Hausen im Wiesental Beim Pferd immer links absteigen

Markgräfler Tagblatt
Die Vorsitzende der Muettersproch-Gsellschaft, Gruppe Wiesetal, Heidi Zöllner, bedankte sich herzlich bei den Referenten Siegfried Schmieg (links) und Gustav Oberholzer. Foto: Klaus Brust Foto: Markgräfler Tagblatt

Wenn der 78-jährige Oberlehrer i. R. Siegfried Schmieg seine Hausener Mitbürger überraschen und seinen großen Wissensschatz an den Mann oder die Frau bringen will, ahnen im Vorfeld alle, dass sie etwas Besonderes in Wort, Bild und Schrift erwartet.

Von Klaus Brust

Hausen. Am Donnerstagabend kamen viele Interessierte ins evangelische Gemeindehaus, wo die Muettersproch-Gsellschaft, Gruppe Wiesetal, ihren Monatstreff abhielt. Und sie wurden nicht enttäuscht. Es durfte gerätselt, gelesen, zugehört, gelacht und mitgedacht werden bei Fragen, die nach den Worten des Referenten, ein Um-die-Ecke-Denken beziehungsweise einfache Antworten einforderten.

Eine Neuigkeit

Doch da hatte er untertrieben. Eine Neuheit bei Siegfried Schmieg, einem gebürtigen Franken, war, dass er alle Beispiele in Alemannisch lesen ließ. „Welchen Dialekt schwätze mer in unserem Bundesland?“, hieß es zu Beginn. „Badisch oder schwäbisch?“ An Karten und weiteren Aufzeichnungen belegte Schmieg, dass von der Schweiz bis nach Süddeutschland und teilweise darüber hinaus nur Fränkisch, Kurpfälzisch und Alemannisch gesprochen wurde.

„Wo lag das Mare Suebicum?“ – Es war die Ostsee. Dann ging es Schlag auf Schlag. Die Fragen, Antworten und Beispiele hatte Schmieg in nahezu zehn Jahren gesammelt, nach den Ursprüngen geforscht und bildmäßig gekonnt aufbereitet.

Hat Geiger die Geige oder Renzo Piano das Piano erfunden? Welches Produkt ist nach seinem Erfinder oder Erbauer und welche Pflanze nach ihrem Züchter benannt? Was bedeutet der „Schwager“ im Lied „Hoch auf dem gelben Wagen?“ Woher stammen die Ausdrücke Bockbier und Bockwurst?

Auch Mathematisch ging es zu. Bei welcher Gelegenheit erreichte ein Mensch welche Höchstgeschwindigkeit? Bei der Rückkehr vom Mond beim Eintritt in die Erdatmosphäre mit circa 40 000 Kilometer pro Stunde.

Geometrisch wurde es bei der Bundeskanzlerin Merkel und ihrem Erkennungszeichen, der Merkelraute.

Aus der Praxis gefragt: Warum ist jeder längere Tunnel an beiden Enden gebogen? – Wegen der Klaustrophobie. Noch ein Beispiel: „Warum steigt man bei Pferd und Fahrrad immer links auf und ab?“ Der Ritter trug (als Rechtshänder) links sein Schwert, das ihn beim Aufsteigen von rechts behindert hätte. Aus dem Grund wurde in der klassischen Reitschule immer links aufgestiegen.

Für den spannenden, humorvollen und bildreichen Vortrag erhielt Siegfried Schmieg lang anhaltenden und verdienten Applaus.

Noch ein „Hausener“ präsentierte sich, Professor Gustav Oberholzer, der seit vielen Jahren in München lebt und lehrte. Seit seinem Ruhestand widmet er sich in zahlreichen Publikationen dem früheren Leben im südlichen Schwarzwald. Nun stellte er seine Arbeit „Zur Kulturgeschichte der Destillation und der Schwarzwälder Hausbrennerei“ vor.

Hierbei berichtete er über geschichtliche Hintergründe, die Anfänge der Wein- und Hausbrenner und über Schwarzwälder Edelbrände. Mit erstaunlichen Zahlen konnte der Autor aufwarten; im Kreis Waldshut gab es 1992 noch 673, im Kreis Lörrach 1655 Kleinbrenner, im Ortenaukreis sogar 6895, bedingt durch Klimagunst und den Obstbau. Oberholzer merkte an, weshalb es noch nicht gelungen sei, in Südbaden, wo die meisten Brenner zu Hause seien, ein Brennereimuseum einzurichten. Bayern, Schwaben und das Elsass haben es vorgemacht. Er selbst habe eine fertige Konzeption erarbeitet.

Kein Brennereimuseum

Zur Ehrenrettung führte er an, dass eine bescheidene „Brennküche“ im Resenhof in Bernau, im Schneiderhof in Endenburg und im Klausenhof in Herrischried bestehe. Die Vorsitzende der Muettersproch-Gsellschaft, Heidi Zöllner, bedankte sich bei den Referenten für die interessanten und exzellenten Ausführungen.

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