Hausen (cb). Eine rechte „Druggete“ herrschte am Donnerstagabend im Hebelhaus bei der monatlichen Zusammenkunft der Muettersproch-Gsellschaft, Gruppe Wiesetal. Angekündigt war ein Erinnerungsabend an den 2011 im Alter von 81 Jahren verstorbenen Walter Olschowka, der jahrzehntelang mit das Image des Hebeldorfes prägte.

Olschowka wurde in Zell geboren, studierte Pädagogik in Meersburg und unterrichtete als Lehrer in Haltingen, Maulburg und Hausen, wo er 1968 zum Schulleiter bestellt wurde. Für die SPD Hausen war Olschowka als Gemeinderat von 1970 bis 1979 tätig, er war Mitbegründer der Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins und einige Jahre Vorsitzender der AWO Hausen.

Doch am Gedenkabend stellte seine ihm im Jahr 1956 angetraute Ehefrau Herta den Verfechter der alemannischen Sprache und fest in der Heimat Verwurzelten in den Mittelpunkt. Von 1996 bis 2002 war Olschowka Gruppenleiter der Muettersproch-Gsellschaft und vermittelte das „Hebelhüüsli“ als passendes Domizil für die Treffen. Selbst eigene Tische ließ er anfertigen.

Als bedeutendes Werk verfasste Olschowka das erste Wörterbuch in schriftdeutsch-alemannisch mit etwa 6000 hochdeutschen Begriffen, denen er etwa 10 000 alemannische Übersetzungen zuordnete. Dies war sein Beitrag, um die Mundart lebendig zu erhalten. Bereits in den 70er Jahren schrieb er Essays, Kritiken und Abhandlungen für die Zeitungen unter dem Pseudonym „de Zundelheiner meint“.

Damals bat Werner Schreiber aus Tumringen, das Geheimnis zu lüften, denn diesem unbekannten Schreiber sei für seinen Einsatz für die Muttersprache zu danken. Bei einem Treffen im Jahre 1977 mit Gerhard Jung und Karl Kurrus offenbarte sich der in Hausen lebende Walter Olschowka.

Eine weitere Beachtung über Hausens Grenzen hinaus erwarb sich der Liebhaber der alemannischen Sprache mit seinen zwölf Theaterstücken, alles bekannte Kalendergeschichten von Johann Peter Hebel. Olschowka hat sie in Versform bearbeitet, Regie geführt und bei den Hebelabenden mit einer Laienspielgruppe auf die Bühne gebracht. Erinnert sei an „Der kluge Richter“, „Der schlaue Husar“, „Der große Schwimmer“ oder den „Brassenheimer Müller“.

Des Weiteren stammen aus der Feder Walter Olschowkas zwei Krippenspiele und das ins Alemannische übertragene „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint Exupery. Eine Erzählung „De lange Weg“ handelt von einem Soldatenschicksal im Zweiten Weltkrieg. Auch die Fasnacht lag dem Dichter am Herzen, jahrelang schrieb er Büttenreden und für die „Rätschdäsche“ Beiträge.

Aus zwei unbekannten Werken ihres Mannes las Herta Olschowka mit feiner Stimme vor. Die „Schwäbische Kunde“ von Ludwig Uhland („Als Kaiser Rotbart lobesam...“) inspirierte Walter zur „Badischen Kunde“; in seiner Ballade war der Held im Kreuzzug der „Hürus von Altensteig“.

Ein zeitgeschichtliches Zeugnis gewährten die Auszüge aus den Aufzeichnungen unter dem Titel „de Schambediss“. In diesen bemerkenswerten Notizen verarbeitete Olschowka seine Erlebnisse nach dem Waffenstillstand am 8. Mai 1945 als Vierzehnjähriger aus dem Familien- und Dorfgeschehen in Zell. Der „Schambediss“ war ein zugezogener Junge aus dem Elsass, Jean Baptist, der schnell seinen Namen aussprach und daher so wahrgenommen wurde. Dieses schriftstellerische Werk entdeckte Herta Olschowka erst nach dem Tod ihres Mannes. Langanhaltender Beifall war hörbarer Dank für eine Erinnerungsstunde, die Walter Olschowka allen Besuchern authentisch ins Gedächtnis malte.