Inzlingen Gruß aus Wien, Paris und Madrid

Willi Vogl
Georgi Mundrov und Sepp Beha bezauberten mit Wiener Nostalgie. Foto: Willi Vogl

In seinem traditionellen Neujahrskonzert gastierte der in Frankfurt lebende bulgarische Pianist Georgi Mundrov auf Einladung des Schlossvereins am Sonntag im Inzlinger Wasserschloss. Als Gastsänger war der Bariton und frühere Wasserschloss-Wirt Sepp Beha mit von der Partie. Mundrov und Beha präsentierten dem Publikum im gut besuchten Bürgersaal einen bunten und dramaturgisch überzeugenden Strauß von Werken aus Wien, Paris und Madrid.

Von Willi Vogl

Inzlingen. „Es gibt zwei wichtige Neujahrskonzerte: das eine am 1. Januar in Wien und das andere am 8. Januar in Inzlingen“, ordnete Mundrov launig die Inzlinger Matinee ein. Die traditionelle Zugabe in Wien, der Radetzky-Marsch, bildete in Inzlingen die animierende Eröffnung, bei der die Zuhörer in den Couplets kräftig mitklatschten. Es folgte der Kopfsatz aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ in einer amüsanten Mischung aus forscher Anschlagskultur und elegantem Kantabile. Die weiteren Stücke Mozarts wurden mit sonorer Stimme und spielfreudigem Ausdruck durch Sepp Beha angereichert. So erklangen mit „Ein Mädchen oder Weibchen“ eine Arie des Papageno aus der Zauberflöte und das Lied „Die Warnung“. Hier stellte Beha in Bezug auf die Textzuordnung von „jungen Mädchen“ und „Zuckerplätzchen“ schmunzelnd fest, dass sich Mozart so ein Weihnachtslied vorgestellt habe.

Anspruchsvoll, aber mit unterhaltendem Charakter

Johann Strauss’ Walzer „An der schönen blauen Donau“ erwies sich als gefühl- und schwungvolles Klavierintermezzo, bevor Beha mit Robert Sieczynskis „Wien, nur Du allein“ und Heinrich Stechers Slow Fox „In der Lobau“ weitere Wiener Nostalgie erzeugte.

Neben den tanzverbundenen Walzern konnte man in konzertanten Werken auch eine ganz andere Welt des Walzers wahrnehmen. So bezauberte Mundrov in Frederik Chopins Grand Walzer As-Dur, op. 34, Nr. 2 mit thematisch virtuosem Perlwein und agogisch fantasievollen Übergängen. Mit der Polonaise As-Dur, op. 53, von Chopin 1842 anlässlich des polnischen Aufstands in Krakau komponiert, setzte Mundrov auch eine politische Bekennernote im ansonsten Dur-fröhlichen Werkreigen. Das harmonisch und figurativ breitgefächerte Werk birgt so manche technische Hürde, die Mundrov nicht nur souverän meisterte, sondern darin mit wuselnder Chromatik, einem heroisch anmutenden Thema und grandios artikulierten Oktaven im Mittelteil auch kurzweilige Unterhaltung auf höchstem Niveau präsentierte.

Mit einer sprechenden Introduktion und andalusischen Kadenzen in Isaak Albéniz‘ „Prelude und Tango“ sowie den flirrend repetitiven Flamenco-Farben in „Asturias“ sah sich das Publikum in spanische Gefilde versetzt.

Wie zu Beginn der Matinee war auch in einer traditionellen Weise aus Sevilla mit Klatschen und kräftigem „Olé“ wieder Publikumsbeteiligung gefragt. Peter Kreuders „Sag beim Abschied leise Servus“ und als Zugabe „Die Reblaus“ von Hans Moser endete der beschwingt klingende Neujahrsgruß.

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