Inzlingen Dem Clown ist das Lachen vergangen

Freudebringer ohne Job: Patrick Heffele alias Clown Pat hat wie alle Solokünstler derzeit keinerlei Engagements und somit keine Verdienstmöglichkeiten mehr. Foto: Tim Nagengast

Inzlingen - Die großen Verlierer der Coronakrise sind – neben Geschäftsleuten, Gastronomen und Kleinunternehmern – die selbstständigen Künstler. Ihnen sind von heute auf morgen die Verdienstmöglichkeiten weggebrochen. Einer von ihnen ist Patrick Heffele aus Inzlingen. Der in der Region bestens bekannte Clown Pat, Comedian, Animateur und Profizauberer spürt Corona bitter.

Der Flohzirkus. Wie praktisch der doch ist! Passt in einen kleinen Bauchladen und packt die Kinder ab der ersten Sekunde. Wenn Clown Pat seinen Bauchladen öffnet, die Lupe herausholt und seine Flöhe zu Artisten werden lässt, dann leuchten die Kinderaugen.

Erwachsenes Publikum weiß Pat mit Stand-up-Comedy, Zaubershows sowie seinen blitzschnellen, verblüffenden Taschenspielertricks und Tischzaubereien zu begeistern. Da wird gestaunt, genauer hingesehen, manchmal auch am eigenen Verstand gezweifelt. Und vor allem eines: viel und herzlich gelacht.

Danach ist dem Inzlinger Zauberer und Clown derzeit allerdings überhaupt nicht mehr zumute. Ihm ist das Lachen regelrecht vergangen. Denn Patrick Heffele, wie Pat im Leben jenseits von Clownerie und Zauberei heißt, ist Künstler im Hauptberuf. Die Freude seiner Mitmenschen ist sein Broterwerb. Und der ist aufgrund der Coronakrise von heute auf morgen komplett weggefallen. Denn wenn Menschen sich nicht mehr treffen dürfen, gibt es keine Feste mehr, keine Feiern, keine Anlässe, keine Engagements. Und somit keine Einnahmen.

Terminabsagen bis in den Juli hinein

Pat ist in der Region dies- und jenseits der Grenze bekannt und beliebt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Es ist daher normalerweise gar nicht so einfach, den 45-Jährigen kurzfristig für einen Auftritt als Clown, Zauberer oder beides zu buchen. Denn der Inzlinger ist gefragt. So gefragt sogar, dass der zweifache Familienvater seine beiden erlernten Berufe – Gas-Wasser-Installateur und Erzieher – vor Jahren schon an den Nagel gehängt hat, um sich ganz seinen künstlerischen Talenten zu widmen. Und es lief prima. Bis Covid-19 kam.

„Plötzlich ist alles weg. Seit Mitte März bin ich faktisch arbeitslos“, sagt Heffele etwas resigniert. Seitdem die Coronakrise voll durchgeschlagen hat und Maßnahmen wie Versammlungs- und Veranstaltungsverbote greifen, hagelt es Stornierungen. „Am Anfang wurden nur ein paar einzelne Veranstaltungen abgesagt, für die ich gebucht war. Aber jetzt kommen die Absagen schon bis in den Juli hinein“, sagt Clown Pat. „Ungefähr 20 Absagen sind es bis jetzt. Den Ausfall hole ich nie mehr rein.“ Weggefallen ist auch sein Engagement bei den „Klinik-Clowns“.

Allzu lange überbrücken könne er so nicht, sagt der gebürtige Inzlinger. Denn es gilt, eine vierköpfige Familie zu ernähren. Daher rechnet der Zauberkünstler „erst mal mit einer Durststrecke – und die geht wohl nicht nur bis Ende April“.

Ausfälle will er lieber nicht geltend machen

Aber ist das Coronavirus denn keine „höhere Gewalt“, die er bei seinen Vertragspartnern eventuell finanziell geltend machen könnte? Patrick Heffele lehnt solche Gedankengänge ab: „Wenn du deinen Kunden mit so etwas kommst, dann bucht dich doch kein Mensch mehr.“ Klar, als Künstler zehrt man von seinem Ruf, von guter Mundpropaganda.

Um über die Runden zu kommen, hat Heffele als „Soloselbstständiger“ beim Land Baden-Württemberg einen Antrag auf Soforthilfe gestellt. Betrieben bis zu fünf Mitarbeitern können maximal 9000 Euro für drei Monate gewährt werden. „Ich hoffe mal, dass für mich etwas abfällt“, ist Pat vorsichtig.

Was er mit der zwangsläufig freien Zeit macht? Als gelernter Handwerker „vieles am Haus, was bisher liegengeblieben ist“. Und mit den Kindern geht es oft an die frische Luft. Sie brauchen Ausgleich, denn sie haben – dem Internet sei Dank – für die Schule weiterhin richtig viel zu tun. „Da muss ich einiges helfen, kann aber nicht bei beiden gleichzeitig sein“, berichtet der 45-Jährige.

Und sonst? „Neues einstudieren, anderes überarbeiten und verbessern“, sagt Patrick Heffele mit Freude in der Stimme. Denn auch er weiß: Es wird ein Leben nach der Coronakrise geben. Dann wird auch er, der Berufs-Freudebringer, wieder gebraucht. Die Menschen werden Nachholbedarf haben, sich sehen und zusammen lachen wollen. Vielleicht sogar mehr als zuvor.

Aufgeregte Zeiten erfordern seriöse und umfassende Informationen und deren Einordnung! Jetzt HIER anfordern.

  • Bewertung
    1

Umfrage

Auto-Kaufprämien

Um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu mildern, hat die Bundesregierung ein milliardenschweres Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Die mögliche Einführung einer Kaufprämie für abgasarme Benziner oder Dieselautos ist nicht mit dabei. Was hätten Sie von einer solchen Maßnahme gehalten?

Ergebnis anzeigen
loading