Hausen im Wiesental „Mein Naturell ist, mich einzubringen“

Hat sich um Johann Peter Hebel verdient gemacht: Dominik Wunderlin, der neue Hebel-Plakettenträger.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  Foto: zVg

Dominik Wunderlin, Vizedirektor a.D. des Museums der Kulturen in Basel, erhält am Samstag in Hausen für sein vielfältiges Engagement die Hebel-Gedenkplakette.

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Von Jürgen Scharf

Hausen. Wunderlin ist Mitbegründer des literarischen Hebel-Spaziergangs durch die Basler Altstadt und hat das Motto „Mit em Hebel uf d Gass“ geprägt. Zusammen mit Pfarrer Hans-Jürgen Schmidt vom Hebelbund Lörrach hat er den Hebel-Wanderweg, der von der Quelle am Feldberg bis zur Basler Schifflände führt, ausgearbeitet und für die Info-Tafeln auf Schweizer Seite die entsprechenden Texte und Illustrationen gestaltet.

Die Rede ist vom Kulturwissenschaftler Dominik Wunderlin, Jahrgang 1953, in Liestal geboren und in Basel wohnhaft. Nicht nur als Wander- und Exkursionsleiter ist er viel unterwegs; überhaupt reist er gern, besucht andere Länder und Städte, betritt mit Vorliebe Kirchen und Museen. Hauptsächlich publiziert und forscht er zu Brauchtum und Regionalgeschichte. Mit einer großen Ausstellung über das Pilgerwesen erwies er sich als kenntnisreich in der Pilgerkultur.

Nicht zuletzt ist Wunderlin ein leidenschaftlicher Museumsmann, der 30 Jahre am Basler Münsterplatz als langjähriger Europa-Kurator und Vizedirektor des Museums der Kulturen tätig war und sich noch immer auf der Ebene von regionalen und lokalen Museen bewegt, mit einer engen Beziehung zum Lörracher Dreiländermuseum.

„Hebel lesen tut immer gut“

Man muss sich bei Dominik Wunderlin einen Menschen mit kulturhistorischem Hintergrund und mit vielfältigen Interessen und Aktivitäten vorstellen.

Fünfzehn Jahre wirkte er im Präsidium des Lörracher Hebelbundes, zum Schluss als Vizepräsident, und war bis 2020 Stiftungsrat der Basler Hebelstiftung („der ältesten Organisation im ganzen Hebel-Kuchen“), die in enger Verbindung zu Hausen steht. Insbesondere hat er sich dem Austausch zwischen der Lörracher und der Basler Institution in Sachen Hebel angenommen.

Mein Naturell ist, mich einzubringen“, sagt der designierte Hebelplakettenträger. Sein Einsatz für Johann Peter Hebel ist bemerkenswert. Nicht nur Vorträge über Hebel hat er gehalten und auch eine Hebel-Briefmarke für die Schweizer Post initiiert („eines meiner Highlights“), sondern Aufsätze über den Dichter veröffentlicht und seinerzeit mit Hans-Jürgen Schmidt im Hebelbund die Jahresschrift redigiert.

So ganz hat sich der 67-Jährige aber nicht aus dem offiziellen Hebel-Geschehen zurückgezogen. Noch immer engagiert er sich in dem seit elf Jahren existierenden kleinen Verein „250 Jahre Johann Peter Hebel“, dessen Mitbegründer und Vizepräsident er ist, und der jeweils im Spätsommer außerhalb Basels eine literarische Wanderung, „gemütliche Hebel-Nachmittage“ mit Rezitationen von Gedichten und Geschichten Hebels anbietet.

Sinn und Zweck der Vereinsgründung war es im großen Hebeljahr 2010, in der Geburtsstadt des alemannischen Dichters Aktivitäten zu entwickeln, die vom offiziellen Basel nicht geleistet wurden.

Hebel wird nach wie vor hoch gehalten

Das erweiterte Hebelverständnis des Kulturwissenschaftlers führt konsequenterweise weit über Basel hinaus und bezieht das ganze Oberrheingebiet mit ein. Wunderlin hat Hebel als Brückenbauer verinnerlicht, den „gemeinsamen“ Hebel, und pflegt bis heute den Kontakt über Landesgrenzen. So interpretiert der Schweizer Hebelfreund die Verleihung der Gedenkplakette nicht nur als sichtbares Zeichen für seine Aktivitäten in Sachen Hebel, sondern ganz im Hebelschen Sinne als „Blick über den Tellerrand unserer Region zwischen Jura, Schwarzwald und Vogesen“, in der sich Wunderlin wohlfühlt.

Schon in der Jugend hat seine Beziehung zu Hebel begonnen. Wunderlin gehört zur Generation, die in den der 1960er Jahren Johann Peter Hebel noch im Unterricht in der Grundschule kennenlernte. Seither hat bei Wunderlin das Interesse an Kultur, an Menschen, an Sitten und Bräuchen, das ihn zur Kulturforschung brachte, nicht nachgelassen. Interessiert hat er sich vor allem für die europäische Ethnologie und für Humangeografie, in der es um die Gestaltung der Umwelt geht.

Als Redakteur der „Baselbieter Heimatblätter“, der einzigen kulturhistorischen Vierteljahreszeitschrift der Nordwestschweiz, sorgt er vornehmlich für die Veröffentlichung von Beiträgen zur Kunst- und Kulturgeschichte, Archäologie, Denkmalpflege und Kulturgeografie.

Als Autor und Publizist befasst er sich mit Alltags- und Festkultur, insbesondere zu Fasnacht und Masken und weihnächtlichen Brauchrequisiten. Weitere Schwerpunkte bilden die populäre Druckgrafik und die Volksfrömmigkeit.

Die alemannische Sprache liegt Wunderlin ebenso sehr am Herzen. Er selber spricht Baselbieterdeutsch in der Liestaler Ausprägung. Seinen Hebel hält er nach wie vor hoch: „Hebel lesen tut immer gut“.

Dessen Texte seien lohnenswert und hilfreich, man könne sich aber oft auch von ihnen unterhalten lassen. Für Dominik Wunderlin ist der alemannische Dichterfürst mit seinen Kurzgeschichten nicht nur ein „Schatzkästlein“, sondern eine wahre Schatzgrube.

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