Hausen (sat). Die Wahl des neuen Gemeinderats liegt gerade mal gute drei Monate zurück - und schon tritt einer der Gewählten wieder zurück: Elmar Vogt, SPD-Fraktionssprecher und seit 15 Jahren im Gemeinderat Hausen, hat gestern in einem Brief an die Verwaltung darum gebeten, ihn zum nächstmöglichen Zeitpunkt von seinem Gemeinderatsmandat zu entbinden.

1616 Stimmen hatte Elmar Vogt bei der Gemeinderatswahl am 25. Mai für die SPD eingefahren und war damit mit großem Abstand zu den anderen Kandidaten Stimmenkönig geworden. Gerade einmal zwei Sitzungen hat der neue Gemeinderat seither abgehalten - die neuen Räte waren am 15. Juli verpflichtet worden - und dennoch möchte Elmar Vogt nicht länger am Ratstisch sitzen. Der Platz wird nun frei für den SPD-Kandidaten Renzo Clissa, der bei der Gemeinderatswahl 313 Stimmen bekommen hat.

„Aus beruflichen Gründen ist es mir nicht mehr möglich, mein Gemeinderatsmandat so auszuüben, wie es die derzeitige Fassung vorsieht“, so Vogt gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Seine geänderten Arbeitszeiten und Berufsanforderungen würden es fortan unmöglich machen, die Tätigkeit als Gemeinderat weiterhin auszuführen. Elmar Vogt arbeitet bei der Deutschen Bank in Freiburg.

Erschwerend hinzu komme, dass sich die Situation im Gemeinderat und in Zusammenarbeit mit der Verwaltung in letzter Zeit deutlich zugespitzt habe. „Jeder kann seine eigene Meinung vertreten, aber die Art und Weise, wie diese vertreten wird, ist für mich nicht länger tragbar“, sagte Vogt.

Tatsächlich waren die vergangenen Gemeinderatssitzungen im Hebeldorf geprägt von hitzigen Diskussionen und gegenseitigen Vorwürfen besonders zwischen Bürgermeister Martin Bühler und dem SPD-Fraktionssprecher. „Stümperei“ hatte Vogt dem Bürgermeister im Umgang mit der Verunreinigung im Quellwasser Hausens vorgeworfen (wir berichteten). „Das ist das Schlimmste, was mir in meiner Amtszeit als Bürgermeister je passiert ist“, hatte Bühler daraufhin gesagt. Auch als Vogts Vorwurf an die Verwaltung, in diesem Fall nicht schnell genug reagiert zu haben, geklärt zu sein schien, kochten die Emotionen erneut hoch: Hausens Trinkwasser wurde zwar untersucht, doch hatte die Verwaltung den detaillierten Untersuchungsbericht nicht veröffentlicht, weshalb Vogt von „Geheimniskrämerei“ sprach.

„Wie die Verwaltung teils handelt, kann ich nicht länger mit mir vereinbaren“, so Elmar Vogt, der zudem unglücklich über die Entwicklung des Sutter-Areals sei. Er gesteht, dass er schon seit eineinhalb Jahren darüber nachdenke, seinen Platz am Ratstisch zu räumen. „Ich habe die Arbeit im Gemeinderat 15 Jahre gerne gemacht, aber jetzt macht es keine Freude, sondern nur noch Ärger“, sagte Vogt, der dennoch betonte, dass die beruflichen Gründe Hauptfaktor für seine Entscheidung seien: „Ich habe meine Entscheidung sorgfältig abgewogen und bitte um Verständnis.“

Elmar Vogt ist seit 1999 Mitglied im Gemeinderat Hausen mit den Schwerpunkten Finanzen und Verwaltung sowie Kultur. Seit 2004 ist er SPD-Fraktionsvorsitzender; von 2004 bis Juli 2014 war er zudem Bürgermeisterstellvertreter. 2007 war Elmar Vogt gegen Martin Bühler bei der Bürgermeisterwahl angetreten. Sein Vater, Karl Heinz Vogt, war von 1975 bis 1999 Bürgermeister im Hebeldorf.

Bürgermeister Bühler war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Einige von Vogts SPD-Kollegen aus dem Gemeinderat sagten gegenüber unserer Zeitung, dass sie im Vorhinein nicht über den geplanten Rücktritt informiert wurden.