Hausen im Wiesental Verästelte Varianten von Hebels Geschichte

Irene Schmidlin und Daniel Clenin bereicherten die Lesung im Hebelhaus mit Musik und Figurenspiel. Foto: Gudrun Gehr Foto: Markgräfler Tagblatt

Hausen (ger). Einen außergewöhnlichen Besuch verzeichnete am Samstag  das Literaturmuseum Hebelhaus in Hausen. Zur Lesung mit figürlichen und musikalischen Intermezzi präsentierte sich ein Ensemble der Heimito-von-Doderer-Gesellschaft.

Rund fünfzehn Besucher zählte die Veranstaltung, die unter coronakonformen Vorsichtsmaßnahmen stattfand. Der Wiener Heimito von Doderer (1896 bis 1966) machte als „experimenteller Erzählautor“ von sich reden.

Weitererzählung des Hebel’schen Werks

Er suchte sich für seine „Sieben Varianten“ das Thema von Johann Peter Hebels Kalendergeschichte „Tod vor Schrecken“ aus.  Die Weitererzählung des Hebel`schen Werkes verfasste er 1926,  im 100. Todesjahr von Hebel (1760 bis 1826). 

Der junge Wiener Autor verstand sein Schaffen stets experimentell. Er fand in Hebels Kalendergeschichten eine meisterliche und moderne Erzählform, eine Leistung, an die er anknüpfen wollte. Sein Ansatz war eine von der Musik inspirierte Annäherungsweise. 

In Hebels Kalendergeschichte „Tod vor Schrecken“ geht es um den unangemessenen tragischen und tödlichen Ausgang einer Wette zwischen einem Schreiber und einem Buchhalter. Opfer der Wette ist der Buchhalter als Gespensterleugner, der an den Folgen des Schreckens verstirbt.  Als zentrale „Schreckensszene“ beschafft sich der Schreiber als Wettgegner den Arm eines Selbstmörders, sucht sich heimlich Zugang zur Wohnung des Buchhalters und will diesen bei seiner Nachtruhe erschrecken.

Hebel schreibt: „Zum Dritten Mal fuhr ihm der Schreiber über das Gesicht, und als er schnell nach ihm hascht, und als er sagen wollte ´Hab ich Dich`, blieb ihm eine kalte tote Hand und ein abgelöster Armstummel in den Händen, und der kalte Schrecken fuhr ihm tief in das Herz und in das Leben hinein. Und als er sich wieder erholt hatte, sagte er mit schwacher Stimme ´Ihr habt, Got sey es geklagt, die Wette gewonnen`.“ 

Die Hebel`sche Geschichte wird von Doderer in sieben verästelten Varianten weitergesponnen, wobei sich die Varianten zunehmend vom Original entfernen und überraschende und spannende Wege nehmen.

Durch das Ensemble der Von-Doderer-Gesellschaft erfolgte bei der Lesung eine beeindruckende szenische Untermalung durch surreal tanzende Marionetten und eine Begleitung mit Gesang und Akkordeon.

Einführende Erläuterungen

Die Lesung durch Torsten Buchholz (Freiburg), Bodo Primus (Solingen) und Gerald Sommer (Berlin) wurde von einführenden Erläuterungen begleitet. Irene Schmidlin (Bern) und Daniel Clenin (Bern) überzeugten durch das einfühlsame figürliche und musikalische Spiel. 

Bürgermeister Martin Bühler bedankte sich beim Ensemble für den Besuch im Hebelhaus und die  Präsentation der spannenden und abenteuerlichen Geschichten.

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