Was ist zu tun, um in Inzlingen potenzielle Gefahren für Leib und Leben sowie Hab und Gut der Bürger bei Starkregen­szenarien zu minimieren beziehungsweise ganz abzuwehren? Dieser Frage stellte sich der Gemeinderat Inzlingen am Dienstag in öffentlicher Sitzung.

Von Heinz Vollmar

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Inzlingen. Diskussionsgrundlage war ein Vortrag des Inzlinger Hydrologen Patrick Blau vom Büro für Geoinformatik und Umwelttechnik. Er stellte im Auftrag der Gemeinde im Rahmen eines entsprechenden Projekts den ersten Schritt, die Modellierung der Starkregenniederschlagsmengen für die Wasserschlossgemeinde, vor. Des Weiteren skizzierte er anhand dreier Szenarien mögliche Folgen bei Starkregenereignissen.

Gefahrenkarte

Anhand von Starkregengefahrenkarten, welche der Darstellung der Gefährdung und der Identifikation von Risiken dienen, präsentierte er die Grundlagen zur Verortung der potenziell zu treffenden Vorsorgemaßnehmen, um später daraus folgend Einsatzpläne für den Fall eines Starkregenereignisses zu treffen.

Zwei weitere Prozessschritte müssen noch erarbeitet werden. Bis es jedoch soweit ist, soll bis Ende dieses Jahres eine konkrete Risikokartierung für Inzlingen im Rahmen eines zweiten Projektschrittes erarbeitet werden, bevor als dritter und letzter Schritt ein Managementkonzept auf die konkreten Maßnahmen eingeht.

Sekundäres Gewässernetz

Blau konzentrierte sich in seinen Ausführungen ausschließlich auf Starkregenereignisse, die in den zurückliegenden Jahren massiv zugenommen haben. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass in Inzlingen an sich ein „friedliches“ oberirdisches Entwässerungsnetz vorliege und dass die Wasserschlossgemeinde nicht in der Hochwassergefährdungskarte gelistet sei. Bei Starkregenereignissen bilde sich jedoch ein sekundäres Gewässernetz, aus dem sich eine neue Hochwasserproblematik ergebe.

Das Land Baden-Württemberg habe daher einen Leitfaden erstellt und entsprechende Daten zur Verfügung gestellt. Dabei gehe es um Geländemodelle, Oberflä­- chenabflüsse und Landnutzung, aber auch um entsprechende Bodenkarten und Oberflächenabfluss-Kennwerte. Die Starkregengefahrenkarten werden derzeit für drei Szenarien respektive Oberflächenabflussereignisse erstellt. Dazu werden seltene, außergewöhnliche und extreme Szenarien zählen. Je nach dem könne man dann über das Gesamtereignis betrachtet maximalflächige Überflutungsausdehnungen, maximale Überflutungstiefen und die relevanten Fließgeschwindigkeiten erkennen.

„Grenzüberschreitend denken“

Bürgermeister Marco Muchenberger erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass man zunächst die vom Land vorgegebenen Projektschritte abarbeiten müsse, bevor sich gegebenenfalls auch finanzielle Fördermöglichkeiten ergeben könnten. Er wies darauf hin, dass etwaige Maßnahmen zum Schutz bei Starkregenereignissen mit Kosten im siebenstelligen Bereich zu beziffern seien. Daher sei es wichtig, an Fördertöpfe zu gelangen. Zudem sprach er sich für grenzüberschreitende Lösungen für Inzlingen aus, denn das Denken mit Blick auf mögliche Starkregenereignisse dürfe in Inzlingen nicht an der schweizerischen Grenze aufhören. Wie sich Inzlingen künftig vor Starkregenereignissen schützen kann, werde dann nach Abschluss des Projekts erarbeitet und den Bürgern mitgeteilt.

Weitere Informationen: Zunächst haben die Bürger am 26. Juli ab 18.30 Uhr die Möglichkeit, im Rathaus die Starkregengefahrenkarten einzusehen, um darauf auch ihren Besitz und potenzielle Gefahren für sich selbst zu verorten.