Hausen im Wiesental „Alles nur geliehen uf dere Welt“

Siegfried Schmieg spielte Akkordeon. Foto: Gudrun Gehr Foto: Markgräfler Tagblatt

Hausen (ger). Am Donnerstag stand die Heimatdichterin Waldtraud Bühler aus Raich im Mittelpunkt beim monatlichen Treffen der Muettersproch-Gsellschaft, um ihre alemannischen Gedichte und Geschichten zu präsentieren. Ergänzt wurde der literarische Abend von Siegfried Schmieg, der die Lieder mit Akkordeon- und Klavierklängen begleitete.

Schmieg, der für die Gäste ein Blatt mit Texten alter Volkslieder ausgelegt hatte, eröffnete auch das Programm - mit dem Lied von Johann Peter Hebel „Z’Müllen an der Post“. Waltraud Bühler las aus ihrem Band „Mi Chleini Welt“ und beschrieb im Gedicht „Belchenkind“ das liebliche Kleine Wiesental, die Blumenpracht, „suferi Dörfli“, warf aber auch einen Blick auf die gegenwärtige Situation der Einheitsgemeinde. Es bedürfe viel Umsicht zum Regieren durch den Burgi, auch die Pfarrstellen wurden gekürzt. Ihr Resümee: „Mir könne nur hoffe, alles isch offe.“ Weitere besinnliche Gedichte folgten mit einem Blick von den Sternen auf die bucklige Erde: „S’isch alles nur geliehen uf dere Welt.“ Ein weiteres Gedicht galt der Bescheidenheit: „Auch mit Kleinigkeiten, wie einem Lächeln, kann man Freude ins Leben bringen.“ Die Oberhäuserin stellte auch ihren geliebten Garten mit seinen blühenden Narzissen, Aurigeli, Maieriesli und ihr Gemüse, die „Gugummere“, das Kruut und Kohlräbli vor. Heimatdichter Hans Ruf aus Demberg wollte auch kommen, musste jedoch aus Krankheitsgründen die Teilnahme absagen. Aus seinem Gedichtband „S’chlei Wiesetal“ las Siegfried Schmieg einige nachdenkliche Bemerkungen zum Alltagsgeschehen.

Unter Schmunzeln erklärte der Nordwürttemberger, sich trotz jahrzehntelanger Verwurzelung im alemannischen Sprachraum noch immer anstrengen zu müssen. Bereits 1997 hatte Hans Ruf sich hintergründige Gedanken gemacht in seinem Gedicht „Wies ohne Stammtisch“ und bedauerte das Wirtshaussterben: „Mänkmol stell i mir vor, wiis söt nomol sii, wi vor driiß’g, vierz’g Johr. Vier, fünf Wirtschafte, ohni g’loge, alli voll, fascht jede Obe.“ Waltraud Bühler konnte mit einer passenden Variante aus ihrem Werk ergänzen und bedauerte das „Stammtisch-Sterben“. Dort sei geschwätzt, gesungen, gespielt und auch getrunken worden. „Menschen wurden hier Freunde, Gemeindepolitik aus Stammtischsicht wurde besprochen. So manch einer hat hier vergessen, dass seine Frau mit dem Essen wartet.“

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