Hausen im Wiesental Sonderstempel eigens bestellt

Ines Bode
Aussagekräftiger Sonderstempel: Anlässlich der 100-Jahr-Feier der Hausener Post erfuhr das Anwesen noch einmal Würdigung. Foto: privat

Im Sommer des Jahres 1882, also vor nahezu 140 Jahren, wurde in der Hebelstraße 16 die erste Post in Hausen eröffnet. Darüber hinaus zierte das Gebäude gar einen Poststempel, konkret einen hübschen Sonderstempel. Dieser wiederum wurde anlässlich der 100-jährigen örtlichen Postgeschichte 1982 kreiert, erinnert Heimatforscher Elmar Vogt.

Von Ines Bode

Hausen. Vogts Abhandlung erschien in der Deutschen Briefmarkenrevue vom November 2021. Er fand heraus, dass die Postgeschäfte vor 140 Jahren dem damaligen Ratsschreiber übertragen worden sind. Die Kunden kamen in sein Wohnhaus und wickelten dort die Vorgänge ab. Den Grund vermutet Vogt darin, dass es im alten Rathaus wohl keine entsprechenden Räumlichkeiten gegeben hat.

In der Anfangszeit war die Poststelle auch für die Orte Raitbach, Sattelhof, Schweigmatt, Glashütten, Schlechtbach und Kürnberg zuständig. Genau einhundert Jahre und einige Fortschritte später – seit 1936 galt etwa die postalische Ortsbezeichnung „Hausen (Wiesental)“ - wurde der alten Poststelle noch einmal Ruhm zuteil. Sie wurde für eine begrenzte Zeit zum Hingucker auf jeder Postsendung, die Hausen verließ. Die 100-Jahr-Feier richtete der 1963 gegründete Briefmarkenring Hausen im Wiesental und Umgebung aus. Das Jubiläum sei mit einer Briefmarkenausstellung Ende Oktober 1982 gekrönt worden, so Vogt.

Der eigens bestellte Sonderstempel zeigt zwei Gebäude: das alte Rathaus in der Hebelstraße (rechts von der evangelischen Kirche) und das Haus von Georg Friedrich Fritz in der Hebelstraße 16 (links von der Kirche). Die Abbildungen der Gebäude ließen sich mit der Frontseite besser im Stempel abbilden als mit der tatsächlichen Perspektive. „Das damalige Rathaus nahm man hinzu, um die politische Gemeinde zu symbolisieren“, weiß Vogt.

Der Entwurf stammte vom Grafiker und langjährigen Gemeinderat Armand Wilhelm Brendlin. In Auftrag gegeben wurde der Sonderstempel bei der Deutschen Bundespost. Das Ganze hatte natürlich seinen Preis – und zwar einen stolzen. 800 Mark fielen an, und getragen wurden die Kosten in den meisten Fällen von den Kommunen.

Sonderstempel waren insbesondere von 1960 bis 1980 in Verbindung mit Briefmarkenausstellungen sehr verbreitet. Gerade Briefmarkensammlervereine haben diese für Wettbewerbsausstellungen und mehr genutzt. Der damals übliche „Ortswerbestempel“ in Hausen, eingeführt 1978, trug indes die vierstellige Postleitzahl und den Hinweis auf das frühere Dorf- und Heimatmuseum - heute Hebelhaus.

Mit der Gemeindereform in Baden-Württemberg in den 1970er Jahren verschwanden viele Ortsnamen aus den Poststempeln, somit eingemeindete Orte und Ortsteile. „Verloren ging ein Stück Heimat“, so Vogt. Auch eine Art Spiel verschwand. Seinerzeit ließ sich nämlich überprüfen, ob der Absender die Karte oder den Brief daheim in den Kasten steckte oder eben anderswo.

Die heutige Deutsche Post AG unterhält statt der ungezählten Postämter kleine Filialen und 82 Briefzentren. Letztere verteilen Brief- und Paketsendungen und verwenden uninteressante Stempel. Mit etwas Glück jedoch erwischte man unter der jüngsten Feiertagspost wenigstens einen Millimeter-Weihnachtsmann.

In Vogts Aufsatz wurde auch eine Kuriosität enthüllt: Im Siegeszug der Briefmarke prägte der Franzose Georges Herpin 1864 das Wort Philatelie - übersetzt „Freund der Gebührenfreiheit“ (philos: Freund/atelia: von Last/Steuer befreit).

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