Hausen. Bei der jüngsten Autorenlesung der Muettersproch-Gsellschaft im Hebelhaus erfuhren die zahlreichen Zuhörer, dass es im Elsass noch schwieriger als hierzulande ist, den Dialekt am Leben zu halten. Die Besucher trafen auf einen Lehrer, Dichter und Übersetzer, der den Kampf gegen das Vergessen auf seine Fahnen geschrieben hat.

Yves Bisch aus Sierenz (zwischen St. Louis und Mülhausen gelegen) legte in eindrücklicher Weise dar, was er und andere Mitstreiter unternehmen, um Menschen aller Generationen die Bedeutung der Muttersprache nahe zu bringen. Viele Eltern hätten noch nicht verstanden, wie wichtig es ist, dem Nachwuchs den Dialekt schmackhaft zu machen, was später das Erlernen von Fremdsprachen erleichtern könnte, hieß es an dem Abend.

Yves Bisch, Jahrgang 1945, zeigte anhand seines Lebenslaufs, dass er zuhause zunächst nur elsässisch gesprochen und erst in der „Bubeleschuel“, dem Kindergarten, Französisch gelernt habe. In der Schule war dann immer nur Französisch erlaubt, im Gymnasium kamen Fremdsprachen dazu, und selbst als er Lehrer wurde, durfte er offiziell mit seinen Schülern keinen Dialekt sprechen. Natürlich ließ Bisch sich das nicht verbieten, und so flossen immer wieder elsässische Ausdrücke in den Unterricht ein.

Yves Bisch nannte Beispiele, wie das Elsässische gefördert werden könnte: mit Mundarttheater, Zeitungsartikeln, in denen Mundartausdrücke erklärt werden, Zusatzunterricht in Elsässisch in allen Altersstufen, einer Sprach-CD fürs Krankenkhaus, damit die Pfleger ihre betagten Patienten verstehen lernen.

Miss France bedankt sich in Mundart für die Wahl

Bisch regte Adventskalender mit elsässischen Ausdrücken an und die Übersetzung beliebter Kinderbücher wie „D`r elsässisch Max und Moritz“, „Dr elsässisch Struwwelpeter“ sowie Tafeln mit Mundarttexten entlang von Wanderwegen wie dem Dreyland-Dichterweg vom Rheinpark in Weil am Rhein über die Dreiländerbrücke nach Huningue und zur Dreirosenbrücke in Basel. Bisch berichtete auch von der großen Diskussion in Frankreich, als 2012 Miss France, die aus einem kleinen elsässischen Dorf stammte, sich in ihrer Mundart für die Wahl bedankte.

Allerdings gab Bisch nur einige Kostproben aus seinen umfangreichen Werken, aber in einigen Beispielen blitzte das große sprachliche Vermögen des Kämpfers für den Dialekt hervor, heißt es in einer Pressemitteilung zu der Veranstaltung. Mit wenigen Hilfsverben legte er die ganze Bandbreite der menschlichen Überlegungen offen, welche die Zuhörer rasch zum Nachdenken brachten: „Wott i? Sott i? Chann i? Darf i? Muess i? Will i? Wott i nit? Sott i nit? Chann i nit? Darf i nit? Muess i nit? Will i nit? Muesch numme welle, no chasch.“

Die Vorsitzende der Muettersproch Gesllschaft, Heidi Zöllner, dankte dem Gast aus Frankreich und wies noch einmal auf die Unterschriftaktion der Muettersproch- Gsellschaft an den SWR zur Erhaltung der Dialektsendungen im Rundfunk hin.