Hausen im Wiesental Manche helfen auch ohne Lohn

Die Genossenschaftsleitung besteht aus: (vorne sitzend von links) Rolf Vollmer (Aufsichtsratsvorsitzender), Dieter Miss (ausscheidender Vorstand), Aufsichtsrätin Marion Brendlin und hinten von links: Ernst-Frieder Brombacher, Remko Brouwer, Erika Bechtel, Gabi Beha, Anita Sturm, Johanna Ehrmann und Birk Bürger (alles Aufsichtsräte). Foto: Gudrun Gehr

Kleines Wiesental-Wies - Der Vorsitzende der „Milchhüsli Wies eG“, Rolf Vollmer, freute sich über die große Anzahl der Genossenschaftsmitglieder, die zum Jahresrückblick im Dorfgemeinschaftshaus erschienen waren. Etwa 50 der 180 Genossen hatten sich eingefunden. Der Tag der Hauptversammlung war ein wichtiges Datum: Auf den Tag genau vor zehn Jahren eröffnete der Dorfladen als genossenschaftliches Engagement des kleinen Dorfes Wies. Die Einkaufs- und Kommunikationsmöglichkeit im Nahbereich hatte sich als Erfolgsstory entwickelt.

Aufsichtsratvorsitzender Rolf Vollmer berichtete über die Satzungsänderung des vergangenen Jahres, die eine Reduzierung des Vorstands-Trios auf zwei Vorstände ermöglichte. Grund für die Änderung ist der Wunsch von Vorstand Dieter Miss, Mitbegründer des Dorfladens und genossenschaftliches „Urgestein“, nach zwölf Jahren aus seinem Amt auszuscheiden.

Vollmer bedankte sich bei Dieter Miss: „Wir wissen nicht, ob wir ohne dein Know-how so weit gekommen wären.“ Und er appellierte an alle: „Jeder, der sich berufen fühlt, bei uns im Vorstand einzusteigen, ist herzlich willkommen.“

Rolf Vollmer erinnerte bei der Totenehrung an die 15 verstorbenen genossenschaftlichen Mitglieder. Er berichtete von großen Personalschwierigkeiten infolge längerer Erkrankung und Ausscheidens von Bediensteten. Sein Dank ging an alle Ehrenamtlichen und an das Kernteam des Dorfladens, aber auch an die Kundschaft.

Bericht vom Aufsichtsrat

Der Personalengpass konnte im vergangenen Jahr nur durch die Reduzierung der Öffnungszeiten aufgefangen werden. Außer am Freitag ist der Laden jeweils nur noch morgens geöffnet. Die Brutto-Umsätze sanken im vergangenen Jahr auf 239 000 Euro (Vorjahr 276 000 Euro), was einen Umsatzrückgang von 14 Prozent darstellt.

Allerdings konnten durch die Kürzung der Öffnungszeiten auch Lohnkosten eingespart werden. Ebenfalls wurden die Preise moderat erhöht. Auch stellten sich einige Freiwillige aus dem Dorf für Arbeiten im Laden unentgeltlich zur Verfügung. Ein Wieser habe geäußert: „Ich sehe, wie schwierig die Situation im Laden ist, deshalb helfe ich auch ohne Lohn.“ Trotz den Problemen steht der Dorfladen ohne Schulden da und hat keinen Liquiditätsengpass.

Bericht des Vorstands

Vollmer appellierte dennoch an alle: „Spenden sind uns herzlich willkommen.“ Entgegen allen Widrigkeiten war es möglich, mit einem zu verschmerzenden Minus von zirka 3 000 Euro die Bilanz abzuschließen. Rolf Vollmer atmete auf: „Wir sind noch glimpflich davongekommen, aber dies soll für uns ein Warnsignal sein.“

Dieter Miss absolvierte seine letzte Hauptversammlung. Mit gemischten Gefühlen meinte er: „Hurra, wir leben noch.“

Und weiter: „Dass wir die zehn Jahre überlebt haben, hätte keiner gedacht.“ Sein Rückblick galt den vergangenen 3 000 Tagen, an welchen der Dorfladen als Zentrum des sozialen Miteinanders geöffnet war.

Für einen „Dankeschön-Lohn“ wurden von vielen Mitarbeitern 52 000 Stunden Arbeit verrichtet. Diese wurden von Ehrenamtlichen mit weiteren 26 500 Stunden unterstützt. Dieter Miss fasste zusammen: „Menschen dienten Menschen.“

In diesen fast 80 000 Stunden Arbeit wurden 2,6 Millionen Artikel verkauft und 2,7 Millionen Euro Bruttoumsatz erzielt. Innerhalb dieser zehn Jahre arbeiteten 32 Helfer im Dorfladen.

Miss fasste zusammen: „Seitdem der Laden existiert, weiß man, dass der Nachbar noch lebt.“ Helmut Grether bedauerte: „Die Alten tragen die Arbeit, und können bald nicht mehr. Und die Jungen haben andere Interessen.“

Ausblick

Weitere Diskussionen nahmen Vorschläge der Mitglieder ein, die Personalmisere zu beheben. Angeregt wurden Lohnerhöhungen des Personals, Sortimentsreduzierung, neue Shop-in-Shop-Konzepte oder die Erstellung eines Flyers für Touristen. Auch wurde überlegt, durch „Klinkenputzen“ Dorfbewohner des Kleinen Wiesentals auf ihre Bereitschaft zur Mithilfe anzusprechen.

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