Inzlingen Jeder fünfte Liter Wasser ist einfach weg

In Inzlingen geht im Jahresdurchschnitt fast dreimal so viel Trinkwasser verloren, wie alleine im Pumpwerk „Burtematt“ gefördert wird.Foto: Tim Nagengast Foto: Die Oberbadische

Von Tim Nagengast

Inzlingen. Auf der Dorfstraße und dem Möndenweg werden im Laufe des Jahres die Bagger rollen. Grund sind mehrere Leitungsbaumaßnahmen, welche die Gemeinde vornehmen lässt. Der Gemeinderat hat die dafür eingeplanten 200 000 Euro – sie stehen im Wirtschaftsplan des kommunalen Eigenbetriebs Wasserversorgung – einmütig freigegeben.

Investitionen

Die kleinste der geplanten Maßnahmen betrifft den Hochbehälter Waidhof. Dort wird im Laufe der zweiten Jahreshälfte die Beschichtung der Wasserkammer erneuert (10 000 Euro), wie Hannes Kühlcke von „bnNetze“ (Badenova) im Gemeinderat darlegte.

Deutlich größere Dimensionen hat dagegen der Bau von 200 Metern Versorgungsleitung und 18 Hausanschlüssen im Abschnitt Dorfstraße 12 bis 27. Dort hatte es in den vergangenen drei Jahren vier Rohrbrüche gegeben, wie Kühlcke aufzählte. Die Baumaßnahme soll rund 85 000 Euro kosten.

„Aufgerissen“ wird auch der Möndenweg von den Häusern Nummer 20 bis 38. Hier sollen 280 Meter Versorgungsleitung plus 30 Hausanschlüsse gebaut werden. Laut Kühlcke soll diese Maßnahme im dritten oder vierten Quartal erfolgen und rund 105 000 Euro kosten. Auch in diesem Abschnitt habe es einen Rohrbruch gegeben.

Apropos Rohrbrüche: Rund jeder fünfte Liter Trinkwasser, der in das Inzlinger Versorgungsnetz eingespeist wird, ist einfach „weg“, wie aus Kühlckes weiteren Darstellungen hervorging. In den Jahren 2010 bis 2018 seien durchschnittlich knapp 134 000 Kubikmeter Wasser pro Jahr ins Inzlinger Leitungsnetz eingespeist worden. Im gleichen Zeitraum habe man aber im Schnitt nur rund 108 000 Kubikmeter Trinkwasser jährlich verkauft. Abzüglich einer öffentlichen oder betrieblichen Nutzung von etwa 2000 Kubikmetern jährlich sind demzufolge mehr als 23 000 Kubikmeter einfach verschwunden. Das sind 23 Millionen Liter. Wohin sie verschwinden? Das weiß niemand.

Kaum „Eigenwasser“

Was sich in Inzlingen allerdings reduziert haben dürfte, sind die Klagen über zu hartes Wasser. Denn die Menge des aus Lörrach bezogenen (deutlich weicheren) Trinkwassers ist vergleichsweise hoch. Nur noch sieben Prozent des Inzlinger Leitungswassers stammten im vergangenen Jahr aus der „Burtematt“. Der Rest wurde aus dem Lörracher Hochbehälter Buttenberg zugeleitet. Der Anteil an „Eigenwasser“ ist im Waieland also nur noch sehr gering.

17 Prozent Wasserverlust

Ratsmitglied Tilo Glatzel (SPD) schüttelte ob dieser Zahlen insgesamt ungläubig den Kopf: „Wir verlieren ja dreimal so viel Wasser im Jahr wie wir überhaupt aus der Burtematt fördern. Das ist doch völlig unverhältnismäßig.“ Hier verwies der Vertreter von Badenova auf das einerseits abschnittsweise sehr hohe Alter der Inzlinger Frischwasserleitungen. Andererseits sei das Waieland diesbezüglich ohnehin topografiebedingt „ein anspruchsvolles Gebiet“. Es dauere oftmals vergleichsweise lange, bis man in Inzlingen einen Rohrbruch geortet und behoben habe. Gleichwohl habe es im vergangenen Jahr lediglich zwei Rohrbrüche im Dorf gegeben.

„Wasserschnüffel-Trupp“

Hier hakte Markus Haag (Liste GFI) ein. Denn das Problem seien weniger die Rohrbrüche denn der „schleichende“ Wasserverlust. „Es gibt Rohrbrüche, die man jahrelang nicht entdeckt, weil das Wasser nirgends sichtbar zutage tritt.“ Der frühere Gemeindekämmerer rief dazu auf, „mal 10 000 oder 20 000 Euro für einen Wasserschnüffel-Trupp“ auszugeben. Dieser solle das Inzlinger Leitungsnetz in „Sektoren“ einteilen und diese genauestens inspizieren. Denn immerhin fast jeder fünfte Liter des kostbaren Trinkwassers verschwindet in Inzlingen einfach so im Nirgendwo.

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