Hasel Trauer um Hasels Ehrenbürgerin

Inge Nestle, die langjährige Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Hasel – unser Bild zeigt die Peterskirche – ist am Sonntag im Alter von 85 Jahren gestorben. Foto: Harald Pflüger

Hasel -  Im Alter von 85 Jahren ist Hasels frühere Pfarrerin und Ehrenbürgerin Inge Nestle, geborene Angermann, gestorben.

Ein neues Gesicht war 1978 in der evangelischen Kirchengemeinde Hasel zu sehen. Für den nach Wertheim an der Tauber versetzten Pfarrer Stetzler übernahm Inge Nestle zum 1. September die Seelsorge im Erdmannsdorf.

Inge Nestle stammt aus Hannover. Dort hatte sie auch ihr erstes theologisches Examen abgelegt. Das zweite folgte in Kurhessen-Waldeck, wo sie auch ordiniert wurde.

Vor ihrem Umzug ins Wiesental lebte Inge Nestle elf Jahre in Marburg, wo sie zuletzt in der Krankenhaus-Seelsorge tätig war.

In Fahrnau, wo das Ehepaar lebte – ihr Mann, Pfarrer Dieter Nestle, war Professor für evangelische Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Lörrach – gab Inge Nestle bis zum Ende des Schuljahrs 1977/1978 Religionsunterricht an der dortigen Grundschule.

Mit einem Festgottesdienst in der Hasler Peterskirche und einem anschließendem Empfang wurde Inge Nestle im Juli 1979 offiziell in ihr Amt eingeführt. Die nachträgliche Amtseinführung durch Dekan Martin Kaufmann - schließlich war Inge Nestle bereits seit ihrer offiziellen Amtseinführung 1978 als Seelsorgerin tätig – war dem Oberkirchenrat geschuldet, der die Frist für das Probevikariat gewahrt haben wollte. Bald hatten die Einwohner sie, und sie die Einwohner ins Herz geschlossen. Nach 18 Jahren, als Inge Nestle ihren Entschluss, mit 62 Jahren als Pfarrerin in Hasel aufzuhören, in die Tat umsetzte, hieß es Abschied nehmen.

„In Hasel habe ich viel Arbeit angetroffen, von der ich bis dahin nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt“, blickte Inge Nestle bei ihrer Verabschiedung zurück. Ihr Wirkungsfeld reichte weit über das der reinen Seelsorge hinaus.

Der Beifahrersitz als „Beichtstuhl“

1983 wurde das neue Gemeindehaus seiner Bestimmung übergeben, das die verschiedenen Gruppen der evangelischen Gemeinde, darunter auch den Kindergarten, unter einem Dach vereinte. In ihre Amtszeit fiel auch die Renovierung der Peterskirche. Es wurde nicht nur ein baulicher, sondern auch ein finanzieller Kraftakt. Und als der bewältigt war, sorgte die Farbe für neuen Gesprächsstoff. Dem einen gefiel der Anstrich im Farbton Altrosa, dem anderen nicht. 1987, nach Abschluss der Arbeiten an dem ortsbildprägenden Bauwerk, war das „Schmuckstück für die Raumschaft“ und „Ort der Versöhnung und des Friedens für das Dorf und die Welt“ mit einem Festgottesdienst eingeweiht worden.

Bei ihrer Verabschiedung neun Jahre später wurde Inge Nestle als erste Frau der Gemeinde zur Ehrenbürgerin Hasels ernannt. Dabei wurde Nestles Engagement noch einmal hervorgehoben. Erinnert wurde an ihren Einsatz für den Kindergarten, die örtlichen Vereine und die Bürger Hasels, die mit all ihren Sorgen und Nöten zu ihr kommen konnten. Oft wurde der Beifahrersitz des Autos, in dem sie saß – Inge Nestle hatte keinen Führerschein – zum „Beichtstuhl“.

Und, auch das war bemerkenswert: Inge Nestle hatte während ihrer 18 (Dienst)-Jahre in Hasel keinen einzigen Gottesdienst ausfallen lassen. Dass die Pfarrstelle auf ein halbes Deputat gekürzt worden war, hieß es, davon habe man nie etwas bemerkt.

Verheiratet war Inge Nestle mit dem Theologen und Ur-Grünen Professor Dieter Nestle. Beim Festakt zum 40. Geburtstag der Grünen in Schopfheim im vergangenen Jahr war sie persönlich zwar nicht zugegen, schwelgte aber in einem Film in Erinnerung an ihren verstorbenen Mann, der so gut wie nie zuhause gewesen ist, weil er mit viel Herzblut herumreiste, um als wandelnder „Apostel“ überall im Land „Zellen der Grünen“ zu gründen.

Am vergangenen Sonntag, 22. März, ist Inge Nestle gestorben, nur wenige Wochen nach ihrem 85. Geburtstag am 27. Januar

Aufgrund der Corona-Pandemie findet die Beisetzung im engsten Familienkreis statt. Zu einer Trauerfeier wird zu einem späteren Zeitpunkt eingeladen.

Aufgeregte Zeiten erfordern seriöse und umfassende Informationen und deren Einordnung! Jetzt HIER anfordern.

Umfrage

Eine Mikroskopaufnahme zeigt das Coronavirus

Das Lörracher Landratsamt hat sich mit den Kommunen im Kreis darauf geeinigt, keine Orte zu nennen, in denen Menschen mit einer Corona-Infektion leben. Was halten Sie von dieser Entscheidung?

Ergebnis anzeigen
loading