Impfdurchbrüche Warum man trotz Impfung an Corona erkranken kann

In Deutschland waren bis 21. Juli knapp 40 Millionen Menschen vollständig geimpft. Foto: Jonas Güttler/dpa Foto: dpa

Berlin - Im Kampf gegen die Corona-Pandemie bieten alle bisher in Europa zugelassenen Impfstoffe einen hohen Schutz. Je nach Impfstoff verringern die mRNA-Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna die Gefahr, an Covid-19 zu erkranken, gegen ursprüngliche Corona-Varianten um bis zu 95 Prozent.

Bei den sogenannten Vektorimpfstoffen ist die Wirksamkeit nach Vollimmunisierung etwas geringer: Bis zu 80 Prozent sind es bei dem Impfstoff von Astrazeneca, Johnson & Johnson hat für sein Vakzin eine Wirksamkeit von 66 Prozent errechnet.

"Impfstoffe gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 verhindern, an Covid-19 zu erkranken und bieten einen hochwirksamen Schutz vor schweren Krankheitsverläufen", heißt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Ihr Nutzen überwiege mögliche Risiken bei weitem.

Doch selbst wenn die Impfstoffe das Risiko, an Covid-19 zu erkranken, deutlich reduzieren, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Wie bei anderen Viren auch kann es zu sogenannten Impfdurchbrüchen kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand trotz vollständiger Impfung mit dem Coronavirus infiziere und Symptome entwickle, sei "niedrig, aber nicht Null", betont das Robert Koch-Institut (RKI).

In seinem Situationsbericht vom 14. Juli listet das Institut 5374 registrierte solche Fälle seit Anfang Februar auf. 676 Betroffene mussten im Krankenhaus behandelt werden, davon waren 614 älter als 60 Jahre. Zwar kann man davon ausgehen, dass es bei den Impfdurchbrüchen eine hohe Dunkelziffer gibt, aber zum Vergleich: Bis 21. Juli waren bundesweit knapp 40 Millionen Menschen vollständig geimpft.

Im Alter lässt die Immunreaktion nach

Warum es gerade in Pflegeheimen trotz vollständiger Impfung der Bewohner zu Corona-Ausbrüchen kommen kann, hat kürzlich die Berliner Charité untersucht. Dass Impfstoffe bei jüngeren Menschen in der Regel effizienter wirken, hat den Forschenden zufolge vor allem mit der im Alter nachlassenden Immunreaktion zu tun. Diese sei nach der Impfung "deutlich verzögert" und erreiche nicht das Niveau von Jüngeren, teilte die Charité mit.

Defizite bei der Immunantwort gibt es mitunter aber auch bei Jüngeren - etwa wenn das eigene Immunsystem nach einer Organtransplantation mit Medikamenten gezielt unterdrückt wird. Daten zeigten, "dass die Immunantwort in Abhängigkeit zur Immunsuppression bei Organtransplantierten viel schlechter sein kann", sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens. "Sie liegt dann nur noch bei 50 Prozent." Auch bei Rheuma- und Krebspatienten könne die Immunantwort schwächer ausfallen.

Zudem können manche Corona-Mutanten, etwa die erstmals in Indien entdeckte Delta-Variante (B.1.617.2), die Effizienz von Impfstoffen leicht verringern. Doch aktuelle Studienergebnisse lassen darauf schließen, dass die Impfstoffe auch gegen solche Varianten schützen.

Die Präparate etwa von Biontech/Pfizer und Astrazeneca seien gegen Delta kaum weniger wirksam als gegen die ursprünglich in Großbritannien entdeckte Alpha-Variante, berichteten US-Forscher jüngst im "New England Journal of Medicine". Voraussetzung allerdings sei die vollständige Immunisierung. Nach nur einer Impfdosis sei die Wirksamkeit erheblich geringer.

© dpa-infocom, dpa:210722-99-481942/5

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