Hausen im Wiesental Zufällige Strukturen, neue Formen und fiktive Räume

Die Malerin Liesa Trefzer vor einem Bild aus der Serie „Zwischenräume“, das in ihrer ersten Ausstellung im Hebelhaus hängt. Foto: Jürgen Scharf

Hausen - Mit Liesa Trefzer-Blum hat die Gemeinde Hausen nicht nur eine Lyrikerin, sondern ebenso eine sehr ernsthaft arbeitende Malerin und Plastikerin hervorgebracht. Vor 30 Jahren hat sie mit ihrem Mann in Zell-Gresgen die Galerie am Brühl aufgebaut und ist seither durch die Kunst gewandert. Jetzt ist Liesa Trefzer bei ihrem „Unterwegssein durchs Leben“ an ihrem Geburtsort Hausen angekommen.

Im historischen Ambiente des Hebelhauses sind die Arbeiten auf engem Raum übersichtlich und sparsam untergebracht. Trefzers erste Ausstellung auf Einladung der Hebelstiftung Hausen kam bei der Vernissage sehr gut an. Über 70 Besucher drängten sich im Literaturmuseum. Das Interesse war groß, es gab interessante Gespräche und schöne Begegnungen, die in einer angenehmen Atmosphäre stattfanden. Unter den Gästen sah man auch Bürgermeister Martin Bühler.

Locker und gelöst war die Begrüßung durch die Kulturbeauftragte Ricarda Beilharz, die die Laudatio Elmar Vogt überließ, der in seiner Einführungsrede Trefzers Gedichte zitierte und seine Gedanken auf das Thema „Sprache in Bildern“ aufbaute. Da bei Liesa Trefzer als weiteres künstlerisches Element die dichterische Produktion hinzukommt, fragte sich Vogt, ob man ihre Bilder ohne ihr lyrisches Werk „verstehen“ könne. Bei dieser Künstlerin ist das eine ohne das andere wohl nicht denkbar. Vogt sprach auch davon, dass Liesa Trefzer eine genaue Vorstellung davon habe, was bei jedem ihrer Bilder herauskommen soll: zufällige Strukturen, neue Formen, fiktive Räume. Menschen und Natur seien in ihren Bildern und Gedanken stark eingebunden.

Diese Aussagen kann man anhand der Werkauswahl gut nachvollziehen. Eine große Plastik in Kobaltblau mit typischen Materialspuren wie Einschlägen und Erhöhungen wurde wirkungsvoll auf eine Konsole gestellt. Vier weitere Objekte aus der Serie „Erdkörper“ mit integrierten Sockeln sind in den Fensternischen untergebracht. So blieb für die Malerei an den Wänden genügend Raum und Durchblicke auf die Bilder.

Das ist ganz besonders wichtig bei den „Passagenbildern“. Das Wort „Passieren“ meint Durchfahren, kann aber auch einen zusammenhängenden Abschnitt im Leben bedeuten. Von allem scheint etwas in diesen Bildern zuzutreffen. Durchgang in einen anderen Raum, eine andere Welt, einen anderen Zustand, das assoziiert der Übertitel „Passagen“. Eigentlich sind es architektonische Elemente, Stadtbilder, Fassaden, Häuserfluchten. Bei genauerer Hinsicht entdeckt man, dass diese Architekturen im Verfall begriffen sind und „dahinter“ sich etwas Neues auftut.

Das hängt mit den vielen Farbschichten zusammen. Bei dieser Technik kann die Malerin hinter die Dinge blicken. Vergänglichkeitsthemen bewegen Liesa Trefzer schon lange, und fast ist es, als scheint auch Surrealistisches in diesen Motiven auf. Trotz der räumlichen Begrenzung zeigt sie gleich mehrere Serien in Frottagetechnik, darunter neuere Bilder mit pflanzenähnlichen Formen, aufblühend oder als Gehölz in Waldszenen mit Figuren, die fast naturalistisch wirken und in denen sich schon etwas Dreidimensionales abzeichnet. Durch Abdrücke von Folien, Papier und Stoff bleiben Strukturen erhalten und neue kommen dazu. So entstehen interessante reliefartige Formen, denn Liesa Trefzer lässt sich von den Zufälligkeiten inspirieren, die sich beim Malprozess ergeben.

Wer sich im Raum umsieht, entdeckt auch ähnliche Strukturen bei den Plastiken, deren lebendige Oberflächen durch den Abdruck von rauen Holz entstanden sind. Beide Techniken haben miteinander zu tun und wirken durch die erdigen Farben. Wieder anders ist die Reihe der „Zwischenräume“, Bilder mit Asche, die im Flur hängen und die wie ein aufgerissener Vorhang Durchblicke auf Natur, Landschaft und undefinierbare abstrakte Formen gewähren.

Es kann nicht ausbleiben, dass bei einer Ausstellung im Hebelhaus auch Hebel zu Ehren kommt. Zur „Sonntagsfreude“ aller mit Vertonungen von „Der Knabe im Erdbeerschlag“ und „Das Hexlein“, gesungen von Anita Waibel und begleitet von Dieter Waibel am Cello. Bei dem bekannten „Freude in Ehren“ haben sogar die Besucher mitgesungen, was fast schon ein Anklang an das Hebelfest war.

Liesa Trefzer bedankte sich mit dem kurzen Gedicht „Abstreifen“ aus ihrem Buch „Feuerflug“, in dem in einer Strophe das Wort „Trinken“ nahtlos zum anschließenden Apéro mit Wein und Gugelhupf überleitete.

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