Hausen im Wiesental Hebelfest soll Kulturerbe werden

Peter Schwendele

Ehre, wem Ehre gebührt: Das Hausener Hebelfest soll Bestandteil des Immateriellen Kulturerbes der Unesco werden. Die Gemeinde Hausen hat dieser Tage die Bewerbung für die Aufnahme der seit dem Jahr 1861 stattfindenden Festlichkeit beim Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg eingereicht.

Von Peter Schwendele

Hausen. „Wir gehen davon aus, dass wir realistische Chancen haben, aufgenommen zu werden“, meinte am Donnerstag bei einem Pressegespräch Wernfried Hübschmann, der federführend an der Erstellung der Bewerbung beteiligt war. Deren Kern beziehe sich auf die Praxis des Hebelfests als „einzigartiges sozio-kulturelles Ereignis“, das weit über die Gemeinde Hausen und sogar über die deutschen Landesgrenzen hinaus in die Schweiz, ins Elsass oder nach Österreich ausstrahle. Das alljährlich an Johann Peter Hebels Geburtstag am 10. Mai stattfindende Fest verknüpfe das soziale Leben mit dem Erbe des 1760 in Basel geborenen Dichters und Humanisten, der laut Hübschmann einer der aufgeklärtesten Köpfe seiner Zeit war.

In ganz Europa nichts Vergleichbares gefunden

Bürgermeister Martin Bühler, dem schon vor einigen Jahren nach dem Hören eines Radioberichts die Idee kam, das Hebelfest zum Unesco-Kulturerbe zu machen, bekräftigte: „Das Hebelfest ist etwas Außergewöhnliches und natürlich viel mehr als ein Dorffest.“ Man habe recherchiert und in ganz Europa nichts Vergleichbares gefunden. Das Hebelfest, bei dem vom Kindergartenkind bis zum Senioren die ganze Bevölkerung des Dorfs teilnimmt, verbinde die Generationen.

Ausgangspunkt für das Hebelfest war das Ansinnen des Dichters, den ältesten Bürgern des Hebeldorfs, den „Alten Mannen“, jeden Sonntag ein Essen und einen Schoppen zu spendieren. Daraus entwickelte sich die Tradition des „Hebelmähli“, das, wie Elmar Vogt, der ebenfalls an der Erstellung der Bewerbung beteiligt war, betonte, von Beginn an bis in die heutige Zeit den eigentlichen Kern des Hebelfests darstellt. Um diese 150 Jahre alte Tradition hätten sich dann immer wieder Neuerungen und Veränderungen ergeben. Zu den im Lauf der Jahrzehnte eingeführten Komponenten gehören unter anderem die Verleihung des Hebelpreises und der Hebelplakette.

Dass das Hebelfest bei aller Traditionsverbundenheit eine Entwicklung durchgemacht hat, bestätigte auch Bernhard Greiner, der das Trio der Hebelexperten, die die Bewerbung erstellt haben, vervollständigt. Greiner hat das Hebelfest schon in den 1950er Jahren als Kind erlebt und dokumentiert seit 1990 jedes Hebelfest filmisch. Zu der Unesco-Bewerbung hat er aus seinem umfassenden Filmfundus einen zehnminütigen Beitrag beigesteuert. „Das Hebelfest hat mich mein ganzes Leben lang begleitet“, berichtete Greiner, „und ich muss sagen, es ist immer bunter geworden.“ In früheren Zeiten hätten sich beispielsweise nur die besser situierten Familien Hanseli- und Vreneli-Kostüme für die Kinder leisten können, erinnert sich Bernhard Greiner.

Bühler: „Dieses Fest wird unglaublich stark gelebt“

„Heute können wir jedes Kind ausstatten“, meinte Bürgermeister Martin Bühler dazu und betonte: „Dieses Fest wird unglaublich stark gelebt.“ Er sei als Bürgermeister sehr stolz auf seine Gemeinde, die die Tradition, deren Erstimpuls aus der Basler Bürgerschaft um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam, seit so langer Zeit aufrecht erhalte. Bühler sieht denn auch kommende Generationen in der Pflicht, das Fest zu erhalten.

Bei der Vorstellung der Bewerbung am Donnerstag im Rathaus machten die Protagonisten deutlich, dass gerade in der heutigen Zeit ein Bezug auf Hebel und eine Bewusstmachung von dessen Geisteshaltung, die auch beim Hebelfest mitschwingt, mehr als lohnenswert ist. „Es geht auch um den geistigen Kern von Hebels Werk – und der ist geprägt von Menschenliebe“, sagte Wernfried Hübschmann. Hebel sei stets ein vermittelnder, kein spaltender Mensch gewesen und „diesen weltoffenen, aufgeklärten Geist brauchen wir heute mehr denn je“, betonte Hübschmann. Dieser humanistisch-weltoffene politische Aspekt im Werk und im Wirken Hebels verbinde sich in Hausen aufs Schönste mit einem volkstümlichen, bodenständigen Fest.

Ob dies an den entscheidenden Stellen für die Aufnahme ins Immaterielle Kulturerbe der Unesco genauso gesehen und bewertet wird, wird sich abschließend wohl erst im Jahr 2023 zeigen. Der Antrag aus Hausen liegt jetzt zunächst einmal zusammen mit 30 bis 40 weiteren in Stuttgart, wo eine Fachkommission des Landes bis April 2022 vier Bewerbungen auswählen wird, die im Anschluss nach Berlin weitergereicht werden. Dort werden dann die Vorschläge aus allen Bundesländern gebündelt und an die Unesco weitergereicht.

Die Unesco-Generalkonferenz hat das Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes im Jahr 2003 verabschiedet. Deutschland, als einer von 180 Vertragsstaaten, ist dem Übereinkommen 2013 beigetreten.

Das Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes betont den besonderen Charakter Immateriellen Kulturerbes: Es ist lebendig und an Menschen gebunden, die es ausüben und kreativ weiterentwickeln. Immaterielles Kulturerbe ist damit dynamisch und unterliegt gesellschaftlichen Transformationsprozessen. Ausschlaggebend für die Erhaltung Immateriellen Kulturerbes ist, dass Menschen ihre Traditionen und Werte, ihr Wissen und Können von Generation zu Generation aktiv weitergeben.

Im Verzeichnis Deutschlands sind derzeit 126 lebendige Kulturformen sowie Modellprogramme der Erhaltung Immateriellen Kulturerbes eingetragen.

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