Inzlingen Die SVI-Halle liegt in Trümmern

Inzlingen - Die Gemeinde Inzlingen hat eine turbulente Nacht hinter sich. Nachdem die SVI-Halle am Sonntagabend einem Großfeuer zum Opfer gefallen ist (wir berichteten), liegt der Schrecken am heutigen Montag wie Mehltau über dem Waieland. Neben der Frage nach der Brandursache müssen noch viele weitere Dinge geklärt werden.

Martin Coenen ist heute Morgen nicht nach vielen Worten zumute. „Es ist einfach tragisch. Wir müssen uns jetzt beratschlagen und erst einmal zur Ruhe kommen“, bittet der Geschäftsführer des SV Inzlingen am Redaktionstelefon um Verständnis. „Es ist alles ungeklärt.“

Stimmt. Ungeklärt ist, was den verheerenden Brand ausgelöst hat. Ungeklärt ist auch, was nun generell werden soll, jetzt, da der SV Inzlingen über Nacht obdachlos geworden ist. Coenen: „Wir wissen es einfach nicht.“

Statiker muss Ruine prüfen

Und so geht es auch der Polizei, welche umgehend die Ermittlungen aufgenommen hat. Zwar waren Kollegen der Spurensicherung heute Vormittag an der Brandruine tätig, aber allzu viel konnten sie noch nicht machen, wie Jörg Kiefer vom Polizeipräsidium auf Anfrage mitteilt. Denn: Die Ruine ist einsturzgefährdet. Wie ein schwarzes Gerippe ragen Reste des Dachstuhls in den Himmel. Einige verkohlte Träger biegen sich bedrohlich.

Bevor weitere Maßnahmen möglich sind, muss erst einmal ein Statiker die Reste der SVI-Halle in Augenschein nehmen. Und das kann noch dauern, ein Termin steht laut Polizei noch nicht fest. So lange können die Spezialisten der Polizei also auch nicht auf Spurensuche gehen.

Heute früh gegen 8 Uhr musste die Feuerwehr übrigens noch einmal tätig werden, nachdem erneute Rauchentwicklungen gemeldet worden waren – ein paar kleine Brandnester. Die Wehr hatte nach dem Ende des Einsatzes gegen 1.30 Uhr aber sicherheitshalber eine Brandwache gestellt.

Halle war mehr als nur eine Heimstatt für den SVI

Am Nachmittag bietet sich am Ort des Geschehens ein trostloses Bild. Ein Regal aber hat den Brand überstanden. Die Pokale und Ehrenteller stehen noch immer an Ort und Stelle.

Wie zum Trotz weht auch die unbeschädigte Vereinsfahne des SVI weiter im Wind. Denn für den umtriebigen Verein war die Halle am oberen Ortsrand mehr als nur Heimstatt. Sie war ein Identifikationsobjekt. Im Jahr 1938 von den eigenen Mitgliedern errichtet, ist sie immer wieder modernisiert worden. Zuletzt ab 1986 über vier Jahre lang – in Abertausenden Stunden Eigenleistung und mithilfe von großzügigen Spenden.

Als der Autor dieser Zeilen vor Ort ist, schlagen drei Arbeiter vom Gemeindebauhof gerade Pflöcke in den immer schlammiger werdenden, vom Regen durchnässten Hang. „Absperrung“, sagt einer – und klopft weiter, während seine Kollegen rot-weiße Baken daran befestigen.

Auf dem Parkplatz der SVI-Halle steht derweil ein einsames Auto. Hinterm Lenkrad sitzt Peter Kremer. Er betrachtet die Brandruine bei Licht. Im Trockenen, denn es schüttet wie aus Kübeln. „Um halb vier war ich heute Nacht im Bett“, sagt der Ehrenkommandant der Inzlinger Feuerwehr. Bis 2007 hatte er das Kommando. Noch heute packt er mit an, wo er gebraucht wird: „Heute Nacht saß ich am Funk.“

Mitglied im SVI ist Kremer auch – natürlich. Viele im Dorf sind das. Kremer fühlt sich daher doppelt betroffen, bewahrt aber routiniert die Fassung. „Zum Glück! Zum Glück hat der Wind heute Nacht in die richtige Richtung geweht“, sagt der altgediente Feuerwehrmann. Angesichts der nur wenige Meter entfernten Reihenhäuser mag man sich gar nicht vorstellen, was für einer Katastrophe die Wasserschlossgemeinde in der vergangenen Nacht – trotz allem Schaden – augenscheinlich entgangen ist.

Nahe Wohnbebauung erfolgreich geschützt

Dafür gesorgt haben auch die Feuerwehren aus Inzlingen und Lörrach, die rund 80 Mann aufgeboten hatten und mit 13 Fahrzeugen ausgerückt waren. Sie taten alles, um die Nachbarhäuser zu schützen. Unter anderem rissen sie sicherheitshalber einen in Richtung der Wohnbebauung ragenden Hallenteil mit einem Bagger ab. Mit Erfolg. Das Löschwasser kam aus dem nahen Schlossweiher.

Gemeinde will den SVI unterstützen

Die Polizei ermittelt nun in alle Richtungen. Ob das Feuer etwas mit einer am Samstagabend in der SVI-Halle stattgefundenen Privatveranstaltung zu tun haben könnte? Polizeisprecher Kiefer sagt, bei der Abnahme der Halle am Sonntagvormittag habe es jedenfalls keine Auffälligkeiten gegeben. „Den Rest müssen die Sachverständigen klären.“

Bei Bürgermeister Marco Muchenberger laufen derweil viele Fäden zusammen. Er hat heute - nach Rücksprache mit Polizei und Feuerwehr - aus Sicherheitsgründen die Sperrung der Ruine veranlasst. Des Weiteren führt er viele Gespräche organisatorischer Art, schließlich wolle die Gemeinde Inzlingen ihren Sportverein in dieser Situation nicht hängen lassen – Stichwort: Sicherstellung des Übungsbetriebes an anderen Stellen.

Schon jetzt kündigt der Rathauschef an, dass der von der Gemeinde organisierte Hemligkunki-Umzug, der stets in die SVI-Halle führte, voraussichtlich verlegt wird. Die Glunkis sollen in der Erstelhalle feiern und der SVI sie dort bewirten können.

Den Brand bewertet Muchenberger als echtes Drama, „denn es hängen Herzen an der Halle“. Wichtig sei jedoch, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.

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