Hausen im Wiesental Züchtigung statt Geborgenheit in „Chinderschuel“

Heidi Zöllner (links) und Gerlinde Gerspach amüsierten mit dem Stückle „Im Heiratsinstitut“.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     Foto : Ines Bode Foto: Markgräfler Tagblatt

Hausen (ib). Sie sei überrascht, sagte Heidi Zöllner, „über de Huufe“, (große Gästezahl), die sich zum ersten Treffen der Muettersproch-Gsellschaft nach der Sommerpause im Hebelhaus eingefunden hatte. Das Publikum wurde mit lebensnahen Geschichten belohnt.

Selbst erlebt und selbst verfasst waren alle Verse und Anekdoten, die von der Vorsitzenden der Ortsgruppe, Heidi Zöllner, vorgetragen wurden.

Selbst ein Theaterstück, aufgeführt mit Vorstandskollegin Gerlinde Gerspach, stand auf dem Programm.

Inhaltlich ging es dabei um die „gute Partie Amalie“, kinderreich und abgebrannt, die „ein alleinstehendes Vermögen“ sucht. „I ha welle froge, ob Sie mir e gute Ma besorge könne täte“, sagt Amalie.

Viele Lacher begleiteten den sprachlich heiteren Auftritt.

Texte mit Tiefgang

Den Auftakt des Abends bestimmten Texte mit Tiefgang.

Etwa die vom Zeitgenossen, der jeden Montagmorgen die Larve aufsetze, ein wohl immergrünes Faktum.

Mit wachem Blick auf Geschehnisse des Umfelds wie aufs eigene Dasein schilderte die Mundartverfechterin prägende Episoden, beispielsweise aus der Kinderzeit.

Als Dreijährige kam sie in die „Chinderschuel“ Murg, wo sie es ganze drei Tage aushielt.

Stunden voller Ängste erlebte sie dort, weil die Nonnen statt Geborgenheit pure Züchtigung vermittelten.

Klein-Heidi büxte aus, geriet in einen wilden Acht-Kinder-Haushalt, wo sie sich angenommen fühlte.

Ein hörbares „Mmmhhh“ an dieser wie an weiterer Stelle suggerierte kollektive Empathie.

Ähnlich verhielt es sich bei Herbstbeobachtungen. Spaß bereitete stets, als Kind durchs Laub zu stürmen, „weil es so schön raschelte“.

Wer konnte, flitzte natürlich davon, um nicht einen Kastanien-Igel zu kassieren, der vom Nacken in den Rücken rutschte.

Und wohl jeder hat aus Kastanien und Streichhölzern Figuren gezaubert, die kurz vor Fertigstellung den Geist aufgaben.

Emotionen in der gemischten Runde weckte auch die fundierte Betrachtung über „di gueti alti Zit“, jene Ära, wo alles besser war. Wo ist sie hin? Gab es sie überhaupt? Eher nicht, lautete die Bilanz. Maidli dienten als Haushaltshilfe, Buebe verströmten Stallgeruch in der Schule – in jeder Generation. Folglich sei alles eine „große Illusion“. Um simple Missgunst ging es vor 20 Jahren, als in Zell der Ruf zum Bürgerheim hörbar wurde. Kommunen bis Lörrach fürchteten um Besucherrückgang eigener Stätten. Aber für „di alti Lüt, wars eifach z‘wit“. Auch wenn „mänge tattrig isch, isch das Hirn no frisch“. Heute sei das Bürgerheim akzeptiert und der Ort, wo Sätze mit „weisch no“ anfangen. Das passte zum „Pfarrer un si Chatz“, die zweierlei Versionen bot: in der einen katapultieren ein Traktor und ein Seil eine auf einem Baum thronende Katze zu Boden. In der anderen lässt Jungfrau Maria das Tier vom Himmel fallen, weil Annemarie sich ein Kätzchen wünscht. Da amüsierte man sich köstlich.

Zum Stichwort „Neuerung“ hieß es, wegen des Datenschutzes falle die Gratulation zu Mitgliedsgeburtstagen weg. Jedoch wird Zöllner künftig am Beginn und Ende eines Jahres gratulieren – damit sei dann alles abgedeckt, tat sie augenzwinkernd kund.

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