Hausen im Wiesental Tiefe Einblicke ins Huusemer Rothus

Die Frage, was die Rathäusler eigentlich mit dem Zunftabend zu tun haben, wurde am Samstag zur Genüge geklärt: In jeder zweiten Nummer bekam Burgi Martin Bühler einen Auftritt – sehr zur Freude des Publikums in der rappelvollen Halle.

Von Ines Bode

Hausen. Los ging es jedoch mit der traditionellen Kabbelei mit den Zeller Nachbarn. Hürus Christoph sorgte dafür, dass die Bürokratie ganz offiziell die närrische Zunft erreichte. Hausens Oberzunftmeister Björn Keller erhielt einen XXL-Bogen voller Regeln, zuzüglich Kopie für Zell, zuzüglich Kontrollbogen für Huuse. Denn nicht vergessen war die Schmach vom „Ölfte Ölfte“. Eine Stunde zu früh waren die Zeller zur Mottoverkündung bestellt, folglich stand kein Bier bereit. Im Fokus fand sich weiter Ex-Ozume Mario Brugger, dem die Zeller aus gutem Grund Gedächtnistabletten verabreichten. Selbstredend verstand es Ozume Keller, die Zeller Einlassungen zu kontern, und nach dem süffisanten Schlagabtausch war der Saal aufgewärmt.

Schneewittchen ließ die Zwerge antanzen

Die Temperatur stieg mit knackigen Klängen der Zeller Wildsaumusik und einem Tanz des Narresome. Direkt in den Märchenwald (mit echtem Nadelgewächs und unechtem wie aufwändigem Wiesenrand) führten die Irrlichter. Ein spezielles, sprich maskulines, Schneewittchen ließ die Zwerge antanzen – um alle abzuweisen. Einer kam „ihr“ zu nahe, der nächste schaffe zu viel, ein anderer sei zu sportlich oder habe den falschen Verein.

Herzlich gelacht wurde zudem bei den Gesängen der Schnitzelbänkler Mario und Jörg, zuzüglich Pianistin Brigitte, die wiederum versiert die Hymnen der örtlichen Opernsänger begleiten sollte. Auch Hausens Zeichengenie Jürgen Launer, ohne dessen Karikaturen die Schnitzelbank nur halb so heiter wäre, erhielt die verdiente Anerkennung. Inhaltlich ging es um verpasste Züge, leere E-Roller-Akkus, Weihnachtslieder bei 40 Grad und mehr.

Geradezu gestürmt wurde die Bühne von den Schällewerchern, die Schilder auffuhren, tatsächlich ein „hohes“ Gericht platzierten und sich Gehör verschafften. Für Zündstoff sorgte der bei Nacht und Nebel abgeholzte Brennet-Park. Anders als bei manch kommunalem Projekt gehe es bei ihm eben schnell, ließ der Eigentümer den verzweifelten Richter wissen. Vor dem Kadi fand sich außerdem der Ortschef wieder, der nach einigen Vorwürfen stotterte: „I muess zugeh...“ Am lautesten lachte der Burgi, eingangs mit Orden dekoriert, selber. „Des isch des Beschte“, ergötzte er sich an der Gießkannen-Sequenz: Einer menschlichen Grünpflanze am Rand wurde zwecks Bewässerung kurzerhand die volle Kanne in den Hals geschoben. Ein Brüller.

Täuschend echt trat der Rathauschef (Paraderolle für Michael Hug) bei der Suche der neuen Kulturbeauftragten in Erscheinung. Der Anrufer, um Tipps bemüht, erfuhr: „Es isch erst halber Zehni, de Martin isch no nit do.“ Auch „Tempos“ seien in den Amtsstuben nicht geduldet – der Aufschrift wegen. In Sachen „Termine nächste Woche“ wies „die Andrea“ den Chef hin: „Du bist doch in den Skiferien“. Antwort: „Ja, und?“ Dafür stand sein Kultur-Favorit auf der Matte: de Wopper. Der schraubte gleich an Regeln: Das Hebelfest sei immer am 10. Mai, der Folge-Sonntag werde dementsprechend verlegt. Während das Fax unermüdlich sämtliche Hebelschriften ausspuckte, übermittelt vom örtlichen Hebelkenner zwecks Bildungsstand des Kulturnachfolgers, kreuzte Renzo auf. Ein Mann, ein Redefluss – verstärkt mit temperamentvollen Handgewedel. Ganz neue Spezialitäten biete er an: Pizza! Mit Suppenfleisch drauf ließe sich die ebenfalls neue Lokalität – die Union von Adler und Hebelhaus – kulinarisch beleben.

Ortsbekannte Husemer fanden sich beim nächsten Auftritt ein. Die Dorfhexen bemühten sich an „Jo‘s Flohmarktstand“ inklusive der Alibi-Kischde mit Horrorfilmen um Absatz. Tratsch und Klatsch bot Anlass zu weiteren Lachsalven.

Schwung mit den Hebeldorf Harmonists

Ebenfalls im Rathaus taten sich die Schällewercher-Oldies um. Dort hänge neuerdings „ein echter Launer“ (Anspielung auf die neue Ahnengalerie). Die Putzkolonne bilanzierte: „Im Rothuus schaffe nur Fraue. Und de Martin? Ich sagte: schaffe.“

Propellerkrach übersetzte die Präsenz der Helikopter-Eltern der Sprachheilschule, und nach Zell richtete sich Galgenhumor. Die Lachmuskeln zu strapazieren gelang auch den letzten Akteuren des Abends, weltbekannt als Hebeldorf Harmonists. Wie gewohnt machten sie sich einen tonalen Reim auf Neuigkeiten, darunter die Frauenpower im Gmeirot. Fünf auf einen Schlag erbrachte die Wahl, „e neue Schwung isch inecho“. Die nächste Hymne widmete sich der Tatsache, dass zwei Huusemer das Kommando des Schopfheimer Recyclinghofs führen. Zum heimlichen Star sollte sich Harry entpuppen. Ihm galt ein Song, weshalb er beschwingt die Bühne erklomm und das ausgelassene Treiben mit Tänzerinnen bereicherte.

Derart angeknipst ging nach Programmschluss keiner heim – denn die Zunftnächte in Hausen sind lang.

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