Inzlingen Ab Herbst 2022 soll es besser werden

Die Oberbadische
Die beiden Bushaltestellen an der Bruggewoog und in Höhe der katholischen Sozialstation in Inzlingen sollen erhöhte und in die Fahrbahn hineinragende Bussteige bekommen. Die Busse können damit barrierefrei erreicht werden. Zudem bremsen sie aufgrund der verengten Fahrbahn den Verkehr bis zum Stillstand. Unser Beispielfoto zeigten einen erhöhten, barrierefreien Bussteig in der Basler Straße in Lörrach. Foto: Tim Nagengast

Die Verkehrs- und Parksituation im Waieland soll sich ab dem kommenden Jahr deutlich verbessern. Dazu hat der Gemeinderat Inzlingen am Donnerstagabend einstimmig das Parkraum- und Verkehrskonzept auf den Weg gebracht. Fazit: Es passiert zwar einiges, aber der von vielen Bürgern erhoffte „ganz große Wurf“ bleibt aus. Denn zu eng sind die gesetzlichen Leitplanken, innerhalb derer die Gemeinde agieren darf.

Von Tim Nagengast

Inzlingen. Einfach mal so „30er“-Schilder aufstellen, ein paar Starenkästen errichten und hie und da Zickzacklinien auf den Asphalt malen: So einfach ist es eben nicht. Diese – manchen Äußerungen zufolge – wohl bittere Erkenntnis nahmen einige der 25 Zuhörer der Gemeinderatssitzung am Ende mit nach Hause. Und doch soll sich bereits im kommenden Jahr einiges tun, um die Verkehrs- und Parkraumproblematik in Inzlingen zu verbessern.

Schlossstraße wird vorerst nicht angefasst

Eines vorab: Sämtliche Maßnahmen, die die Gemeinde nächstes Jahr umsetzen will, betreffen ausschließlich die Ortsdurchfahrt Riehenstraße. Bei der Schlossstraße – sie liegt ebenfalls im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Lörrach – wird es wohl noch dauern, bis sich etwas tut. Der Landkreis setze derzeit, wie Bürgermeister Marco Muchenberger in der Sitzung klarstellte, aktuell nun einmal andere (finanzielle) Prioritäten, als den Umbau einer sich in prinzipiell gutem Zustand befindlichen Kreisstraße anzugehen.

So schnell wird es also nichts mit der von Inzlingen angestrebten Verengung der Schlossstraße samt Kreisverkehr und Rückbau der bestehenden Unterführung, um dort die Fahrbahn barrierefrei queren zu können.

Bürger machen sich Luft

Raserei, Falschparker, Dauerparker, unübersichtliche Stellen und brenzlige Situationen. Die Liste der Beschwerden von Bürgerseite, was die Riehenstraße angeht, ist lang. Auch während der Ratssitzung in der Erstelhalle machten einige Zuhörer ihrem Ärger wieder einmal Luft („Kein Mensch kontrolliert in Inzlingen irgendwas!“, „Wir sollten mal Sitzblockaden machen!“, „Da gehören überall Blitzer hin!“, „Das erlebe ich nicht mehr“).

Fokus liegt auf der Riehenstraße

Abhilfe für die Riehenstraße soll nun eine Mischung aus mehreren Maßnahmen schaffen, die Niklas Maassen (Rapp Trans AG) und Adolf Himmelsbach (Ingenieurbüro Himmelsbach + Scheurer) im Gremium vorstellten: aufgeweitete Sperrflächen („Zickzacklinien“) an schwierigen Abschnitten der Riehenstraße, dazu stellenweise klar ausgeschilderte Parkverbote nach dem Prinzip der „Negativmarkierung“ und – ganz wichtig – Zebrastreifen.

Derer soll es vier Stück geben: bei der Zoll-Bushaltestelle, an der Bruggewoog, der Himmelsleiter und der Pfarrgasse. Bei der Himmelsleiter und der Bruggewoog werden die Bushaltestellen behindertengerecht umgebaut, der Bussteig erhöht und zugleich die Fahrbahnbreite auf nur noch 4,10 Meter verengt. Hält dort ein Linienbus, kommt kein Auto mehr an ihm vorbei – der Verkehr wird automatisch abgebremst. Zugleich garantiert ein an den genannten Haltestellen stehender Bus ein gefahrloses Überqueren der Fahrbahn über die nahegelegenen Zebrastreifen.

Einseitiger veloschutzstreifen

Weitere wichtige Maßnahme: Entlang der Südseite der Riehenstraße – also bergauf gesehen – wird ein Radschutzstreifen aufgebracht, der ebenfalls eine tempomindernde Wirkung haben soll. Zudem verunmöglicht diese gestrichelte Linie das Parken an der Südseite der Riehenstraße (Muchenberger: „Das ist durchaus gewollt.“). Außerdem sollen die bestehenden Parkflächen im Dorf attraktiver gemacht und ausgeschildert werden (etwa bei der Himmelsleiter).

Kein „Tempo 40“

Ein Thema, das der Bürgermeister im Zuge der Sitzung noch einmal hervorholte, war der Wunsch nach „Tempo 40“ für die Riehenstraße. Dieses Ansinnen hätten die zuständigen übergeordneten Stellen zu seinem Bedauern negativ beschieden, sagte Muchenberger. Angesichts der laufenden politischen Diskussionen in Bund und Land rechnet der Inzlinger Rathauschef aber mittelfristig mit Bewegung bei diesem Thema. Im Breisgau sehe man beispielsweise, dass „Tempo 40“ in Ortsdurchfahrten doch möglich sei. In der Tat gibt es dies sogar dort recht häufig – egal, ob bei Müllheim oder auch am Kaiserstuhl.

Kein Lärmaktionsplan

Die Karte „Lärmaktionsplan“ (LAP) kann Inzlingen übrigens auch nicht ziehen. Einen solchen könne man erst ab einem Überschreiten der kritischen Grenze von 8500 Fahrzeugen pro Tag aufstellen lassen und daraus dann entsprechende Maßnahmen ableiten. Mit 3500 bis 4500 Fahrzeugen am Tag sei Inzlingen aber weit davon entfernt. Muchenberger spielte damit unter anderem auf „Tempo 30“ in den Ortsdurchfahrten von Binzen, Schwörstadt, Eimeldingen oder auch der Lörracher Wallbrunnstraße an – allesamt Maßnahmen, die jeweils direkt aus den Ergebnissen eines für die Kommune erstellten LAP umgesetzt wurden.

Dauerparker-Problem

Was das von vielen Bürgern monierte Thema Dauerparken angeht, gab der Inzlinger Rathauschef sich zurückhaltend. Es gebe nun einmal kein Verbot, sein Fahrzeug an einer legalen Stelle abzustellen. Man könne nur an die Vernunft der Anwohner appellieren, ihre eigenen Stellplätze auch zu nutzen (Stichwort: zweckentfremdete Garagen).

Weiteres Vorgehen

Auch zukünftig soll der Gemeindevollzugsdienst der Stadt Lörrach zweimal wöchentlich den ruhenden und einmal wöchentlich den fahrenden Verkehr in Inzlingen überwachen.

Außerdem wird es ein „Monitoring“ geben, um nach einem Jahr Bilanz ziehen zu können, ob die Maßnahmen für die Riehenstraße Früchte tragen oder ob noch an Stellschrauben gedreht werden muss. Die Baumaßnahmen (Schilder, Zebrastreifen, Radschutz-, Zebrastreifen und Bushaltestellen mit Fahrbahnverengungen) sollen im dritten Quartal 2022 umgesetzt werden, sofern die entsprechenden Zuschussgelder pünktlich fließen. Die Förderhöhe liege je nach Maßnahme zwischen 75 und 90 Prozent, wie Bürgermeister Muchenberger erfreut bekannt gab.

Als erster Schritt geht das beschlossene Verkehrs- und Parkraumkonzept nun an die entsprechenden übergeordneten Fachbehörden.

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