Hausen im Wiesental Neuausgabe der „Biblischen Geschichten“

Markgräfler Tagblatt, 18.12.2017 22:00 Uhr

Hausen (elv). Für viele Leser von Johann Peter Hebels Werk sind die „Biblischen Geschichten“ eher „unentdecktes Land“. Zurecht schreibt Otto Frommel: „Wer Hebel wirklich kennen will, der kann an seinen ´Biblischen Geschichten` nicht vorübergehen“. Jetzt gibt es eine neue Ausgabe des Verlags Klöpfer & Meyer, denn die zuvor erschienenen Ausgaben, zuletzt 1992 im Manesse Verlag in Zürich, sind vergriffen.

Hebels „Biblische Geschichten“ sind 1823 erstmals in einer Gesamtausgabe erschienen (vordatiert auf das Jahr 1824), blieben zehn Jahre lang amtliches Schulbuch und verschwanden spätestens 1855 wieder aus den Schulen – „auf Betreiben einer pietistisch-frommen Elternschaft, die Hebels Nacherzählungen als zu liberal empfand“, wie Pfarrer Thomas Weiß in seinem Nachwort zur vorliegenden Ausgabe schreibt.

Im Vorwort stellt der Theologe Karl-Josef Kuschel heraus: „Hebel ist eine einzigartige Mischung aus volksnahen und zugleich aufklärerischen Geschichten gelungen, abwechslungsreich zu lesen und kritisch in ihren Pointen.“ Für Goethe trat in den „Biblischen Geschichten“ das zutage, was er als „aufklärerische Vernunftreligion“ bei Hebel erkannte.

Es ging dabei um eine Kinderbibel, die Episoden aus dem Alten und Neuen Testament enthielt. Hebel verwendete 59 Geschichten aus dem Alten Testament und 64 aus dem Neuen Testament. Ihm war vor allem daran gelegen, das Alter der angesprochenen Kinder – es sind die zehn- bis vierzehnjährigen – gebührend zu berücksichtigen. Hebel wählte aus und ließ besonders im Alten Testament alles Grausame und vieles, was nicht zum Erfahrungsbereich der Kinder gehörte, weg.

Als Kuriosum sei erwähnt, dass im Schweizer Kanton Graubünden zwei rätoromanische Fassungen für das Engadin und das Oberland (Vorderrheintal) und eine freie italienische für das Puschlav und das Bergell länger in Gebrauch blieben als ihre Vorlage in Baden. Man glaubt nur allzu leicht, Johann Peter Hebel zu kennen – und doch gilt es, ihn und sein Werk immer wieder neu zu entdecken. Bereits Jean Paul bekannte: „Hebel sei zu lesen, wenn nicht einmal, so doch zehnmal, wie alles Einfache.“

 
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