Hausen im Wiesental Kein Abwimmeln neuer Patienten

Neue Wege gehen die Dres. Manfred Sprich, der in den Ruhestand wechselt (Mitte) sowie Julian Lambert, neuer Praxispartner (links), und Michael Gürtler, die mit zwei weiteren Ärztinnen eine neue Praxisform in Schopfheim aufziehen werden. Foto: Hans-Jürgen Hege

Hausen / Schopfheim - Am 30. Juni ist „Schicht im Schacht“:  Manfred Sprich, nach seiner 15-jährigen „klinischen Zeit“ in Lörrach und Bad Säckingen und nach vierjährigem Einsatz in der Zeller Praxis von Andreas Koch seit 2002 als „Facharzt für Innere Medizin mit hausärztlicher Tätigkeit“ im Hebeldorf zusammen mit Michael Gürtler aktiv, macht nach 38 Dienstjahren – davon 22 Jahre als niedergelassener Arzt - Feierabend.

Manfred Sprich geht in den Ruhestand, will Reisen, E-Bike fahren, wandern, einfach die neue und ungewohnte Freiheit genießen. Er gibt gerne zu, dass er sich darauf riesig freut. „Ich gehe mit zwei lachenden Augen“, sagt er.

Nachfolger ist gefunden

Schließlich haben sich seine großen Sorgen um das Wohl der Patienten und um die Zukunft der Praxis als unbegründet erwiesen: Er hat einen Nachfolger gefunden. Der 37-jährige Julian Lambert wechselte bereits vor zwei Jahren vom Kreiskrankenhaus Schopfheim, wo er als Assistenzarzt von Chefarzt Michael Maraun arbeitete, ins Hebeldorf und wird dort ab 1. Juli Partner von Michael Gürtler.

Und auch dieser Arzt strahlt. Ihm fällt nämlich ein Stein vom Herzen. Denn ihm war und ist klar: „Wenn wir die Nachfolgefrage nicht hätten klären können, hätten wir die Praxis komplett schließen müssen.“

Aus dem Duo wird ein Quartett

Mit sicherlich unangenehmen oder gar katastrophalen Folgen nicht nur für immerhin sechs Arzthelferinnen und eine Auszubildende, sondern vor allem auch für rund 3000 Patienten, die von Michael Gürtler und Manfred Sprich pro Quartal bis dato betreut wurden und die Julian Lambert während seiner zweijährigen Einarbeitungszeit als Weiterbildungsassistent kennenlernen konnte.

 Nach dem Wechsel geht es ab dem neuen Quartal  auf zu neuen Ufern. Aus dem Ärzte-Duo Gürtler / Lambert wird ein Quartett. Denn der „Neue“, der sich seit 2018 als Einsatz-Notarzt in Rheinfelden, Lörrach und Schopfheim engagiert und das auch in Zukunft zu tun gedenkt, bringt gleich zwei seiner Bekannten und damit zwei weitere Ärztinnen mit ins Boot: Michaela Kaiser (38, Spezialgebiet Chirurgie) und Zöhre Wahbi, eine 43-Jährige, deren Schwerpunkt die Diabetologie ist und die sich wie ihre Kollegin zur Allgemeinmedizinerin ausbilden lässt.

Ein junges Trio startet also zusammen mit dem „alten Hasen“ Michael Gürtler durch. Erfreulich dabei ist die positive Nebenwirkung, die die personelle Verstärkung mit sich bringt: Neue Patienten werden nicht abgewimmelt, sondern sind – im Gegensatz zum eigentlichen Trend – „willkommen“. Das Team arbeitet im Schichtbetrieb,  Sprechzeiten werden täglich von 8 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr und Freitag bis 13 Uhr angeboten.

Lehrpraxis der Uni Freiburg

Aber es geht noch weiter: Die derzeitigen Räumlichkeiten in Hausen sind zu klein. Ein Umzug steht an. Und das dürfte manch einem der Hausener Patienten etwas sauer aufstoßen. Denn obwohl die Gürtler-Praxis nach wie vor als „akademische Lehrpraxis der Uni Freiburg“ wertvolle Dienste zur Ausbildung der Medizinstudenten leistet, darf sie nicht auf Fördermittel der Kassenärztlichen Vereinigung hoffen. „Hausen“ ist aus den Richtlinien ausdrücklich ausgenommen.

„Im Umfeld gibt es lediglich Zuschüsse für Projekte in Schopfheim oder Zell“, bedauert Michael Gürtler, der trotz seiner Verbundenheit zum Hebeldorf auch als ehemaliger Gemeinderat in den sauren Apfel beißen und seine Fühler nach einem anderen Domizil außerhalb ausstrecken musste.

Neues Domizil in der Roggenbachstraße

Nachdem Zell wegen fehlender Räume ausschied und Hausen mangels Fördermitteln trotz der Bemühungen der Gemeindeverwaltung nicht in Frage kam, wurde man in der Roggenbachstraße in Schopfheim fündig. Dort werden aus den für zwei Ärzte konzipierten 120 Quadratmetern Praxisfläche stattliche 260, die bereits Anfang 2021 bezogen werden können.

„Die sind auch für unsere jetzigen Patienten in einer noch akzeptablen Entfernung“, glauben Michael Gürtler und Julian Lambert und sind sicher, dass sie spätestens dann in neuen Räumen ihr neues Konzept einer zukunftsorientierten Arztpraxis – zunächst parallel zur Praxis an alter Wirkungsstätte – realisieren können.

Die Weichen dazu sind gestellt, auch in Bezug auf die Digitalisierung, die das Praxis- und Terminmanagement schon jetzt spürbar umkrempelt.

Lesen Sie das ePaper bis zum Jahresende für nur 39 Euro! Jetzt HIER anfordern.

  • Bewertung
    0

Umfrage

Peter Altmaier

Angesichts zunehmender Coronavirus-Neuinfektionen plädiert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für härtere Strafen bei Verstößen gegen die Corona-Regeln. „Wer andere absichtlich gefährdet, muss damit rechnen, dass dies für ihn gravierende Folgen hat“, sagte Altmaier der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Teilen Sie seine Ansicht?

Ergebnis anzeigen
loading