Hausen im Wiesental „Redende Wappen“

Einen informativen Gruppenabend bei der Muettersproch-Gsellschaft gestalteten Hans Ruf, Gretli Vollmer, Waltraud Vollmer und das Ehepaar Siegfried und Helga Schmieg (von links). Foto: Klaus Brust Foto: Markgräfler Tagblatt

Hausen (cb). Offensichtlich hatte das Vorstandsteam der Muettersproch-Gsellschaft, Gruppe Wiesetal, den richtigen Riecher mit der Idee, den Gruppenabend unter das Motto „Ortsnamen und Wappen im Wiesental“ zu stellen. Vor voll besetztem Haus mit Gästen vom Feldberg bis Maulburg hielt Siegfried Schmieg einen informativen Diavortrag, der manche Überraschungen enthielt.

Ausgehend vom Hebelgedicht „Die Wiese“, aus dem Ehefrau Helga jeweils passende Verse zu den prächtigen Aufnahmen rezitierte, entstand ein Bild von einer gesegneten Landschaft mit zahlreichen geschichtlichen Hinweisen und Empfehlungen, wie man die Heimat noch genauer erforschen kann.

Die Wiesequelle, 1200 Meter hoch gelegen am Feldbergpass, der quirlige Fluss, das Mädchen, Maidli und die Braut, mündet in Basel nach 55 Kilometern in den Bräutigam, den Rhein, und hat mit rund 1000 Meter Gefälle eines der höchsten in Europa.

Auf Wanderungen entlang des Hebelwanderweges und abseits in die angrenzenden Dörfer konzentrierte sich Siegfried Schmieg auf die Entstehung und Bedeutung der Ortsnamen, die manchmal mehrere Auslegungen zulassen. Im oberen Wiesental kommen oft Hämmer und die Farben rot-weiß-rot in den Wappen vor und künden vom Bergbau und der Zugehörigkeit zu Vorderösterreich bis 1806.

Brandenberg dürfte auf Brandrodungen, Schlechtnau auf die Schlehe, den Schwarzdorn, Geschwend auf den verschwundenen Wald zurückzuführen sein. „Redende Wappen“ erläuterte Schmieg am Beispiel Wieden mit dem Weidenzweig und dem Hirsch, ein Hinweis auf die Zugehörigkeit zum Kloster St. Blasien.

Eine Urkunde aus dem Jahr 1113, die die Übergabe der Hälfte des Erbes von Walcho von Waldeck an das Kloster St. Blasien beinhaltet, berichtet von 17 Ortschaften, die in diesem Jahr 900-Jahr-Feiern ausrichteten und von Schönau bis ins Kleine Wiesental reichen.

In den Wappen, etwa von Häg­-Ehrsberg, Atzenbach und Stetten, sind die Ringe mit den Farben gelb-schwarz abzulesen. Die Farben rot-gelb weisen auf die Markgrafschaft Baden hin (etwa Gresgen und Gersbach), der Löwe auf die Herren von Rötteln (Haagen, Röttelnweiler) und der Bär auf das Kloster St. Gallen (Tumringen).

Wenn man sich nicht sorgfältig um die Ableitung der Namen kümmert, können vollkommen falsche Bilder in den Wappen auftauchen. Dies zeigte Schmieg am Beispiel Brombach, das im Wappen einen Brunnen enthält. Eigentlich bedeutet „prampahch“ oder „brame“ Dornstrauch, nicht aber Brunnen, von Born abgeleitet.

Sehr deutlich wurde am Vortragsabend, dass in den Ortsnamen Spuren enthalten sind, die mit Wald, Holz und Wasser Landwirtschaft und Herrschaften widerspiegeln. Mit langanhaltendem Beifall dankten die Zuhörer Siegfried Schmieg für seine umfangreichen Recherchen.

Drei Mundartdichter aus den eigenen Reihen rundeten mit ihren alemannischen Darbietungen den Gruppenabend ab. Waltraud Bühler umschrieb die Schönheit der Heimat und die Faszination des Herbstes. Auf die Unterschiede der Jahreszeit und die Veränderungen im Wiesental ging Hans Ruf ein, während Gretli Vollmer sich dem Begriff Glück widmete.

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