Inzlingen Fast jeder fünfte Liter ist weg

Tim Nagengast
Im Pumpwerk in der „Burtematt“ wird ein Teil des Trinkwassers für Inzlingen gefördert.Archivfoto: Tim Nagengast Quelle: Unbekannt

Nur zwei Rohrbrüche sind im laufenden Jahr bis jetzt in Inzlingen zu beklagen, und doch ist der Trinkwasserverlust sehr hoch. Zuletzt wurden im Waieland 143 000 Kubikmeter Trinkwasser abgegeben. Rund 25 000 Kubikmeter davon sind allerdings, salopp formuliert, „einfach weg“.

Von Tim Nagengast

Inzlingen. Wohin diese gewaltige Wassermenge – es sind immerhin 68 500 Liter am Tag – verschwindet, weiß kein Mensch. Alte Rohrleitungen gibt es zuhauf im Boden. Wachsen Wurzeln ein oder entstehen feine Risse aus Gründen der Materialermüdung, tritt ruck, zuck Wasser aus und versickert im Nirgendwo.

Kommunen wie Inzlingen versuchen da natürlich permanent gegenzusteuern, lassen Rohrbrüche, so sie bekannt werden, schnellstens beheben und ersetzen Abschnitt für Abschnitt die teils uralten Graugussleitungen durch moderne. Und das kostet einiges an Geld, wie die Mitglieder des Gemeinderates im Rahmen der jüngsten Sitzung teils zähneknirschend zur Kenntnis nehmen mussten.

173 000 Euro Mehrkosten für Maßnahme Dorfstraße

Unter anderem ging es da um die laufende Erneuerung der Trinkwasserleitung in der Dorfstraße im Abschnitt von Hausnummer eins bis Hausnummer 44. Dort im alten Inzlinger Ortskern liegen noch Graugussleitungen der ersten Generation im Boden. Allein in den vergangenen drei Jahren gab es dort vier Rohrbrüche. Saniert wurden bis zum Herbst rund 440 Meter Versorgungsleitung und 31 Hausanschlüsse. Wobei Mehrkosten von rund 173 000 Euro entstanden sind. Da schnappte das eine oder andere Ratsmitglied vernehmbar nach Luft.

Wie Sophia Hamann von bnNetze erläuterte, seien diese Beträge unter anderem auf die Mehrbreite bezüglich der alten Leitungen, auf Handarbeiten bei den Schachtbauwerken und weitere Kostensteigerungen zurückzuführen. Oft gleicht der Griff in den Boden dem in eine Wundertüte, denn in früheren Zeiten wurde beileibe nicht alles verzeichnet. Da können dann schon mal unbekannte Rohrstücke, Verzweigungen oder sonstige Leitungen zutage treten. Doch auch das Unwetter vom vergangenen Juli hat seinen Beitrag zu den Kostensteigerungen geleistet, als Schlamm und Schutt die Gräben verstopften.

Gedeckt werden sollen diese Mehrkosten durch die Mittel aus dem Neubaugebiet „Neumatt“ in Höhe von 115 000 Euro und der Rest durch Neuanmeldungen für das Haushaltsjahr 2022. Zwar waren Teile des Gremiums wenig begeistert aufgrund der sechsstelligen Mehrkosten, doch stimmte es dem Antrag auf deren Genehmigung schlussendlich zu. Thilo Glatzel enthielt sich der Stimme.

Weniger Fremdwasser aus Lörrach bezogen

Interessant ist in Inzlingen auch die „Wasserverteilung“. Denn der Anteil an aus Lörrach zugeliefertem Fremdwasser liegt dieses Jahr bei nur noch 51 Prozent. Mussten im Schnitt der Jahre 2012 bis 2020 zwei Drittel des Inzlinger Wasserbedarfs mit kostbarem Nass aus der Lerchenstadt gedeckt werden, lag dieser Anteil im vergangenen Jahr sogar bei 85 Prozent – um heuer wieder auf 51 Prozent zu sinken.

Dies hängt vor allem mit den schwankenden Quellschüttungen in der Inzlinger „Burtematt“ zusammen.

Einen Vorteil für die Verbraucher hat es auf jeden Fall, dass derzeit vergleichsweise viel Wasser aus Lörrach jenem in Inzlingen beigemengt wird: Das sehr harte Inzlinger Eigenwasser wird deutlich weicher – die Hausgeräte freut’s.

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