Hausen Auto-Kabel-Insolvenz weitet sich aus

Gerald Nill
Auto-Kabel in Hausen musste schon Ende November Insolvenz anmelden. Foto: Gerald Nill

Am Montag wird die vorläufige Insolvenz nun auch auf die Management-Gesellschaft mit weiteren 330 Beschäftigten, verteilt über ganz Deutschland, ausgedehnt.

Schon Ende November musste der Konzern eine Insolvenz in Eigenverwaltung für seinen Produktionsstandort Hausen mit 320 Beschäftigten anmelden. Seit sieben Wochen zahlt die Bundesagentur für Arbeit die Gehälter dieser Beschäftigten. Außerdem wacht ein bestellter vorläufiger Insolvenzverwalter über die Ausgaben der Unternehmenssparte. Da der Markt der Elektromobilität sich nicht wie erhofft entwickelt, sieht sich das Unternehmen gezwungen, nun auch eine vorläufige Insolvenz für die AK-Managementgesellschaft anzumelden.

Vorübergehender Engpass

Auto-Kabel-Geschäftsführer Markus Bolz bezeichnet den Gang am gestrigen Montag zum Insolvenz-Gericht in Waldshut als „konsequenten Schritt zur Erneuerung“. Er ist weiterhin zuversichtlich, dass die Zahlungsschwierigkeiten nur ein vorübergehender Engpass sind, denn die Experten für Elektromobilität haben ja genau auf die nachgefragte Zukunftstechnologie gesetzt, als sie in Maschinen und Menschen investierten. Doch die derzeitige Nachfrage ist eher bescheiden. „Der Markt hat sich extrem abgeschwächt und die Kunden aus der Automobil-Branche haben ihre Aufträge deutlich reduziert und verschoben“, berichtet Bolz.

21,4 Millionen Euro Defizit

Für den Produktionsstandort in Hausen bedeutet dies zirka 45 Prozent weniger Umsatz als geplant im vergangenen Jahr und ein Defizit von 21,4 Millionen Euro – maßgeblich verursacht durch die nicht eingetretenen Wachstumskurven der Elektro-Fahrzeugplattformen. Auch im Januar war der Auftragseingang in Hausen bescheiden. Ein Grund sind sicherlich die gestrichenen Subventionen für E-Autos, was zu einer starken Kaufzurückhaltung führt.

Bolz hofft, dass dies nur eine vorübergehende Erscheinung ist und verlässt sich weiter auf politische Zusagen angesichts der Erreichung der Klimaziele, die gerade in der E-Mobilität zu einem Boom führen würden. „Wir bieten Lösungen für nachhaltige E-Mobilität und beteiligen uns durch unsere Aluminium-Leitbau-Technologie an der Verringerung des CO₂-Ausstoßes der Fahrzeuge, aber wir erkennen nicht, dass die Politik hierbei auch Wort hält, und diese dringend benötigte Transformation unterstützt“ so Bolz.

Investor abgesprungen

Die Schieflage bei Auto-Kabel hängt, wie berichtet, auch mit dem Rückzug eines amerikanischen Investors zusammen, der erst eine Übernahme-Absicht kippte, Millionen-Zusagen stornierte und jetzt auch noch Aufträge bei Auto-Kabel zurückstellte. Das US-Unternehmen sei vermutlich selbst in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, heißt es jetzt. Das habe nun auch Konsequenzen für die Management-Gesellschaft des Unternehmens, die von vollen Auftragsbüchern lebt. Da die Kaufzurückhaltung bei weltweit neun Produktionsstandorten zu spüren ist, leidet ergo auch das Management.

Belegschaft ist informiert

Bolz erklärt, dass die Belegschaft über den nächsten Schritt der Insolvenz informiert sei und zeitnah auch in einer Betriebsversammlung durch den Insolvenzverwalter aufgeklärt werde.

Neben einem Durchbruch bei der E-Mobilität setzt Geschäftsführer Bolz vor allem auf die Suche nach einem strategischen Partner. Wie berichtet, will sich die private Eigner-Familie aus Altersgründen aus dem Geschäft zurückziehen. Bolz würdigt dabei, dass es den Eignern aus der Region nicht darum gehe, schnell Kasse zu machen.

Betrieb nicht zerschlagen

„Sie hängen an den Arbeitsplätzen und wollen den Betrieb nicht zerschlagen“, so Bolz. „Auto-Kabel hätte bereits an Private Equity-Investoren veräußert werden können.“ Aber man suche eher einen Investor aus derselben Branche. Der AK-Chef setzt zum Beispiel stark auf den Besuch einer internationalen Delegation, die in Kürze aus Japan erwartet werde. Aber es gebe auch Kaufinteressenten aus Deutschland in der „long list“. „Aufgrund des großen Interesses an Auto-Kabel, sind wir sehr optimistisch.“

Trotzdem tickt ab jetzt die Uhr. Innerhalb von drei Monaten müssen Lösungen für eine Übernahme gefunden werden und der flaue Markt muss wieder spürbar anziehen. Bolz macht deutlich: „Aktuell sind Arbeitsplätze bei uns nicht gefährdet, aber binnen drei Monaten muss etwas passieren.“

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