Hausen im Wiesental Begegnung zwischen

Markgräfler Tagblatt
Hausens Bürgermeister Martin Bühler (links) mit dem Hebelpreisträger Franz Hohler. Foto: Heiner Fabry Foto: Markgräfler Tagblatt

Hausen (hf). Am Vorabend der Verleihung des Johann-Peter-Hebel-Preises des Landes Baden-Württemberg konnten Kulturinteressierte den angehenden Preisträger bei einer Lesung hautnah erleben. „Das war mehr als eine Lesung“, stellte ein ehrlich bewegter Bürgermeister Martin Bühler am Ende der Veranstaltung fest. Mit seiner langen Bühnenerfahrung führte Franz Hohler eine lebendige Dichterbegegnung vor, die den Bogen über zwei Jahrhunderte schlug und dem lauschenden Publikum die Frage aufdrängte, ob sich die Menschen in dieser Zeit trotz einschneidender Erfahrungen im Grunde eigentlich verändert haben.

Mit seinem Programm „Hohler trifft Hebel“ unterstrich der Hebel-Preisträger seine enge Verbindung mit dem „Kalendermann und Theologen“, unterhielt natürlich sein Publikum, regte aber mit der Auswahl der Stücke, mit seiner Interpretation der Texte seine Zuhörer auch an, über die Fragen nachzudenken – seien sie erhebend oder beklemmend –, die die Zeiten überdauern.

Veranstaltung wegen Nachfrage verlegt

Bei Literaturpreisen sei das so eine Sache, räumte Volker Habermeier, stellvertretender Präsident des Hebelbundes, in seiner Eröffnung ein. Man könne immer fragen, warum bekommt jemand einen Preis, oder warum hat er ihn nicht schon längst bekommen. So sei das auch bei dem diesjährigen Hebel-Preisträger Franz Hohler, wobei die Antwort auf diese Frage das Geheimnis der Preisjury bleibe.

Vor dem Altar in der Kirche, in die die Lesung aufgrund des Andrangs verlegt werden musste, ein Tisch mit zwei Stühlen, auf dem Tisch zwei Namensschilder: Johann Peter Hebel und Franz Hohler. Zwischen der Zeit Hebels und unserer Gegenwart liegen 200 Jahre, tragische Kriege und Verwüstungen, technische und wissenschaftliche Umwälzungen. Und doch dürfe gefragt werden, ob sich in uns Menschen etwas gleich Umstürzendes ereignet habe, gab Hohler zu bedenken. Die Antwort lag in der folgenden Darbietung, die tatsächlich über eine Lesung weit hinaus ging. Franz Hohler wechselte auf die eine Seite des Tisches und trug Gedichte oder Geschichten von Hebel vor, ging dann auf die andere Seite, um eigene Geschichten beizusteuern. Dabei offenbarte sich Erstaunliches. Verwandte Themen schienen auf, verwandte Fragen und Sorgen, die spürbar machten, dass Zeit und Entwicklung bisweilen relative Begriffe sind.

Franz Hohler spricht unsere Sprache

Was die Begegnung zwischen den beiden Denkern und Dichtern besonders spannend machte, war, dass diese Ähnlichkeit über die bloße Thematik hinausgeht. Hohler spricht unsere heutige Sprache, ist umgeben von den aktuellen Alltäglichkeiten, so dass seine Fragen und Gedanken uns auf der einen Seite direkter treffen, auf der anderen Seite aber den Blick dafür öffnen, wie aktuell, wie zeitgemäß Hebel ist, wenn man sich dessen Sprache öffnen kann. Als über Jahrzehnte auf der Bühne Erfahrener hat Franz Hohler zusätzlich ein untrügliches Gespür für die Auswahl und die Reihenfolge der Texte.

Nach der Lesung von Hebels „Kannitverstan“ folgt Hohlers – auf Holländisch vorgetragene – Version der Geschichte „Wie die Berge in die Schweiz kamen“. Der gewaltigen Heiterkeit im Publikum setzt Hohler gleich darauf die Geschichten von der „heimlichen Enthauptung“ bei Hebel und seine Erzählung „Die Hinrichtung“ entgegen, die von einem tödlichen Verkehrsunfall berichtet.

Zum Abschluss gibt es Kinderverse

Höhepunkte des Abends waren zweifellos Hohlers Schweizerdeutsche Version des Chansons vom Deserteur (Dr Dienschtverweigerer), bei dem es mucksmäuschenstill in der Hausener Kirche wurde. Aber der erfahrene Bühnenkünstler weiß auch, dass er seine Zuhörer, die ja auch Wegbegleiter sind, nicht in dieser Stimmung gehen lassen kann. Darum folgten Hebels Version der Schöpfungsgeschichte und die Hohlers Erzählung vom lieben Gott, der vor aller Schöpfung eine Kiste mit Erbsen geschickt bekommt.

Den Abschluss bildeten einige Kinderverse von Franz Hohler. „Ich flüstere sie Hebel ins linke Ohr“, scherzte der Dichter, „vielleicht gehen sie dann rechts wieder raus.“

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