Hausen (kb). Die Muettersproch-Gsellschaft, Gruppe Wiesetal, um Heidi Zöllner ist immer für Überraschungen gut. Einen Coup landete der Vorstand mit der jüngsten Veranstaltung im heimeligen Hebelhaus mit der Schriftstellerin Vera Gerspacher aus Fröhnd, auch bekannt unter ihrem Mädchennamen Gutmann. Die 44-Jährige, in Oberhepschingen lebend, las aus ihrem reichhaltigen und abwechslungsreichen Repertoire vergnügliche und humorvolle Gedichte und Geschichten aus der Kindheit in Aftersteg. Erlebnisse rund um Fröhnd, Todtnau und Schönau, alle in bester Mundart, kamen zur Sprache. Charmant erzählte Vera Gers­pacher, wie sie zum Schreiben kam. Schon in der Schule gefiel ihr das Fabulieren. Im jugendlichen Alter erfuhr sie Freude daran, verfasste bald Schnitzelbänke für die Fasnacht in Alemannisch und weitete ihr Hobby fast professionell aus, indem sie zwei Bücher sowohl in Hochdeutsch als auch in Alemannisch veröffentlichte. Als feinsinnige Beobachterin erwies sich Vera Gerspacher bei ihren alltäglichen Geschichten. Ob sie mit den Fröhnder Landfrauen im Münstertal unterwegs war, einen Gartenplausch oder Stadtbummel mit Freundinnen unternahm oder einen Tag am glitzernden Schluchsee verbrachte, das Fazit lautete: „Schöner kann es nicht sein.“ Geprägt ist das Schaffen der Autorin besonders vom Familienglück. Ihrer Mutter widmete sie das Gedicht „In de Heidelbeere“. Der Vergleich des Bauernlebens in Fröhnd von früher und heute und die Kritik am überwachten Fortschritt durch Bürokratie und endlose Formulare gipfelte in einem erlösenden Lachkrampf im Paradies bei Petrus. Das Miteinander im Dorf ist für Vera Gerspacher bedeutend, macht die Lebensqualität aus. Die Autorin sucht Seelenverwandtschaft mit ihren Freundinnen und bedauert im Vergleich „Amig un hüt“, dass im Gegensatz zu früher die Kommunikation bei Tätigkeiten wie Musizieren, Singen, Lachen, Stricken und Schwätzen nicht mehr so im Vordergrund steht. Im zweiten Teil des Abends war Schmunzeln angesagt, als für das Kätzlein festgestellt wurde, es „hat’s doch wahrlich schön“, oder wenn die fachsimpelnden Männer in der Werkstatt oder beim Bulldogtreffen auf dem Ehrsberg und an der verliehenen Plakette ihre Freude wie kleine Buben haben. Auch der Tradition fühlt sich Vera Gerspacher verpflichtet, wenn sie das Spektakel bei der „Herdöpfelernte“ mit der gesamten Verwandtschaft pointenreich beleuchtet. Ernste Töne brachte die Dichterin mit dem Heimkehrer mit Lungenbeschwerden nach fünfjähriger russischer Gefangenschaft ein, der vom Feldberg kommend auf Todtnau hinuntersieht, sich fragt, ob er wohl erkannt wird und dann wortlos der Mutter in den Armen liegt. Zum Abschluss las die Autorin einige heitere und besinnliche Gedichte von Advent und Weihnachten. Langanhaltender Beifall für einen schönen Mundartabend, bei dem die „Neue im Hebelhaus“ nachhaltigen Eindruck machte und wohl weiterhin gerne „Luftschlösser“ baut.