret der Altgläubigen, an. Unterdrückt von der orthodoxen Kirche nannte sich ein Altgläubigenchor ganz passend „Schicksal‘chen“ - Sudbinushka. Viel fremdes Vokabular kam in den knapp 90 Minuten zu Gehör. Gleichwohl zog die unbekannte Sprache zusammen mit den Arrangements in den Bann. Geradezu fasziniert lauschte mancher Gast in den Bankreihen. Inhaltlich ging es um die Liebe, ob von Glück oder Trauer begleitet.

Das „Mädchen“ und dessen Gefühlswelt ist ein beliebtes Motiv, Texte widmen sich dem Macho-Bräutigam wie falscher Wahl. Akkorde schildern die schmerzliche Seelenqual einer Julia, deren Freunde musikalisch hörbar abraten. Es ging um die Nachtigall im Garten oder um zwei ungleiche Brüder, wobei der böse, man ahnt es schon, nicht ohne Strafe davon kommt. Ein Bauer blickt mit Stolz auf seine Länderei, was sich als Freiheit verstehe. Nur eine von vielen Metaphern, die bei Unterdrückung eben großen Stellenwert hat. Meist sind es kurze Lieder. Und speziell längere, teils ungewohnt für hiesige Hörgewohnheiten, wurden respektvoll beklatscht. Ein nuancenreiches Stück erzeugte ein geflüstertes „Hallelujah“ im Publikum, vertont wurde die amüsante Kunde, „der Herrgott kam, schuf die sibirische Ebene, und der Teufel setzte ein paar Berge drauf“. Und es ging um Helden, wie Alexander, der Apothekersohn aus St. Petersburg, den es nach Freiburg verschlug, wo er 1930 einen Chor gründete – der Rest ist eine „längere“ Geschichte.

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