Von Sarah Trinler

Hausen. Alemannisch auf der Leipziger Buchmesse? Tatsächlich. Heidi Zöllner, die Vorsitzende der Muettersproch-Gsellschaft, Gruppe Wiesetal, hat bei einem Landschreiberwettbewerb zum Thema „Mit Sprache über Sprache“ teilgenommen und gehörte zu den Auserwählten, die ihre Texte auf der Buchmesse Leipzig vorlesen durften.

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Nachdem Heidi Zöllner vergangenes Jahr den zweiten Platz beim Lahrer Mundartwettbewerb erreicht hatte, hatte sie Mut gefasst, und im November einen alemannischen Beitrag beim Landschreiberwettbewerb des Verlags „Auf der Warft“ aus Münster eingereicht. „Lesen kann das dort sowieso keiner“, dachte sich Heidi Zöllner und hatte daher gleich eine Version auf Schriftdeutsch mitgeschickt.

Als Heidi Zöllner nach Fasnacht erfuhr, dass sie zu den zwölf Auserwählten aus 130 Beiträgen (aus Deutschland, der Schweiz und Österreich) gehörte, konnte sie es erst nicht glauben. „Ich wollte schon immer einmal auf die Leipziger Buchmesse“, dachte die 64-Jährige, packte ihre Koffer und machte sich vergangenes Wochenende mit ihrem Mann auf den Weg in die Großstadt Sachsens.

Auf der Leipziger Buchmesse fand sich die Hausenerin dann zwischen Autoren, Verlegern, Doktoren und Professoren wieder. „Ich war die einzige unter den zwölf Platzierten, die weder ein Germanistik-, Literatur- oder Sprachwissenschaftsstudium aufweisen konnte“, so Zöllner erstaunt.

Herausgestochen war Heidi Zöllner auch, weil ihr Text in Mundart verfasst war. Alemannisch ist zudem noch ein Dialekt, den die meisten der Messebesucher noch nie gehört hatten. „Nachdem ich den Beitrag gelesen hatte, blickte ich in erstaunte und fragende Gesichter“, schmunzelte Zöllner, „manche konnten nicht glauben, dass dieser Dialekt wirklich gesprochen wird.“ Ziel erreicht, denn Heidi Zöllner war es schon immer ein Anliegen, das Alemannische zu erhalten - nun hat sie es sogar bis zu Verlegern aus Norddeutschland herausgetragen.

Selbstverständlich hat Heidi Zöllner im Anschluss an ihre Lesung auch noch die schriftdeutsche Übersetzung vorgelesen. Sonst wäre die tiefgründige Aussage von „E Frog an d Muettersproch“ bei den Messebesuchern gar nicht angekommen. Zöllners Beitrag ist eine Reaktion auf die Aussage der Unesco, die meinte, dass das Alemannische zu den aussterbenden Sprachen gehöre. In Zöllners Text werden Fragen an das Alemannische gestellt. Wie soll man künftig mit der Mundart umgehen? Sich dem Trend anpassen oder den Dialekt weiter pflegen? „Lieber verstoht mi niemer, wenn i Chaschte, Kanapee un Mairiisli sag“, so Zöllners Antwort.

Vom Leipziger Fachpublikum gab es dann auch reichlich Applaus, was Heidi Zöllner ein wenig stolz machte. Es bestätigte sie, dass sie sich richtig entschieden hatte, trotz anfänglicher Zweifel mutig zu sein und an dem Wettbewerb teilzunehmen.

Im Anschluss an die Lesung verbrachte Heidi Zöllner noch den restlichen Tag auf der Buchmesse. „Da war wahnsinnig viel los, die Menschenmassen waren unglaublich“, so Zöllner. Außerdem waren auch viele Jugendliche da, die sich wie Figuren aus den japanischen Comics, den Mangas, verkleidet hatten. „Viele ältere Messebesucher fanden das eher störend, für mich war das einfach die Wiederholung von Fasnacht“, schmunzelte Heidi Zöllner.