Hausen im Wiesental Kritzeleien der Kalkanten

Hausen - Nicht unentdeckt bleibt für Besucher die Orgelrenovierung. Die auf maximal 30 Personen reduzierten Gottesdienste fanden schließlich unter musikalischer Begleitung am Keyboard statt.

Die Orgel mit dem neugotischen Gehäuse  wird derzeit auf Herz und Nieren geprüft, das Innere wird in alle Einzelteile zerlegt, sortiert,  kritisch inspiziert, zumindest blank geputzt und bei Bedarf auch repariert oder erneuert.

Für die Orgelbauer der Firma Karl Göckel aus Heidelberg wartete ab Anfang Oktober eine Menge Arbeit auf der Kirchenempore. Die mittlerweile 118 Jahre alte denkmalgeschützte Orgel  ist in die Jahre gekommen, und nicht nur die Organisten unter Leitung von Kantor Andreas Mölder freuen sich über ein künftig strahlendes Aussehen und einen neu gestimmten und präzise intonierten Klang. Die Herzstücke der Orgel, das vordere Hauptwerk, das zweite Manual und das Fußspiel, müssen überarbeitet werden. Insgesamt 722 Orgelpfeifen und 25 Pedaltasten der historischen Kegellade-Orgel warten auf die Frischekur, tausende Muttern, Stifte und Holzteile müssen  unter die Lupe genommen werden. Verunreinigungen, Schimmel, Staub und Feuchtigkeit  haben der Orgel seit ihrer letzten Inspektion im Jahr 1992 zugesetzt, auch der Holzwurm hat es sich im weichen Fichten- und Tannenholz der Königin der Instrumente gemütlich gemacht. 

Historische Hinterlassenschaften

Mit Hilfe des ehemaligen  Kirchenmesners Alfred Schmidhofer und Michael Mertens konnten einige Daten zur Historie der Orgel aus dem Kirchenarchiv festgestellt werden. Nachdem der Kirchenneubau St. Josef  im Jahr 1895 fertig gestellt war, sah sich die Kirchengemeinde nach einer Orgel um und wurde in der Orgelbauwerkstatt Xaver Mönch in Überlingen fündig.

Das ausgesuchte Instrument war ursprünglich nicht direkt für die Hausener Gemeinde vorgesehen. Sie stand bereits längere Zeit im Montagesaal der Werkstatt, gebaut wurde sie wohl im Jahr 1899. An Allerheiligen 1902 wurde das Instrument in der Hausener Kirche  eingeweiht, damals noch mit neun Registern.  In den 1960er Jahren erfolgte ein Umbau zu zwölf Registern, verteilt auf zwei Manuale und ein Pedal.

Im Untergehäuse ist ein Magazinbalg untergebracht, der bei der Erbauung der Orgel noch eine mechanische Tretvorrichtung besaß. Ein Motor wurde spätestens in den 1930er Jahren eingebaut. Eine historische Hinterlassenschaft ist an der westlichen  „Kalkanten“-Seite der Orgel erkennbar. Ministranten, die früher als „Kalkanten“ eingesetzt waren und den Blasebalg treten mussten,  schrieben dort mit Bleistift  ihren Namen in die Holzverkleidung.

Auch finden sich dort kleine Zeichnungen und Kritzeleien, die von den Ministranten  hinterlassen wurden.  So sind noch die Namen von Lothar Kaiser und Willi Greiner erkennbar, auch ein Gerhard  und ein Josef haben sich dort verewigt.

Orgel wurde um einige Meter verschoben 

Bereits bei ihrer letzten Überholung im Jahr 1992 wurde festgestellt, dass die Orgel eines der seltenen Beispiele der letzten noch gebauten mechanischen Kegelladen ist.  Drei Jahre später entschloss sich die Kirchengemeinde anlässlich ihres Jubiläums zum 100-jährigen Bestehen,   den Innenraum komplett neu zu renovieren. Die günstige Gelegenheit nutzte man, um die Orgel einige Meter weiter in westliche Richtung zu „verschieben“.

1995 war der Gemeinde wichtig, dass das bisher verdeckte prächtige Kirchenfenster wieder sichtbar gemacht wurde. Die „Verschiebung“ der Orgel erwies sich auch für den Kirchenchor  als vorteilhaft, da nun Platz geschaffen wurde, so dass der Chor nicht mehr zweigeteilt  singen musste. 

Wiedereinweihung der Orgel entfällt

Aus bekannten Gründen wird es nach der Renovierung der Orgel  vorerst kein Einweihungsfest geben. Eine Abnahme der Instandsetzungsarbeiten  der Orgel wird nach Abschluss der Arbeiten vom erzbischöflichen Orgelsachverständigen Professor Bernhard Marx vorgenommen.

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