Inzlingen Der tote Winkel kann tödlich sein

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Lkw-Fahrerin Stefanie Fechtig (hinten rechts) und ihr acht Tonnen schwerer Truck „Prinz“ übten mit den Schülern an der Erstelhalle, wie gefährlich der tote Winkel ist. Foto: Rolf Rombach

Inzlingen (rom). Ein Sattelschlepper als Unterrichtsthema? Diese Anfrage der Inzlingerin Stefanie Fechtig stieß bei der Schulleitung und den Klassenlehrern an der Buttenbergschule auf offene Ohren. So kam es, dass am Dienstag die rund 80 Schüler, Lehrer und einige Eltern die Gelegenheit dazu bekamen, einmal die Perspektive von Lkw-Fahrern einzunehmen.

Kinder dürfen selbst ins Führerhaus steigen

Mit ihrer Zugmaschine „Prinz“ und einem kurzen Auflieger kam die 40-jährige Truckerin an die Erstelhalle gefahren. Mit Kreide und Verkehrshütchen zeichnete sie ihr Blickfeld aus der Kabine auf. Genauer gesagt: den Bereich, den man vom Lenkrad aus eben nicht sehen kann. Dieser als „toter Winkel“ benannte Bereich wird immer wieder unterschätzt, weshalb Fechtig dafür sensibilisieren möchte.

Bei ihrem Arbeitgeber Rhenus Trucking war die Inzlingerin mit ihrer Idee auf offene Ohren für das Projekt gestoßen und hatte, neben dem Fahrzeug auch eine Freistellung erhalten.

Ganz unvorbereitet kamen die vier Klassen nicht. Im Unterricht gab es mit einem Lehrvideo bereits erste Informationen zu Gefahren im Straßenverkehr. Doch direkt neben dem acht Tonnen schweren Fahrzeug und seinem Anhänger wurden die Dimensionen teils noch mal deutlich – und die Augen entsprechend groß. Nach einigen einführenden Worten über die verschiedenen Risiken durfte jedes Kind von oben, also von der Fahrerkabine aus, die Klassenkameraden suchen. Doch selbst im Stehen und nach vorne gebeugt waren einige Personen nicht zu sehen.

Man sieht sehr viel, aber nicht die Kinder

„Nahezu täglich erlebe ich kritische Momente“, sagte Fechtig im Gespräch mit unserer Zeitung. Häufig seien es Erwachsene mittleren Alters, die „noch schnell vorbei“ wollten zu Fuß oder mit dem Rad. Doch sitzt man auf ihrem Sessel in zwei Metern Höhe, fällt sofort auf, was das Problem ist: In den toten Winkeln werden selbst Erwachsene übersehen. Die größte Gefahr ist hierbei direkt vor der Zugmaschine und an der Seite des Führerstands.

„Vor allem in Kreisverkehren muss ich auch noch das Heck des Fahrzeugs im Blick haben“, beschreibt Fechtig den anspruchsvollen Umgang im innerstädtischen Verkehr. „Wenn dann jemand meint, noch kurz vor mir über die Straße gehen oder das Fahrzeug seitlich überholen zu müssen, kann das im schlimmsten Fall tödlich enden“, warnte sie und warb vor allem bei Erwachsenen als Vorbilder um Verständnis.

Auch einige Eltern nahmen das Angebot dankend an. „Ich finde das eine coole Aktion“, bescheinigte eine Mutter der Initiative, ehe sie selbst in den Führerstand kletterte. Und dann bekam sie auch zu sehen, was die Kinder sahen: den Parkplatz, aber fast keine Kinder.

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