Von Anja Bertsch

Hausen. Mit der Johann-Peter-Hebel-Gedenkplakette wurde beim Hebelabend am Samstag Jürgen „Joe“ Kammerer aus Steinen-Kirchhausen ausgezeichnet.

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Kammerer ist Initiator und Mitbegründer des Bauernhausmuseums Schneiderhof in Kirchhausen, war bei den jahrelangen Bauarbeiten an dem vormals halb zerfallenen Hof stets an vorderster Anpacker-Front und ist bis heute mit viel Herzblut und großem Einsatz dabei, das alte Gemäuer mit Aktivitäten zu füllen und die früheren Zeiten und ihre Menschen in Führungen und Aktionstagen zum Leben zu erwecken.

Martin Kickhöfen schilderte als Laudator anhand von zahlreichen Bildern ausführlich den langen Weg von der baufälligen Ruine zum heutigen schmucken Bauernhausmuseum, von der Vereinsgründung über die zahllosen organisatorischen und finanziellen Herausforderungen bis zu den sich neun Jahre hinziehenden Bauarbeiten. Am 1. Juni 1996 wurde das Bauernhausmuseum eröffnet. Unter den zahlreichen Veranstaltungen, die nun das ganze Jahr über dort stattfinden „haben Joes Führungen Kultstatus“, wusste Kickhöfen zu berichten: „Seine Vision Schneiderhof hat sich zu einer veritablen Erfolgsgeschichte gemausert und der Preisträger hat an der Verwirklichung dieses Lebenswerks ohne Zweifel größten Anteil.“

Kammerer selbst schilderte die große Überraschung, die ihn angesichts der Ankündigung der Verleihung der Hebelplakette packte: „Ich fiel aus allen Wolken und fühlte mich wie die Jungfrau, die erfährt, dass sie schwanger ist“, schmunzelte Kammerer mit Blick auf sein Nicht-Alemannentum - er ist in St. Georgen geboren - das nicht unbedingt auf einen Hebel-Preisträger passen will. Mittlerweile hat er sich offenkundig mit dem Zuwachs abgefunden: „Ich freue mich riesig über die Würdigung meiner Arbeit“, sagte er. Gleichzeitig versäumte Kammerer nicht, seinen Mitstreitern zu danken.

In den Statuten der Hebelkommission lässt sich das Wirken Jürgen Kammerers unter dem Stichwort „besondere Verdienste um die Erhaltung des heimatlichen Volkstums“, zusammenfassen, so dass die Verleihung der Hebelplakette durchaus ihre Richtigkeit hat, konnte Hausens Bürgermeister Martin Bühler beruhigen. Und er hatte gleich noch eine Neuigkeit parat: Nach 55 Jahren Hebel-Plaketten-Verleihung ließ sich die Hebelkommission für die 56. Auflage von Peter Zluhan eine neue Plakette gestalten: Das Konterfei Hebels aus Zinnguss auf einer mahagonifarbenen Trägerplatte.

Bevor das Geheimnis um den diesjährigen Hebelplaketten-Träger gelüftet wurde, ging ein heiteres Kulturprogramm für die knapp 400 Gäste über die Bühne. Eingerahmt wurde das Programm von der Hebelmusik, die in altertümlicher Hebeltracht den Auftakt und den Abschluss des Abends gestaltete. Der Gesamtchor sorgte ebenso für Musik wie ein Blockflötenensemble der Musikschule Mittleres Wiesental, das unter der Leitung von Anita Waibel Renaissance-Tänze zu Gehör brachte. Herzig war die Darbietung der „Vrenelis“ und „Hanselis“ aus der Hausener Grundschule.

Nicole Keilbach-Schmittel, Preisträgerin verschiedener Mundart-Wettbewerbe, umkreiste in ihren Kurzgedichten Alltagsbeobachtungen und Weltbetrachtungen. Und schließlich warfen sich Mitglieder von Hebelkommission und Hausener Gemeinderat in Schauspielpose und präsentierten dem Publikum mit dem Stück „Der schlaue Husar“ ein alemannisches Theaterstück von Walter Olschowka nach einer Hebelschen Kalendergeschichte.