Hausen im Wiesental Des einen Freud, des anderen Leid

Verdutzte und betretene Mienen bei den Beschuldigten; denn sie hatten sich am Fasnachtsdienstag wegen diverser Vergehen vor dem Narrengericht in Hausen zu verantworten. Durchaus verständlich, dass sich bei ihnen angesichts der drohenden Strafen ein mulmiges Gefühl im Magen breit machte.

Von Paul Berger

Hausen. Ganz anders dagegen bei den erwartungsfrohen Zuschauern, die dicht gedrängt das närrische Spektakel im „Adler“-Gerichtssaal sichtlich amüsiert und mit großer Spannung verfolgten. Auch hier bewahrheitete sich der Spruch, des einen Leid ist des anderen Freud. Und so harrte man der Dinge, die den drei Beklagten vom Gericht zur Last gelegt wurden.

Natürlich waren die Angeklagten ebenfalls bestens präpariert und erschienen in Begleitung ihrer prominenten Star-Anwälte vor dem hohen Gericht. Gleich zu Beginn der Sitzung beklagte Dorfrichter Michi Brugger eine „enorme Verrohung der Sitten“ im Hebeldorf, der das Gericht mit aller Härte begegnen werde. So war die erste Anklage gegen die Geschäftsführerin einer Holzbaufirma, Waltraud Eichin, gerichtet.

Der Vorwurf des Gerichts lautete: eine achtwöchige Sperrung der Hebelstraße wegen des Austausches eines Balkens und des Ersetzens von zwei Dachziegeln. Für viele Anwohner war dies mit viel Ärger verbunden. Unzumutbar war auch, dass etliche Hausener große Umwege in Kauf nehmen mussten. Doch einen positiven Punkt konnte Richter Michi Brugger der Sache abgewinnen: Während der Dauer der Sperrung sind in Hausen die CO2-Werte merklich gesunken. Ihr Verteidiger, kein Geringerer als Staranwalt Rudolf Philipp, Ex-Hürus und FGZ-Präsident i. R. aus der Narrenhochburg Zell, argumentierte mit der Sorge um die Sicherheit, um die es seiner Mandantin bei der Durchführung ihres Vorhabens gegangen sei. Ein zusätzlich geplanter Festraum für die Narrenzunft in ihrem Anwesen habe sich, angesichts der vom Gericht erhobenen Vorwürfe gegen seine Mandantin, nunmehr erledigt. Ein Vertreter der Nebenklage meldete gar ein „schweres Baustellen-Trauma“ seines Mandanten an.

Ebenfalls schweres Geschütz in Form einer geharnischten Anklage fuhr das närrische Gericht gegen Martina „Tina“ Kallfass, Chronistin und Schreiberling der Narrenzunft Hausen, auf. Ihr wurden mehrfach irreführende Terminangaben sowie fälschlich angegebene Daten und dazu auch versehentlich versandte Unterlagen und Einladungen zur Last gelegt. Ungläubiges Staunen und Verwirrungen habe sie damit nicht nur bei den Empfängern ausgelöst, sondern auch die Mitglieder ihrer Zunft über den Beginn des Zeller „Ölfden Ölfden“ völlig irritiert. Auch sie hatte mit Edi Steinhard von Bambärch einen gewieften und erfahrenen Verteidiger an ihrer Seite, der sie wortgewandt gegen die Anschuldigungen des Gerichts in Schutz nahm.

Ebenfalls zur Hilfe kamen ihr Ehren-Oberzunftmeister und Weizenkönig Mario Brugger sowie Joe Keller, Vorsitzender der Narrenzunft Hausen, die eine Teilschuld auf sich nahmen.

Auch Hausens Burgi Martin Bühler sprang der Beschuldigten mit der Feststellung zur Seite, „es isch e egal, was gschriebe würd, die fange sowieso immer zu veschiedene Zitte a“.

Der dritte Angeklagte, Oberzunftmeister Björn „Joe“ Keller, hätte gar keinen Anwalt gebraucht, da er sich ebenso wortreich wie ausgiebig selbst gegen den Vorwurf der „Verballhornung“ verteidigte und seinem Anwalt Tuco Benedicto Razifico Runa Ramirez lediglich eine Statistenrolle zuwies. „Es isch nicht leicht, de Joe do use z´hole“, stellte sein Verteidiger resignierend fest.

Die Urteile: Waltraud Eichin wurde dazu verdonnerst, in der Hebelstraße ein Straßenfescht auszurichten. Martina „Tina“ Kallfass muss eine Hausdurchsuchung mit anschließender Bewirtung über sich ergehen lassen.

Joe Keller organisiert für das Hohe Gericht auf seine Kosten einen Besuch im Narren-Museum in Kenzingen mit anschließender Bewirtung in einem Biergarten.

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